Gericht stellt religiöse Beschneidung unter Strafe

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eröffnet am: 26.06.12 09:03 von: windot Anzahl Beiträge: 3769
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07.10.12 00:01 #3176 Zitat aus d. link oben
Den neuen Threadtitel finde ich angemessener. Um Wiederholungen zu vermeiden sollte noch ein link zu den ersten beiden Threads zum Thema eingefügt werden. Da der Entwurf zu einem "Beschneidungsgesetz" immer noch umstritten ist, möchte ich den Appell einer Mutter hier zitieren: "Mütter und Väter, habt Mut zu hinterfragen Kleine Jungen und Babys werden aus religiöser Überzeugung, manchmal aus ästhetischen und hygienischen Gründen und teilweise zur Prävention von Krankheiten an ihrer Penisvorhaut beschnitten? Das gibt es? Seit tausenden Jahren und heute, in unserer aufgeklärten Gesellschaft? Ein wenig schäme ich mich für mein ahnungsloses Überraschtsein und erlebe leider täglich, dass es außer mir viele andere Ahnungslose und solche gibt, die sich über Beschneidung bisher keine Gedanken gemacht. So viele Fragen haben sich mir gestellt. Jenseits der leidenschaftlich geführten Debatten mit jeweils überzeugenden Argumenten, Rechtslagen und Gesetzesentwürfen, frei von jeglicher Furcht, in irgendeine antisemitische Schublade gesteckt zu werden, steht allen voran doch die Frage: Warum wollen liebende Mütter und Väter, ganz gleich welcher Religion sie angehören und ob überhaupt, dass ihren Söhnen ein gesunder Teil des Körpers einfach abgeschnitten wird? Etwas, was genau da gewachsen ist, weil es genau da eine wichtige Funktion hat und hingehört? Weil das so in der Heiligen Schrift steht? Weil das einfach Tradition so ist, weil alle Vorfahren der Familie das gemacht haben? Weil das angeblich hygienischer sei und das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen senkt? Weil ein Arzt meint, dass die enge Vorhaut immer zu eng bleiben wird? Weil irgendwelche LEUTE das so meinen und für richtig halten, lassen Eltern zu, dass ihren Söhnen unwiederbringlich ein Stück Vorhaut entfernt wird, ein Stück Schutz, ein so großes Stück Sinnlichkeit und Lust? Und fragen nicht nach, ob das stimmt? Es ist Unrecht! - Diese Antwort würden sie finden. All die Irrtümer möchte ich an dieser Stelle nicht aufzählen, die Beschneidungsgegner haben in den zurückliegenden Wochen eine solche Fülle von überzeugenden Informationen und Argumenten zusammengetragen (z.B. http://die-petition.de/pressemappe/s...ahme-mogis-ev/  ). Ich habe jede Impfung meiner Kinder sehr gründlich abgewogen, mich nach gründlichem Hinterfragen entgegen der Empfehlung des Kinderarztes gegen eine Tränenkanalerweiterung meiner Tochter unter Vollnarkose entschieden, die nach zwei Jahren auf ganz natürlichem Wege zurecht gewachsen war. Kein Zögern und Fragen war angebracht, als meinem Sohn der akut entzündete Wurmfortsatz am Blinddarm entfernt werden musste. Eine harmlose Standard OP, alles ist gut gegangen, aber das Gefühl, dass da etwas aus dem kleinen Körper meines Kindes herausgeschnitten wurde, was ganz sicher eine Funktion und Berechtigung dort hatte, wird immer bleiben. Mütter und Väter, bitte stellt diese kritischen Fragen. Unsere Kinder, Töchter und Söhne gehören uns nicht. Unsere Pflicht ist es, sie in ihrer ganzen Einzigartigkeit zu beschützen, so lange bis sie irgendwann selbst auf sich aufpassen und entscheiden können. Dann können sie selbst hinterfragen und Antworten finden. Dann können sie immer noch für sich entscheiden, dass sie, aus welchem Grund auch immer, ohne ihre Vorhaut leben, lieben und geliebt werden wollen." Zitiert aus: http://mogis-und-freunde.de/blog/hab...-einer-mutter/ Die homepage zur Online Petition für ein 2jähriges Moratorium bevor ein Gesetz dazu beschlossen wird.__________________ Support Fazil Say http://supportfazilsay.com/ Mit Zitat antworten The Following 3 Users Say Thank You to Mein_Ingomann For This Useful Post: Ibobine  (03.10.2012), schneidersitz  (29.09.2012), ~FiNi~  (29.09.2012)  
07.10.12 12:34 #3177 Ex
Die Frage ist nicht, wie viele Männer beschnitten sind und ob das schon immer so gewesen ist. Wir wollen eine gesetzliche Regelung bezüglich der Beschneidung männlicher Kinder hier in Deutschland - woanders regeln wir das eh nicht, das ist uns bekannt.
Wir wissen, dass wir nur dort respektiert werden, wo auch wir respektieren. Es liegt uns fern, Menschen aus anderem Kulturkreis zu beschimpfen, weil sie über die Beschneidung andere Meinungen vertreten. Aber auch wir wollen gehört werden. Ich wiederhole noch einmal, was schon vorher gesagt wurde :

