Fünf offensive Mischfonds "made in Germany" im Check - Fondsnews


05.12.23 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Simon Nöth entscheidet gemeinsam mit seinen Teamkollegen, welche Fonds sich für die hauseigene Empfehlungsliste und die Vermögensverwaltung Comfortinvest der Fonds Finanz qualifizieren, so die Experten von "FONDS professionell".

Hier stelle der Analyst fünf interessante Multi-Asset-Produkte mit hoher Aktienquote vor.

"Ein Turbo mit angezogener Handbremse, ein Alleskönner oder die eierlegende Wollmilchsau - die Ansprüche an einen offensiven Mischfonds könnten kaum höher sein", sage Simon Nöth, Markt- und Produktanalyst im Bereich Portfoliomanagement und Analyse der Fonds Finanz. Aktienmarktrenditen mit deutlich geringerem Verlustrisiko, so lasse sich die Erwartungshaltung für diese Fondsgattung beschreiben. "Um es vorwegzunehmen: So ein Anlagevehikel haben wir nicht gefunden", so der Branchenkenner des Münchner Maklerpools. Interessante offensive Mischfonds gebe es dennoch. Grund genug für Nöth und seine Kollegen, exklusiv für FONDS professionell ONLINE fünf davon unter die Lupe zu nehmen.

Für die aktuelle Analyse berücksichtige Nöth nicht nur offensive Mischfonds der entsprechenden Morningstar-Kategorie "Mischfonds EUR aggressiv - Global", sondern auch Fonds aus der Vergleichsgruppe "Mischfonds EUR flexibel - Global", die einen Aktienanteil von 70 Prozent und höher ausweisen würden. "Anlegern stehen in diesen Kategorien eine Vielzahl von Produkten zur Verfügung", wisse Nöth. Während das gemeinsame Ziel dieser Mischfonds klar definiert sei, verfolgten sie ganz unterschiedliche Konzepte, sowohl hinsichtlich der Vermögensaufteilung als auch der Aktien- und Anleiheselektion. "Da bekanntlich viele Wege nach Rom führen, haben wir hier keine Präferenz", sage Nöth. "Im Fokus steht vielmehr die Einschätzung auf eine Wiederholbarkeit der bisher besonders guten Anlageergebnisse in einem sehr umkämpften Markt."

Fonds-Finanz-Analyst Simon Nöth stelle bekannte und weniger bekannte, auf jeden Fall aber erfolgreiche Multi-Asset-Konzepte vor:

Flossbach von Storch SICAV Multiple Opportunities
Volumen: 24,7 Mrd. Euro
Wertentwicklung über 5 Jahre: 4,33% p. a. (Kategoriedurchschnitt Mischfonds EUR aggressiv - Global: 4,26% p. a.)
Wertentwicklung 2023 (bis einschließlich 30.11.2023): 6,85% (Kategoriedurchschnitt Mischfonds EUR aggressiv - Global: 6,89%)

Der wohl bekannteste Mischfonds auf dem deutschen Markt sei der Flossbach von Storch Multiple Opportunities. Bert Flossbach und sein Team würden die Strategie mit einem einfach wirkenden, aber disziplinierten und erfolgreichen Ansatz verwalten. Flexibel in vielversprechende Vermögensklassen anlegen, laute das Rezept. Obwohl der Fonds seine Aktienquote aktiv steuere, würden die Experten ihn in diese Auswertung einbeziehen, da der hohe Aktienanteil und auch die Wertentwicklung langfristig zum Profil der offensiven Mischfonds passen würden. Der Erfolg der Strategie zeige sich sowohl im Fondsvolumen von gut 35 Milliarden Euro (inklusive des Schwesterfonds FvS Multiple Opportunities II) als auch in der langfristigen Rendite: Über zehn und 15 Jahre lasse das Flaggschiff von Flossbach von Storch drei Viertel der offensiven Mischfonds hinter sich bei einer leicht geringeren Volatilität.

