DWS Top Dividende: Der nicht nachhaltige Artikel-8-Fonds - Fondsnews


30.06.22 11:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Thomas Schüßler hat seine Anleger bis dato sehr gut durch das turbulente Jahr 2022 gebracht: Sein gut 19 Milliarden Euro schwerer DWS Top Dividende, der größte in Deutschland aufgelegte Publikumsfonds, liegt seit Anfang Januar nur minimal im Minus und gehört damit zu den besten zehn Prozent seiner Vergleichsgruppe bei Morningstar, so die Experten von "FONDS professionell".

Dabei geholfen habe das hohe Gewicht der Energie- und Roffstoffaktien im Portfolio. Die größte Position sei Ende Mai TC Energy, ein kanadisches Unternehmen gewesen, das Erdgas- und Erdölpipelines betreibe. Platz zwei gehöre dem Bergbau- und Düngemittelgiganten Nutrien, Rang drei dem Minenkonzern Newmont. In den Top-Ten würden sich auch BHP, Shell, Total und Schlumberger finden. Dem Fonds habe das gut getan, alle genannten Aktien würden auf Euro-Basis gerechnet seit Jahresbeginn im Plus liegen. Klar sei aber auch: Solche Titel würde ein Anleger typischerweise nicht in einem Nachhaltigkeitsfonds vermuten. Und an dieser Stelle werde es interessant, habe die DWS Schüßlers Fonds doch gemäß Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) eingestuft, dem Paragrafen also, der nach Ansicht der wohl meisten Branchenbeobachter für ESG-Strategiefonds vorgesehen sei.

Im Verkaufsprospekt gebe es dazu Passagen, die beim Leser eher Fragen aufwerfen würden, als sie zu beantworten. In der aktuellen Version des Dokuments (vom 1. März 2022) heiße es unter "Anlageziel und -strategie": "Mit diesem Fonds bewerbe die Gesellschaft ökologische und soziale Merkmale oder eine Kombination aus diesen Merkmalen im Sinne von Artikel 8 der EU-Verordnung (…), ohne dabei eine explizite ESG- und/oder nachhaltige Anlagestrategie zu verfolgen." Was denn nun? Werde der Fonds etwa als nachhaltig beworben, ohne es zu sein? Das lasse aufhorchen, insbesondere vor dem Hintergrund der Greenwashing-Vorwürfe, mit denen sich das Haus konfrontiert sehe und die es vehement bestreite.

Auch die "Besonderen Anlagebedingungen" würden nur bedingt Aufklärung versprechen: "Mindestens 60 Prozent des Wertes des OGAW-Sondervermögens müssen in Vermögensgegenstände von Emittenten angelegt werden, die definierte ESG-Standards in Bezug auf ökologische, soziale und die Unternehmensführung betreffende Merkmale ('ESG-Kriterien') erfüllen", sei dort zu lesen. Und was sei mit dem Rest? Das erfahre der Anleger weiter unten: "Bis zu 40 Prozent des Wertes des OGAW-Sondervermögens können in Vermögensgegenstände angelegt werden, die den ESG-Standards nicht entsprechen oder nicht bewertet werden." Das klinge so, als könne Schüßler zwei Fünftel seines Portfolios nach Belieben mit Aktien "schmutziger" Unternehmen bestücken.

Doch ganz so einfach sei es nicht. Die Antwort der DWS auf eine Anfrage von FONDS professionell ONLINE verdeutliche, wie wenig die aktuelle ESG-Regulierung an vielen Stellen helfe - und dass Anleger eine Einstufung gemäß Artikel 8 SFDR nicht als Gütesiegel auffassen sollten.

Zunächst verneine eine DWS-Sprecherin die Frage der Redaktion, ob die jüngste Änderung des Verkaufsprospektes eine Reaktion auf die Greenwashing-Vorwürfe sei. Grund für die Prospektänderung sei vielmehr, dass der DWS Top Dividende von Artikel 6 auf Artikel 8 der Offenlegungsverordnung umgestellt worden sei. Seitdem komme der hauseigene "DWS Basic Exclusions"-Filter zum Einsatz. Dieser sehe bestimmte Ausschlüsse vor: Emittenten mit sehr großen Klimarisiken, vielen Normverletzungen sowie Unternehmen mit hohen Erträgen aus umstrittenen Sektoren würden außen vor bleiben - allzu "schmutzig" dürfe es in Schüßlers Fonds also nicht werden.

"Als Artikel-8-Fonds unterliegt der DWS Top Dividende strengeren Kriterien, als dies als Artikel-6-Fonds der Fall war", betone der Anbieter. Das Haus nehme bekanntlich für sich in Anspruch, "ESG als einen Eckpfeiler der Unternehmensstrategie identifiziert" zu haben. Darum habe die DWS im Zuge der SFDR-Einführung die Zahl der Fonds erhöht, "die ökologische oder soziale Merkmale fördern", so die Firmensprecherin. Der DWS Top Dividende wurde und werde jedoch nicht als Nachhaltigkeitsfonds gewertet, stellt sie klar, so die Experten von "FONDS professionell".

Sein stattliches Volumen zähle also auch nicht zum "ESG verwalteten Vermögen", das die Deutsche-Bank-Tochter in ihrem Geschäftsbericht ausweist und das im Zuge der Greenwashing-Vorwürfe zur oft hinterfragten Kennzahl worden sei. In dieser Position würde der Dividendenfonds nur auftauchen, wenn der deutlich strengere "DWS ESG Investment Standard"-Filter zum Einsatz käme, was aber nicht der Fall sei.

Der Asset Manager weise darauf hin, dass für einen in Deutschland aufgelegten Fonds wie den Top Dividende nicht nur die europäischen Vorgaben aus der Offenlegungsverordnung gelten würden. "Für Fonds, die nicht als nachhaltige Investmentvermögen im Sinne der Bafin-Verwaltungspraxis eingestuft werden, verlangt die Bafin im Verkaufsprospekt (einschließlich der Anlagebedingungen) die Aufnahme der Klarstellung, dass der betroffene Fonds explizit keine nachhaltige Anlagestrategie verfolgt", erläutere die DWS.

Bei Deutschlands größtem Publikumsfonds würden also drei Faktoren aufeinandertreffen: Da sei erstens das Bemühen der DWS, den Top Dividende nachhaltiger zu managen als bisher, ohne die Investmentstrategie zu sehr einzuschränken, zweitens die EU-Offenlegungsverordnung und drittens die Verwaltungspraxis der nationalen Aufsicht. Diese drei Punkte würden im Verkaufsprospekt in dem bereits zitierten Satz münden, der sogar Branchenkenner rätselnd zurücklasse: "Mit diesem Fonds bewirbt die Gesellschaft ökologische und soziale Merkmale (…), ohne dabei eine explizite ESG- und/oder nachhaltige Anlagestrategie zu verfolgen." (30.06.2022/fc/n/s)





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