Ex-Flossbach-Duo feiert Absatzerfolg mit Nischenfonds - Fondsnews


18.07.17 12:34
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Traumjobs für zwei 30-Jährige: Der eine entwickelt Aktienideen für den FvS Multiple Opportunities, der andere managt Rentenfonds bei Flossbach von Storch. Trotzdem machen sich Dimitri Widmann und Fabian Leuchtner Ende 2016 mit ihrer Fondsidee selbstständig - mit Erfolg, wie sich heute zeigt, so die Experten von "FONDS professionell".

Der Squad Aguja Opportunities verwalte ein gutes halbes Jahr nach seiner Auflage schon mehr als 45 Millionen Euro. "Allein in den vergangenen zwei Monaten summierten sich die Zuflüsse auf über 20 Millionen Euro", berichte Dimitri Widmann, einer der beiden Gründer der Kölner Investmentboutique Aguja Capital, die den Fonds steuere. "Die Zuflüsse kamen nicht nur von einzelnen großen Investoren, sondern verteilt über verschiedene Plattformen, sowohl in die institutionelle als auch in die Retail-Anteilsklasse", ergänze sein Kompagnon Fabian Leuchtner im Gespräch mit "FONDS professionell ONLINE".

Die beiden Jungmanager, 30 und 31 Jahre alt, hätten Aguja Capital im vergangenen Jahr gegründet. Sie hätten sich während ihres Studiums des Wirtschaftsingenieurwesens kennen gelernt, später beide bei Flossbach von Storch gearbeitet. Leuchtner habe zusammen mit einem Kollegen zwei Rentenfonds gemanagt, Widmann habe als Aktienanalyst für den Flaggschifffonds FvS Multiple Opportunities gearbeitet. Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit hätten sie sich einen Traum erfüllt. "Investieren ist unser Hobby, unsere Leidenschaft. Das war uns wichtiger als ein festes Gehalt", sage Widman.

Mit dem Squad Aguja Opportunities würden die beiden Nachwuchsfondsmanager auf Unternehmen in Sondersituationen setzen, bei denen beispielsweise eine Übernahme anstehe oder ein Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag vorliege. Ziel seien "marktunabhängige Werttreiber", wie Leuchtner es nenne, also Renditen, die nicht am Auf und Ab der Finanzmärkte hängen würden. "Wir suchen gezielt nach solchen Sondersituationen und analysieren dann auch die ganze Kapitalstruktur nach der Frage, welches Instrument das attraktivste Rendite-Risiko-Profil aufweist", sage Leuchtner. "Das kann die Aktie sein, aber auch eine Anleihe oder eine Wandelanleihe." Durch diese Mischung solle ein "asymmetrisches Chancen-Risiko-Profil mit gedämpfter Downside" entstehen.

Ein Beispiel sei Inmarsat, ein Unternehmen aus Großbritannien, das Mobilfunk über Satelliten anbiete. "In diesem Sektor gibt es Übernahmegerüchte, darum haben wir uns dieses Unternehmen näher angesehen", so Leuchtner. Am attraktivsten erschien die Wandelanleihe, so die Experten von "FONDS professionell". Denn tief im Prospekt versteckt finde sich eine Formel, wie die Inhaber dieser Papiere bei einer Übernahme zu behandeln seien. "Wir kamen zu dem Ergebnis, dass die Wandelanleihe in diesem Fall annähernd die gleichen Chancen bietet wie die Aktie. Kommt es nicht zu einer Übernahme, wirft das Papier aber dennoch fast drei Prozent laufende Rendite ab und verfügt durch die Anleihekomponente über ein geringeres Risiko", so Leuchtner.

Ein weitgehend unbekanntes Unternehmen, komplizierte Details im Wertpapierprospekt, mit denen sich die wenigsten Investoren auseinander setzen würden - solche Investment-Storys würden die beiden Aguja-Gründer lieben. Bislang seien ihre Ideen auch hervorragend aufgegangen: Seit Jahresbeginn liege der Fonds rund 10 Prozent im Plus. Bislang habe Aguja jeden Monat eine positive Performance abgeliefert, nur im Juni habe ein hauchdünnes Minus gestanden.

Allerdings seien Leuchtner und Widmann nicht die einzigen, die nach Sondersituationen suchen würden - insbesondere, weil herkömmliche Anleihen kaum noch Zinsen abwerfen würden und viele Aktien schon ambitioniert bewertet seien. Zumindest in Ansätzen vergleichbare Strategien würden der Greiff Special Situations, der 4Q‐Special Income, der KR Fonds Deutsche Aktien Spezial und der WHC Global Discovery verfolgen. Doch diese Fonds seien in den vergangenen Monaten so beliebt gewesen, dass sie die Zuflüsse hätten beschränken müssen, um ihre Anlagestrategie nicht verwässern zu lassen - die Zahl der Squeeze-Out-Kandidaten und Beherrschungsverträge sei nun mal begrenzt.

"Wir profitieren sicherlich davon, dass einige unserer Wettbewerber kein oder kaum noch frisches Geld annehmen. Auch deshalb beschäftigen sich zahlreiche Investoren mit unserem Fonds, obwohl er erst Ende vergangenen Jahres aufgelegt wurde", sage Widmann. Doch wie werde Aguja auf dem Markt der Sondersituationen fündig, wenn die Mitbewerber ihre Fonds schließen müssten, weil ihnen genau diese Nische zu eng geworden sei?

"Wir haben den Vorteil, dass wir uns nicht auf Aktien beschränken müssen und verschiedenste Sondersituationen ausnutzen können, uns also beispielsweise nicht nur auf Übernahmen konzentrieren. Zudem bietet jede Marktphase andere Sondersituationen", sage Widmann. "Außerdem sind wir regional nicht begrenzt. Der Fonds kann weltweit investieren, anders als einige unserer Mitbewerber. Insofern können wir ein Stück weit flexibler reagieren. Die Schwierigkeit besteht eher darin, alle interessanten Ideen abzuarbeiten." Außerdem kämen immer wieder neue Sondersituationen auf den Markt, die wegen der vielen geschlossenen Fonds aber nicht auf viel neues Kapital gestoßen seien.

Noch sei das Volumen ihres Fonds deutlich von der Kapazitätsgrenze der Strategie entfernt, sage Leuchtner. "Klar ist aber auch, dass das kein Konzept ist, das sich endlos skalieren lässt." (18.07.2017/fc/n/s)





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