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ARQUES INDUSTRIES Vorstandswechsel schockt Anleger [10:00, 18.01.08]
Seite 1 | 2Von Gereon Kruse
Bereits vor einigen Monaten tauchten Gerüchte auf, wonach der bisherige Vorstandschef, Martin Vorderwülbecke, bei Arques auf dem Sprungbrett stehe. Tatsächlich verabschiedete sich Ende Oktober aber nur sein Kollege Markus Zöllner, der bei Arques für die Beteiligungen verantwortlich war. Nun nimmt aber auch Vorderwülbecke seinen Hut.
Mitten in einer ohnehin schwelenden Vertrauenskrise – seit der Beförderung in den MDAX vor knapp vier Monaten ist der Aktienkurs um rund 55 eingebrochen – muss Arques verkünden, dass Vorderwülbecke seinen Vertrag nach noch nicht einmal neun Monaten an der Spitze des Starnberger Beteiligungsunternehmens nicht verlängert hat. Offiziell heißt es, der 47-jährige „hatte Bedenken, sich nochmals langjährig zu binden“.
Worin genau seine Bedenken lagen, wird allerdings auch aus den – mitunter abenteuerlich klingenden – Ausführungen von Vorderwülbecke nicht klar: „ Der Finanzmarkt hat in den letzten Wochen wissen wollen, ob ich meinen Vertrag verlängern werde. Auf diese Frage war ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht eingestellt. Zu solch einer langfristigen Bindung, wie sie die MDAX Mitgliedschaft verlangt, war ich aber persönlich nicht bereit, zumal nun der Zeitpunkt für einen Wechsel günstig ist und ein hervorragender natürlicher Nachfolger bereitsteht.“
Als Nachfolger steht per 1. Februar 2008 Michael Schumann parat. Der gebürtige Tutzinger ist einer der Gründer von Arques und verantwortete seit Oktober 2006 den wichtigen Bereich Akquisitionen. Pikanterweise hatte er auch diese Stelle von Vorderwülbecke übernommen, der damals zum Finanzvorstand und stellvertretendem Vorstandsvorsitzenden benannt wurde. Zum diesem Zeitpunkt wurde das Zepter bei Arques allerdings noch von Peter Löw geschwungen, der sich wiederum im Mai 2007 überraschend aus dem Geschäft zurückzog.
An der Börse reagierten die Anleger auf die neuerliche Rochade auf Vorstandsebene überaus nervös. So rauschte die von der Pleite der ehemaligen Druckereibeteiligung Arquana ohnehin gebeutelte Arques-Notiz erneut um zwölf Prozent in die Tiefe. Damit stehen die Starnberger derzeit noch für einen Börsenwert von 400 Millionen Euro. Zum Vergleich: Mitte 2007 brachte die Gesellschaft noch sportliche 1,1 Milliarden Euro auf die Waagschale.
Im neusten Zwischenbericht gibt Arques des Net Asset Value (NAV) per 22. November 2007 mit 705,4 Millionen Euro an. Davon entfallen allerdings allein 297 Millionen Euro auf den IT-Großhändler Actebis, den der MDAX-Konzern im laufenden Jahr an die Börse bringen möchte. Angesichts des trüben Börsenumfelds scheint dieses Vorhaben – zumindest derzeit – aber überaus problematisch. Umsichtige Anleger schauen sich die Entwicklung weiter von der Außenlinie an.
Einschätzung: VERKAUFEN Kurs am 18. Januar 2008: 15,07 Euro Rückschlagsgefahr: 20 Prozent
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