Natürlich kann jeder denken,was er will.
Aber es gibt Fakten und Normen,Moral und gesellschaftliche Bedingungen,an denen der Seriöse nicht vorbeikommt.
Und man muß es sich gefallen lassen,daran gemessen zu werden.
Die Klarheit über diese Dinge ist gesellschaftlich und rechtlich unabdingbar und von höchster Wichtigkeit.

Alice hat ausführlich und unmissverständlich dazu Stellung genommen. Wenn man sich aufgrund wichtiger Argumente, vor denen sich keiner verschließen kann, mehrheitlich gegen die Beschneidung entscheidet, so  muß auch das respektiert werden.
Schließlich hat man auch in anderen Ländern Mittel und Wege gefunden, diese  Probleme zu lösen - in einem gewissen Alter können die Jugendlichen selbst entscheiden. Es kann so etwas wie eine symbolische Beschneidung vorher stattfinden - schließlich ist die Beschneidung an sich ein symbolischer Akt, mit der die Kinder in die religiöse Gemeinschaft aufgenommen werden. Oder glaubt jemand wirklich, dass es einen Gott gibt, der Vorhäute benötigt ?
Man kann mit den Kindern zur Beschneidung in die Heimatländer fahren, wenn es denn unbedingt sein muss.
Aber sollte sich die Mehrheit in Deutschland auf demokratischem Wege zu der gesetzlichen Regelung bekennen, dass derartige Eingiffe an Kindern dem Recht auf körperliche Unversehrtheit entgegenstehen und zu unterlassen sind, dann ist das von denjenigen zu respektieren, die anderer Meinung sind.  
07.10.12 12:41 #3178 @Jule
Du driftest in Deine eigene Interpretation von religiösem Nutzen ab ("Oder glaubt jemand wirklich, dass es einen Gott gibt, der Vorhäute benötigt ?")

Das ist ja auch das Problem an der gesamten Thematik. Menschen, die es gar nicht betrifft, meinen bestimmen zu können, ob es Sinn macht, was andere Menschen aus religiösen Gründen machen und halten sich für befähigt, die religiöse Deutungshoheits über solche Rituale an sich zu nehmen, um die Menschen in ihrer intimen Glaubensbeziehung zu reglementieren.

Das kann und wird nicht funktionieren, selbst, wenn eine Mehrheit so denkt (denn sie ist überhaupt nicht davon betroffen!).  
07.10.12 12:59 #3179 da liegst du nun in meinem empfinden
falsch, potz.

deine aussage:
"Das ist ja auch das Problem an der gesamten Thematik. Menschen, die es gar nicht betrifft, meinen bestimmen zu können, ob es Sinn macht, was andere Menschen aus religiösen Gründen machen und halten sich für befähigt, die religiöse Deutungshoheits über solche Rituale an sich zu nehmen, um die Menschen in ihrer intimen Glaubensbeziehung zu reglementieren."

aber wenn der verdacht auftritt, dass andere Menschen geschädigt werden, dann ist es unabdingbar, dass sich menschen die es gar nicht betrifft einmischen.

Nichts anderes ist die aufgabe von strafverfolgungsbehörden. gewisse menschliche auswüchse müssen reglementiert werden - sonst ist ein friedliches miteinander nicht möglich  
07.10.12 13:02 #3180 Die Mehrheit bestimmt aber nicht, was
Strafverfolgungsbehörden zu verfolgen haben.  
07.10.12 13:02 #3181 Ja, Du hast
in gewisser Weise Recht. Deshalb sollte ich mich auch jeglicher theologischer Diskussion enthalten. Das entzieht sich meiner Kompetenz. Selbst konservative christliche Theologen kennen symbolische Handlungen und natürlich auch die Kraft der symbolischen Handlungen. Für Orthodoxe und Fundamentalisten gibt es keine symbolische Handlungen.
Darum geht es aber nicht. Es geht darum, dass man eine Mehrheit, die sich hier, in Deutschland, aus reiflicher Überlegung und guten Gründen gegen die Beschneidung entscheidet, ernstzunehmen und zu respektieren hat. Unter diesen sind auch Muslime und Juden - auch solche, die es nicht wagen, dies öffentlich zuzugeben. Wenn wir die Demokratie wollen, haben wir das zu berücksichtigen.
Das bedeutet natürlich auch, dass man Andersdenkende nicht diffamieren darf.  
07.10.12 13:07 #3182 #3180 - in gewisserweise schon. da wir
in einer mittelbaren demokratie leben.