Das hauseigene und unabhängige Weltbild präge die Entscheidungen des Fondsmanagements auf taktischer und auch auf strategischer Ebene. Der Vergleich mit Indices oder anderen Benchmarks spiele bei der Entscheidungsfindung keine Rolle. Habe das Fondsmanagement während der Niedrigzinsphase auf Anleihen noch fast völlig verzichtet, würden sie wegen des mittlerweile gestiegenen Zinsniveaus wieder rund 18 Prozent des Portfolios darstellen. Rund die Hälfte dieser Position sei in kurzlaufende Euro-Staatsanleihen angelegt, der Rest entfalle auf unterschiedliche Bereiche des Rentenmarkts.

Für die Aktienauswahl stehe die Qualität im Mittelpunkt. Daher würden die Analyse von Bilanzdaten, stabile und hohe Gewinne, ein starkes Gewinnwachstum sowie hohe Kapitalrenditen bei den Portfoliounternehmen eine Schlüsselrolle spielen. Flossbach mische dem Fonds meist circa zehn Prozent Gold als strategisches Investment bei, wodurch er sich von vielen Konkurrenten abhebe. Aufgrund des nachweislich erfolgreichen Managements durch Flossbach und sein Team eigne sich der Fonds hervorragend als langfristiges Basisinvestment für Anleger, die sich nicht um ihre Vermögensallokation kümmern möchten.

Value Intelligence Fonds
Volumen: 130 Mio. Euro
Wertentwicklung über 5 Jahre: 6,40% p. a. (Kategoriedurchschnitt Mischfonds EUR aggressiv - Global: 4,26% p. a.)
Wertentwicklung 2023 (bis einschließlich 30.11.2023): 3,33% (Kategoriedurchschnitt Mischfonds EUR aggressiv - Global: 6,89%)

Klein aber fein: Die Vermögensverwaltung Value Intelligence Advisors aus München biete nur drei Fonds an. Zwei Fonds würden von einem dreiköpfigen Team unter der Federführung von Stefan Rehder nach einem Value-Ansatz gemanagt und sich lediglich durch das - klassische und nachhaltige - Anlageuniversum unterscheiden. Ein dritter Goldminen-Fonds werde in Zusammenarbeit mit einer US-Boutique angeboten. Zusammen würden die drei Fonds auf rund 400 Millionen Euro Anlagevermögen kommen. Obwohl die verwalteten Gelder und personellen Ressourcen besonders gegenüber großen internationalen Fondshäusern überschaubar seien, könne die Boutique um den erfahrenen und gut vernetzen Gründer Stefan Rehder mit dem Value Intelligence Fonds ein Produkt anbieten, das seit Auflage im Jahr 2010 durch seine verlässliche Performance besteche.

Der Fonds unterscheide sich von typischen offensiven Mischfonds dadurch, dass der Teil des Portfolios, der aus Anleihen und Kasse bestehe, das Resultat der Bewertungen im Aktienuniversum sei. Gebe es laut dem eigenen Bewertungsverfahren genügend attraktiv gepreiste Titel, steige der Aktienanteil - und andersherum. Das mittel- bis langfristige makroökonomische Bild fungiere dabei als Tool zur Risikoeinschätzung. Das Management kombiniere stets mehrere Anlageideen für unterschiedliche Szenarien. Für steigende Zinsen - das Hauptszenario - sei das Portfolio mit Substanzaktien, kurzlaufenden Anleihen und Kasse gerüstet. Gold und Goldminenaktien (circa zehn Prozent) würden als Absicherung gegen hohe Inflation dienen.

Grundsätzlich achte Rehder bei Aktien auf die Ertragskraft des operativen Geschäfts und ein langfristig orientiertes Management der Unternehmen. Das Resultat sei ein konzentriertes Portfolio mit Hang zu mittelgroßen Aktien, das den Fonds deutlich von der Masse abhebe. Über fünf und zehn Jahre schlage der Fonds 85 Prozent der Konkurrenten bei geringeren Schwankungen. Der Ansatz bedeute aber auch, dass die Rendite deutlich vom Markt abweichen könne, was sich folgend für die Anleger jedoch stets positiv ausgewirkt habe.

