Essen. Wer den Abend mit Markus Lanz ausklingen lässt, muss keine Angst haben, vor lauter Aufregung nicht in den Schlaf zu kommen. Dienstag war alles anders.
Der ZDF-Talk entwickelte sich zu einer explosiven Diskussion, die allen an die Nieren ging. Den Zuschauern, aber auch den Gästen Til Schweiger und Jasmin Gerat. Der Grund hieß Anja Wille. Die Mutter erzählte von ihrem Schicksal. Ihr Sohn Felix (8) verschwand 2004. Später fand man ihn – ermordet. Felix’ Mutter erlebte einen Albtraum, der bis heute anhält. Der Fall erinnert an Mirco aus Grefrath.
Was für ein Bruch in der Sendung: zuerst die munter juxenden Schauspieler Schweiger/Gerat, die ihren Film „Kokowääh“ vorstellten, danach dieses harte Familien-Schicksal. Bei allen schlug die Stimmung schnell um. Jasmin Gerat nahmen die Erzählungen der Mutter so sehr mit, dass sie unter Tränen die Sendung verließ und auch nicht wieder zurückkam. Til Schweiger, selbst vierfacher Vater, schaltete sich in die Diskussion um (Sexual-)Verbrechen an Kindern ein – und drohte vor Aufregung an die Decke zu gehen. „Deutsches Gutmenschentum kotzt mich an“, sagte er und kritisierte den Schutz der Täter in diesem Land. Deutschland sei eine Tätergesellschaft, selbst im TV-“Tatort“ konzentriere sich alles auf den Täter, „keiner geht mit dem vergewaltigten Opfer um“.
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