vergessen, dass auch in Amerika, ganz unabhängig von der Religionszugehörigkeit der Eltern, generationenlang heftig beschnitten wurde ? Argumentiert wurde mit medizinischen und hygienischen Gründen. Man hatte z.B. festgestellt, dass Frauen beschnittener Männer erheblich weniger häufig Gebärmutterkrebs bekamen. Dadurch wurden also vielen Frauen eine schlimme, langfristig schmerzhafte und oft genug tödliche Krankheit erspart. Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, dass ein Beschneider , der sich die Erfahrung einer jahrtausendalten Praxis zunutzen macht, die Beschneidung wesentlich schonender und weniger brutal vornimmt als dieser Arzt in dem Video. Der hat offensichtlich vergessen, dass er es mit einem lebendigen kleinen Menschen zu tun hat - nicht einmal ein Tier würde man festschnallen und vor Schmerzen schreien lassen. Die Beschneidungen in Amerika sind um mehr als die Hälfte zurückgegangen, als bekannt wurde, dass das kindliche Gewebe an die Pharmaindustrie verkauft wurde, die es für diverse Zwecke verwendete.
Irgendwie geht die Diskussion momentan an den Realitäten vorbei.Man darf doch ruhig davon ausgehen, dass Menschen auf der ganzen Welt bestrebt sind, ihren Kindern spirituelle und moralische Wurzeln zu geben. Das Überleben der Gruppe hing und hängt oft auch heute noch von den Normen des sozialen Verhaltens ab, die die Mitglieder verinnerlicht haben. Das wird nun mal überwiegend transportiert von der Religion oder der Lebensphilosophie, den Traditionen dieser Gruppe. Unvorstellbar, dass so etwas einfach weggelassen wird - oder dass man etwa, der Freiheit des Individuums zuliebe, die Religion anderer anstelle der eigenen weitergibt. Die Kinder lernen von den Eltern - ohne soziale Rangordnung läuft das auch nicht ab. Wir können ohne weiteres die Erfahrungen aus Schulen und Kinderläden zu Rate ziehen, wo man mit gutem Willen antiautoritär erziehen wollte.
Ein gebildeter, unabhängig denkender Mensch wird sich seine Gedanken machen, bevor er sein Kind beschneiden läßt. Schließlich gibt es die Gegenbewegung inzwischen sowohl bei Muslimen als auch bei Juden, von denjenigen, die aus nicht-religiösen Gründen dafür waren, gar nicht zu reden.
Was uns nicht zusteht, ist, Eltern, die die Tradition ihres Volkes, ihrer Religion befolgen, als unmenschlich zu beschimpfen.
Diejenigen, die etwas erreicht haben in Bezug auf schlimme, nicht mehr zeitgemäße Traditionen, haben darüber aufgeklärt und die Menschen dort abgeholt, wo sie stehen.
Wir haben hier allerdings den Vorteil, gesetzliche Regelungen entsprechend unserer wissenschaftlich untermauerten Überzeugung anzufordern. Das sollten wir in diesem Fall tun - ohne andere zu diskriminieren. |