AKTIE IM FOKUS: Deutsche Bank an DAX-Spitze -Profitiert von neuen Bilanzregeln 10:52 30.10.08
FRANKFURT (dpa-AFX) - Aktien der Deutschen Bank (Profil) waren am Donnerstag nach Zahlen Favorit der Anleger im freundlichen DAX (Profil). Gegen 10.45 Uhr kletterte die Aktie von Deutschlands größter Bank um 15,93 Prozent auf 28,750 Euro. Der Leitindex stieg zeitgleich um 2,71 Prozent auf 4.938,90 Zähler. Die Deutsche Bank hat im dritten Quartal schwarze Zahlen geschrieben, rechnet aber mit weiter schwierigen Marktbedingungen und wird wegen der Finanzkrise die Dividende für das laufende Jahr voraussichtlich kürzen. Einen Bedarf für neues Kapital sieht die Bank indes nicht. Die meisten Experten sprachen von besser als erwarteten Zahlen, verwiesen aber auf den positiven Einfluss der neuen Bilanzierungsregeln und reklamierten eine schwache Entwicklung der weniger kapitalmarktabhängigen Geschäftsfelder.
Laut einem Händler übertraf die Quartalsbilanz die Markterwartungen. Ähnlich äußerte sich ein anderer Börsianer, der aber die Qualität der Gewinne in den stabilen Geschäftsfeldern Global Transaction Banking (GTB), Asset & Wealth Management und Private & Business Clients (PBC) monierte. Der aggregierte Vorsteuergewinn dieser Bereiche liege unter seiner Prognose. Aus dem Markt hieß es zudem, Anleger schichteten offensichtlich von Öl- und Telekomwerten in Finanztitel um.
Das Institut profitierte nach Einschätzung eines Analysten von den neuen Bilanzierungsregeln - ohne diese hätten Vor- und Nachsteuergewinn nicht deutlich über seinen und den Konsenserwartungen gelegen, sondern die Schätzungen verfehlt. Die verbesserte Kernkapitalquote zeige indes, dass eine Kapitalerhöhung kurzfristig nicht notwendig sei.
Entgegen den Erwartungen habe die Deutsche Bank einen Nettogewinn erzielt, schrieb UniCredit-Analyst Andreas Weese. Verantwortlich dafür seien allerdings nur positive Einmaleffekte und die dank neuer Bilanziereungsregeln niedrigeren Abschreibungen. Im Fokus der Anleger bleibt für den Experten indes die Stärkung der Eigenkapitalquote. Angesichts einer Kernkapitalquote von über 10 Prozent gebe es keinen Grund für eine Kapitalerhöhung, so Weese. Er bewertet die Aktie weiter mit "Buy" und einem Kursziel von 68 Euro.
Laut Analyst Dirk Becker von Kepler hat die Deutsche Bank das Schlimmste hinter sich, weshalb er seine bisheriges "Reduce"-Empfehlung überprüft. Sein Kursziel liegt bei 60 Euro. Dank Kapitalgewinnen aus dem Verkauf von Allianz-Aktien sei das Institut im dritten Quartal profitabel geblieben. Ein genauerer Blick auf die Zahlen enthülle aber, dass die Deutsche Bank im dritten Quartal unter der Finanzmarktkrise gelitten habe, fügte Becker mit Blick auf die vorteilhaften neuen Bilanzierungsregeln hinzu.
Die Zahlen seien wegen eines riesigen Eigenhandelsverlusts schwach ausgefallen und hätten seine Schätzungen verfehlt, lautete indes das Fazit von equinet-Analyst Philipp Häßler. Die Entwicklung der stabilen Geschäftsbereiche sei ziemlich enttäuschend. Der Experte blieb beim Votum "Hold" für die Aktie und will sein Kursziel von bisher 55 Euro überdenken./gl/dr
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