Allianz Dynamic Multi Asset Strategy SRI 75
Volumen: 1,2 Mrd. Euro
Wertentwicklung über 5 Jahre: 7,39% p. a. (Kategoriedurchschnitt Mischfonds EUR aggressiv - Global: 4,26% p. a.)
Wertentwicklung 2023 (bis einschließlich 30.11.2023): 10,13% (Kategoriedurchschnitt Mischfonds EUR aggressiv - Global: 6,89%)

Der Allianz Dynamic Multi Asset Strategy SRI 75 sei der Sportwagen unter den offensiven Mischfonds. Er investiere mit einem Core-Satellite-Ansatz in über 60 Anlageklassen und berücksichtige dabei auch Nachhaltigkeitskriterien. Das Kernportfolio bestehe aus globalen Aktien und europäischen Anleihen, die in der Regel 60 Prozent des Fonds ausmachen würden. Die ergänzenden Satelliteninvestments bestünden zum Beispiel aus Rohstoffen oder Schwellenländeranleihen, würden bis zu 40 Prozent des Portfolios stellen und dürften über Einzelwerte, andere Fonds, ETFs oder Derivate abgebildet werden.

Das Fondsmanagement um den seit 2014 federführend verantwortlichen Marcus Stahlhacke kombiniere die quantitative und fundamentale Analyse von aktuell bis zu 63 Anlageklassen. Der Schwerpunkt liege auf der Analyse des Marktzyklus, um mittelfristige Trends zu identifizieren. Bei positiver Beurteilung der Aktienmärkte könne die Aktienquote temporär gehebelt und dadurch bis auf 125 Prozent angehoben werden. Auch auf der Anleiheseite habe das Fondsmanagement Spielraum, um beispielsweise eine negative Duration (Zinssensitivität) umzusetzen.

Der dynamische Ansatz habe in den letzten Jahren zu einem erhöhten Fondsrisiko (Beta) geführt, das zwischen den Kategorien der offensiven Mischfonds und globalen Aktienfonds gelegen habe. Auch die Schwankungsintensität liege zwischen den beiden Anlageklassen. Die Ergebnisse könnten sich insgesamt aber mehr als sehen lassen. Über unterschiedliche Zeiträume wie drei, fünf, zehn oder 15 Jahre gehöre die Strategie zum besten Zehntel der Kategorie. Die Überrendite stamme vor allem aus positiven Marktphasen, denn in fallenden Märkten verliere der Fonds meist etwa genauso viel wie seine Vergleichskategorie. In steigenden Märkten lege die Allianz-Strategie dann deutlich stärker zu. Der Allianz Dynamic Multi Asset Strategy SRI 75 eigne sich aufgrund dieses Profils eher für vorsichtige Aktienfans als für die typischen Mischfondsanleger.

Acatis Value Event Fonds
Volumen: 7,5 Mrd. Euro
Wertentwicklung über 5 Jahre: 6,78% p. a. (Kategoriedurchschnitt Mischfonds EUR aggressiv - Global: 4,26% p. a.)
Wertentwicklung 2023 (bis einschließlich 30.11.2023): 13,56% (Kategoriedurchschnitt Mischfonds EUR aggressiv - Global: 6,89%)

Auch der Acatis Value Event Fonds zeig, dass man nicht zwangsläufig ein Heer von Analysten und Managern beschäftigen müsse, um in einem umkämpften Markt zu bestehen. Gesteuert werde der flexible Mischfonds vom Managerduo Henrik Muhle und Uwe Rathausky des fränkischen Unternehmens Gané, während sich der bekannte Frankfurter Asset Manager Acatis um die Verwaltung kümmere. Der Fonds habe keine starre Vermögensaufteilung, sondern investiere dort, wo die Manager die vielversprechendsten Renditen verorten würden. Bisher habe das zu einem Aktienanteil von durchschnittlich 70 Prozent geführt, was den Fonds für diesen Vergleich qualifiziere.