weiterhin sind die gesetze festgeschrieben. Bei ermittlungsbehörden gibt es da auch kein ermessensspielraum. da sie dem legalitätsprinzip unterliegen. es besteht somit strafverfolgungszwang.

d.h. der beamte MUSS beim verdacht einer straftat tätig werden.  
07.10.12 13:08 #3183 @Jule
"Unter diesen sind auch Muslime und Juden - auch solche, die es nicht wagen, dies öffentlich zuzugeben."

Auf der einen Seite ist diese Aussage, das ein größerer Anteil die Beschneidung abschaffen möchte, nicht belegbar (entweder wagen sie es, dies öffentlich zuzugeben, oder man weiß nicht), und auf der anderen Seite ist auch dann noch die Deutungshoheit bei den betroffenen Menschen selbst und nicht bei Christen oder Atheisten.  
07.10.12 13:08 #3184 " beim anfangsverdacht"
07.10.12 13:18 #3185 zunächst ist auch der medizinische eingriff ei.
Körperverletzung - allerdings steht dem der medizinische zwecke entgegen und somit die rechtfertigungsgründe.

d.h. im umkehrschluss - ein körperlicher eingriff ohne medizinischen nutzen und ohne die einwilligung des probanden ist eine körperverletzung nach §223 StgB. aufgrund des verwendeten medizinischen werkzeuges tritt noch eine Qualifikation ein.  der tatbestand nennt sich dann Gefährliche Körperverletzung nach §224 Nr.1 (2) StgB wenn die Körperverletzung mittels eines gefährlichen werkzeuges beigebracht wird.
Das strafmaß ist erheblich höher.  
07.10.12 13:18 #3186 die deutungshoheit will ihnen
niemand nehmen. es werden nicht alle generell verurteilt die beschitten sind oder ihren nachwuchs beschneiden lassen, deshalb auch die forderung auf den kompromiss einzugehen u. bis zu einem späteren zeitpunkt zu warten.

bis vor kurzem wußte kaum jemand der nicht involviert war wie die zeremonie aussieht u. das die narkotisierung nicht gewährleistet ist. man mußte tiefer ins thema weil religiös argumentiert wurde und jetzt zweifelt man eben mehr wie vorher am sinn der beschneidung.

zu sagen es ginge die bevölkerung nichts an, was in ihrem land passiert oder legalisiert wird ist sehr provokativ und schürt noch mehr verständnislosigkeit.

wir brauchen klare regeln für ein zusammenleben, wenn schon kompromisse abgelehnt werden...dann muß diese zeremonie eben woanders stattfinden.  
07.10.12 13:25 #3187 du sagst es - alice. niemand will eine
beschneidung verbieten - nur darf es den straftatbestand der Gef. KV nicht mehr erfüllen. Somit muss der proband alt genug sein, um diesem nicht unerheblichen medizinischem eingriff selbst zustimmen zu können.  
07.10.12 13:30 #3188 Du magst es provokativ finden,
aber das ist nun mal die Tatsache. Unser Staat muss die religiöse Kultur von Minderheiten schützen, besonders bei Minderheiten, die genauso lange "auf deutschem Boden" leben wie die Christen selbst. Es sind weder Ausländer, Eindringlinge noch Fremde.

Leider enstehen jetzt Scheingefechte auf einem angeblichen Fundament der Rechtstaatlichkeit durch Leute, die erst jetzt durch dieses inkompetente Gerichtsurteil zum Tatendrang erweckt wurden. Das macht die Thematik um so unangenehmer.

Ich wiederhole es nochmals: solche Veränderungen müssen aus den Kreisen der Betroffenen selbst erwachsen oder eben nicht. Was die Mehrheit darüber denkt, spielt in meinen Augen keine Rolle, denn solche Mehrheitswünsche haben die Intention von Assimilation und Gleichmacherei.  
07.10.12 13:34 #3189 Und wir brauchen auch keine
"klaren Regeln für ein Zusammenleben", weil die Mehrheit bis vor wenigen Monaten anscheinend noch gar keine Ahnung von der Minderheit hatte.

