Erweiterte Funktionen

ELTIF-Marktvolumen deutlich größer als gedacht - Fondsnews


04.04.22 15:03
Scope Analysis

Berlin (www.fondscheck.de) - Seit 2015 ermöglichen ELTIFs (European Long Term Investment Funds) vermögenden Privatanlegern den Zugang zu illiquiden Anlageklassen wie Infrastruktur, so die Experten von Scope Analysis.

Nach einem verhaltenen Marktstart hätten Angebot und Nachfrage nach den Produkten in den vergangenen anderthalb Jahren deutlich angezogen. Auf Basis einer repräsentativen Umfrage unter Anbietern beziffere Scope das in ELTIFs investierte Kapital auf rund 7,5 Milliarden Euro. Der Markt sei damit signifikant größer als bislang angenommen: Die jüngste Schätzung sei per Ende April 2021 noch von 2,4 Milliarden Euro ausgegangen.

Am häufigsten vertreten sei die Assetklasse Private Debt: ELTIFs, die in private Kreditfinanzierung investieren würden, würden 36% des platzierten Volumens vereinen. Zweitstärkstes Anlagesegment sei mit 31% Infrastruktur. In Private-Equity-ELTIFs seien rund 26% des Vermögens angelegt. Die restlichen 7% würden in ELTIFs stecken, die sich in mehreren Assetklassen engagieren würden.

Nahezu die Hälfte des ELTIF-Kapitals (46%) sei in Produkten platziert, die professionellen Investoren vorbehalten seien. 54% würden in Produkten stecken, die sowohl für private als auch für professionelle Kunden zugelassen seien. Zu den aktivsten Asset Managern, die ihre Produkte auch Privatanlegern anbieten würden, würden Amundi, Azimut, BlackRock, Commerz Real, Muzinich und Partners Group gehören.

Die regional größten Märkte in Europa seien Italien und Frankreich. Der italienische ELTIF-Markt werde von Privatanlegern dominiert, die unter bestimmten Bedingungen von steuerlichen Anreizen profitieren könnten. Der französische ELTIF-Markt sei vor allem ein Markt für professionelle Investoren und habe die längste Historie in Europa.

Der ELTIF-Markt in Deutschland hänge hinterher. Einer der Gründe sei, dass es nach den schlechten Erfahrungen mit geschlossenen Beteiligungen in der Finanzkrise gerade in Deutschland lange eine Skepsis gegenüber geschlossenen Produkten gegeben habe. Zudem behindere die komplexe Abwicklung mit teilweise hohem manuellem Aufwand den Vertrieb im fragmentierten deutschen Bankenmarkt mit zusätzlich vielen unterschiedlichen Fondsplattformen. ELTIFs seien deshalb in Deutschland bislang vor allem in Private-Wealth-Einheiten von Großbanken erfolgreich platziert worden, die die Abwicklung im eigenen Haus durchführen würden.

Nach Startschwierigkeiten gebe es in jüngster Vergangenheit allerdings positive Beispiele dafür, dass der ELTIF auch abseits der Großbanken in Deutschland ankomme. Sowohl im Vertrieb der Private-Banking-Einheiten als auch bei den Abwicklungsplattformen würden Lernprozesse einsetzen.

Als weiterer Wachstumstreiber für den ELTIF-Markt könnte sich die aktuell innerhalb der EU diskutierte Gesetzesnovelle erweisen, die die Rahmenbedingungen für das Angebot und den Vertrieb von ELTIFs durch weniger Restriktionen optimieren solle. Außerdem wäre die Etablierung eines Sekundärmarkthandels förderlich, da gerade gehobene Privatkunden die Illiquidität der allermeisten ELTIF-Produkte teilweise als Hürde empfänden. Darüber hinaus zeige die Erfahrung aus Italien, dass insbesondere nationale steuerliche Anreize ein großer Treiber für das Wachstum des ELTIF-Markts sein könnten.

Nicht nur Anleger und Anbieter würden sich eine stärkere Verbreitung wünschen. Auch die EU dürfte daran Interesse haben. ELTIFs könnten sich als schlagkräftiges Instrument bei der Umsetzung des europäischen Green Deals erweisen, weil sie Investitionen in Sachwerte und Infrastruktur fördern würden. Demnach spreche vieles dafür, dass sich die zuletzt beobachtete Dynamik am ELITF-Markt fortsetzen werde.

Basis der Scope-Auswertung sei eine umfangreiche Befragung der Anbieter, die die Ratingagentur von November 2021 bis März 2022 durchgeführt habe. Der Studie lägen Daten für 43 der insgesamt 53 registrierten und vermarkteten ELTIFs zugrunde. Angeboten würden diese von 31 verschiedenen Asset Managern. Das Volumen der 43 ELTIFs, für die Detaildaten vorlägen, habe zum Jahresende 2021 7,0 Milliarden Euro betragen. Das Volumen der übrigen zehn ELTIFs schätze Scope auf 200 bis 700 Millionen Euro. (04.04.2022/fc/n/s)