Acatis beendet Zusammenarbeit mit Gané - Fondsnews


12.02.24 15:06
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Seit vielen Jahren managen die Gané-Gründer Uwe Rathausky und Henrik Muhle den milliardenschweren Acatis Value Event Fonds - mit beachtlichem Erfolg. Umso überraschender erscheint die Nachricht, dass sich Acatis nun von Gané trennt, so die Experten von "FONDS professionell".

Der rund acht Milliarden Euro schwere Acatis Value Event Fonds werde künftig nicht mehr von der Aschaffenburger Investmentboutique Gané verantwortet. Das gehe aus einer Mitteilung der Frankfurter Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) Acatis Investment hervor. Die Zusammenarbeit werde per Ende März beendet. Von da an würden nicht mehr Uwe Rathausky und Henrik Muhle die Geschicke des Topsellers lenken. Übernehmen werde Johannes Hesche, Partner und Leiter des qualitativen Portfoliomanagements bei Acatis. Er werde künftig für die Auswahl der Aktien und Anleihen sowie die Steuerung der Allokation des 2008 aufgelegten Fonds verantwortlich zeichnen. Unterstützt werden solle Hesche dabei von Acatis-Gründer Hendrik Leber.

Die Trennung komme einerseits überraschend, schließlich würden die gute Performance und der hohe Absatz dafür sprechen, dass in den vergangenen Jahren sowohl Acatis als auch Gané von der Kooperation profitiert hätten. Andererseits hätten sich schon vorher gewisse Unstimmigkeiten angedeutet: So sei vor rund anderthalb Jahren der Zusatz Gané aus dem Fondsnamen verschwunden, aus dem "Acatis Gané Value Event Fonds" sei der "Acatis Value Event Fonds" geworden. Erklärt worden sei der Schritt damals mit gewissen markenrechtlichen Aspekten, über die sich die Partner wohl nicht hätten einigen können.

Doch aus welchen Gründen beende Acatis die Zusammenarbeit nun? "Ein wesentlicher Anstoß zu dieser Entscheidung war die Tatsache, dass die Gané-Verantwortlichen für die Auflegung ihrer beiden neuen Fonds, einem Aktien- und einem Mischfonds, sich für eine andere KVG und nicht für Acatis entschieden haben", erläutere Acatis-Kapitalmarktstratege Stefan Riße auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE. Das sei so zwar in Bezug auf mögliche Konkurrenzprodukte nicht explizit oder vertraglich vereinbart worden, aber nur, weil sich damals keine der beiden Seiten habe vorstellen könnten, dass es einmal zu einer solchen Situation kommen würde. "Von unserer Seite hätte es für immer dabei bleiben können, dass Acatis die gesamte Infrastruktur liefert und den Vertrieb übernimmt, während Gané als Fondsberater agiert", so Riße weiter. Zumal die Vergütung für beide Seiten jederzeit sehr fair geregelt gewesen sei.

Gané selbst habe sich überrascht von dem Schritt gezeigt. Rathausky habe FONDS professionell ONLINE in einer ersten Reaktion mitgeteilt, offensichtlich wolle die KVG sie aus "ihrem" Fonds herausdrängen. Gané habe zudem eine ausführlichere Stellungnahme angekündigt, die bislang jedoch noch nicht vorliege.

Tatsächlich habe Gané in den vergangenen anderthalb Jahren zwei weitere Publikumsfonds bei Universal Investment lanciert. Im September 2022 sei der Gané Global Equity Fund aufgelegt worden, der mittlerweile gut 200 Millionen Euro verwaltet und auch in Österreich, der Schweiz, Italien und Spanien vertrieben werde. Ende 2023 sei der Gané Global Balanced Fund gefolgt, der bislang nur in Deutschland zugelassen sei. Diesen Fonds hätten Muhle und Rathausky als defensivere Variante des bewährten Acatis-Produkts positioniert. Trotz seiner erst wenige Wochen jungen Historie verwalte der Fonds bereits zwölf Millionen Euro.

Wer eins und eins zusammenzählen könne, für den sei es ein Leichtes zu erkennen, dass mit einer Kombination aus 50 Prozent Gané Global Equity Fund und 50 Prozent Gané Global Balanced Fund sich in etwa die gleiche Strategie mit einer zudem vergleichbaren Zusammensetzung der Einzelwerte bei Aktien umsetzen lasse wie im Acatis Value Event Fonds, habe ein Finanzberater gegenüber FONDS professionell ONLINE erklärt.

An dem bisher verfolgten Ansatz des Acatis Value Event, aktienähnliche Renditen bei deutlich geringerer Volatilität zu erzielen, solle sich auch künftig nichts ändern. Man werde weiterhin an der auch bisher schon von Acatis vorgegebenen Strategie der "geraden Linie" festhalten, heiße es in der Mitteilung des Frankfurter Vermögensverwalters. Die Strategie mit einem konzentrierten Portfolio aus stabilen Qualitätsunternehmen mit reifen Geschäftsmodellen und gut prognostizierbaren Cashflows bleibe eins zu eins erhalten. Der Aktien- sowie der Rentenanteil würden weiterhin klassisch gesteuert, und auf den Einsatz von Derivaten werde man auch künftig verzichten.

"Wir fühlen uns mit dem aktuellen Portfolio und der Aktienquote sehr wohl", lasse sich der neue Fondsmanager Hesche in der Pressemitteilung zitieren. "Wir werden den Fonds kontinuierlich und mit ruhiger Hand weiterführen, so wie es die Anleger von uns gewohnt sind." Hesche sei in der Branche übrigens kein Unbekannter. Gemeinsam mit Leber verantworte er milliardenschwere Mandate für institutionelle Investoren. Einer breiteren Fachöffentlichkeit sei Hesche bekannt für das Management des Acatis Value und Dividende (ISIN AT0000A146T3 / WKN A146T), der wie der Value Event erfolgreich auf das Konzept eines konzentrierten Portfolios aus reifen Unternehmen mit hohen Cashflows und guter Wertschöpfungsqualität setze. (12.02.2024/fc/n/s)






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