Das ist eben so eine Kernkomponente von Gleichmacherei. Anderen die eigenen Regeln aufzudrücken und das dann als "klar" zu benennen.  
07.10.12 13:38 #3190 das gericht hätte sich strafbar gemacht, weg.
strafvereitelung  
07.10.12 13:40 #3191 #3188 - der schutz der religiösen kultur
hat auch grenzen.

irgendwann möchte dann eine religionsgemeinschaft, mädchen in deutschland beschneiden. die nächsten dann, jedem jungen das linke ohr abschneiden usw.

potz du bist da auf dem holzweg.  
07.10.12 13:42 #3192 lol
"Ich wiederhole es nochmals: solche Veränderungen müssen aus den Kreisen der Betroffenen selbst erwachsen oder eben nicht. Was die Mehrheit darüber denkt, spielt in meinen Augen keine Rolle, denn solche Mehrheitswünsche haben die Intention von Assimilation und Gleichmacherei."


na wie denn, wenn solche menschen wie du sie boykotieren? es gibt genug gegner in den eigenen reihen, die entweder nicht reden oder mundtot gemacht werden. was denkst du wieso menschen wie ich etwas verständnislos auf menschen wie dich reagieren? man "kennt" die dinge aus ner ganz anderen perspektive u. muß sich permanent vor leuten rechtferigen die gar nix damit zutun haben...potz.
schau in meinem thread es sind praktizierende moslems und exmoslems dabei. es gibt auch jüdische gegner der beschneidung. die jungen lassen es meist zu weil die alten drauf bestehen. du tust so als wenn jeder jude/moslem streng praktizieren würde...irrtum, die sind hier bei uns nicht mehr so religionsfixiert...

man kann noch so gut argumentieren, es verpufft. vorallem bist du auch ein nicht involvierter oder? wieso zählt dann deine meinung mehr als die von leuten die es betrifft oder die reformen fordern? nochmal die frage...willst du die zwangstraditionalisieren wenn sie gegen alte traditionen sind?  
07.10.12 13:42 #3193 #3189 - wie kommst du darauf.
von diesen ritualen haben bestimmt alle gewusst. aber, dass diese geschichten ohne narkose durchgeführt werden und was da für ein leid entsteht habe ich ehrlich gesagt auch nicht gewusst..  
07.10.12 13:45 #3194 Diese Beispiele sind schwachsinnig
Das Judentum und der Islam prägen die Menschen gemeinsam schon seit Jahrtausenden. Dass man die Beschneidung gesetzlich gestattet, geschieht nicht aus Willkür, sondern aus Respekt vor dieser, den Erdball seit extrem langer Zeit belebenden und beeinflussenden religiösen Kultur.

Wenn morgen eine Ohrabschneider-Sekte enstünde, ist das etwas Anderes.  
07.10.12 13:47 #3195 wir sollten die moslems und juden, welche ein.
beschneidung in diesem frühen lebensstadium ablehnen unterstützen.

dummerweise gibt es selbst in unserer aufgeklärten nation immer noch ewig gestrig die mit zweierlei maß messen  
07.10.12 13:49 #3196 Alice, Du bist schon ne Drama Queen
Sollen die Exmuslime machen was sie wollen. Sollen die Muslime machen, was sie für richtig erhalten.

Das geht Dich als Ex-Katholikin herzlich wenig an. Dabei bleibt es nach meiner Sicht.  
07.10.12 13:49 #3197 überpitz gesprochen natürlich. aber ich denke .
weißt, dass ich recht habe.

Was wäre denn, wenn in der christlichen kirche diese methode brauch wäre?

würdest du dich für oder gegen diese praxis aussprechen?  
07.10.12 13:49 #3198 überspitzt
07.10.12 13:53 #3199 Es steht in Deutschland jedem Menschen frei
sich von seinen Religionen zu distanzieren.

Jüdische Eltern werden nicht gezwungen, ihre Kinder beschneiden zu lassen, aber es soll ihnen erlaubt sein, wenn sie es als wichtig erachten.

Ihr vergesst, dass wir es hier mit gebildeten muslimischen und jüdischen Menschen zu tun haben und keine "rückständischen Buschbewohner", denen man im Kolonialstil aufdiktieren darf, was sie zu tun und zu lassen haben.  
07.10.12 13:56 #3200 "rückständigen"
faux pas  
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