Die Investmentphilosophie konzentriere sich auf die Anlage in unterbewertete Vermögenswerte nach dem Value-Stil und auf Renditechancen aus besonderen Ereignissen, zum Beispiel Umstrukturierungen, Übernahmen oder Aktienrückkäufe. Im Mittelpunkt stehe die mittels Fundamentalanalyse geprüfte Qualität des Geschäftsmodells, das durch einen anhaltenden Wettbewerbsvorteil langfristig hohe freie Mittelzuflüsse sichern solle. Von 2009 bis 2013 hätten Aktien und Anleihen von klein- und kleinstkapitalisierten deutschen Unternehmen das Portfolio dominiert. Anschließend seien großkapitalisierte Titel aus den USA, aber auch mittelgroße europäische Aktien in den Mittelpunkt gerückt.

Auf der Anleiheseite hätten mit dem gestiegenen Zinsniveau auch Staatsanleihen Einzug in das Portfolio gehalten. Der Value-lastige Ansatz in Kombination mit einem konzentrierten Portfolio habe seit Auflage Ende 2009 in unterschiedlichen Marktphasen überzeugen können. Über drei, fünf und zehn Jahre schlage die Strategie drei Viertel aller offensiven Mischfonds und zeige dabei eine ähnliche Schwankungsbreite. Jedoch verliere der Fonds in fallenden Märkten weniger als die Konkurrenz. Diese seltene Eigenschaft erkläre auch die Beliebtheit des mittlerweile 7,5 Milliarden Euro schweren Produkts mit seinem originellen und erfolgreichen Investmentansatz.

Global Portfolio One (ISIN AT0000A2B4T3 / WKN A2PT6U)
Volumen: 467 Mio. EUR
Wertentwicklung über 3 Jahre: 5,40% p. a. (Kategoriedurchschnitt Mischfonds EUR aggressiv - Global: 2,57% p. a.)
Wertentwicklung 2023 (bis einschließlich 30.11.2023): 10,17% (Kategoriedurchschnitt Mischfonds EUR aggressiv - Global: 6,89%)

Anleger, die eine offensive Mischfondsstrategie in ETF-Form suchen würden, würden nicht gerade die Qual der Wahl besitzen. Auch das Global Portfolio One sei kein Indexfonds, allerdings stelle es seinen Aktienanteil aus ETFs zusammen und die Aktienallokation werde regelbasiert gesteuert. Die Strategie sei mit vier Jahren Historie noch jung, trotzdem hätten die Experten den Fonds als Alternative zu den aktiv gemanagten Mischfondslösungen in der Auswertung untersucht.

Das Global Portfolio One werde vom Fondsinitiator Andreas Beck, der auch den über 500 Millionen Euro schweren Mischfonds-ETF Xtrackers Portfolio berate, hauptverantwortlich verwaltet. Er sehe den Aktienanteil als Treiber der langfristigen Rendite, während der Anleiheanteil und die Kasse als sogenannte Investitionsreserve dienen würden. In "normalen" Marktphasen sollten Aktien 80 Prozent des Portfolios ausmachen. In schwierigen Börsenphasen, in denen die Risikoaufschläge für Aktien steigen würden, werde die Aktienquote aus der Investitionsreserve in zwei Stufen bis auf maximal 100 Prozent erhöht. Solange die Anlageklasse attraktiv bewertet sei, bleibe der Anteil unverändert. Die Anpassung des Aktienportfolios erfolge quartalsweise.

Das insgesamt antizyklische Vorgehen des Fonds komme auch bei der ETF-Auswahl zum Tragen. Anhand der Bewertungskennzahlen wie dem Kurs-Buchwert- und Kurs-Gewinn-Verhältnis würden attraktiv erscheinende Länder und Regionen gegenüber dem breiten Aktienmarkt übergewichtet. Der Anleiheanteil werde über Einzelanleihen von Staaten mit guter und sehr guter Bonität abgedeckt und werde laufend überprüft. In den letzten vier Jahren habe die Strategie die Vergleichskategorie zum einen aufgrund der leicht erhöhten Aktienquote und zum anderen wegen der Nähe des Fonds zum MSCI World Index geschlagen. Der Fonds punkte zudem mit geringen Kosten von 0,76 Prozent und einem nachvollziehbaren Vorgehen. Für ETF-Fans könnte vor allem die tendenziell antizyklische Positionierung eine Bereicherung bieten, mit der passive Portfolios der Marke Eigenbau nur selten aufwarten würden. (05.12.2023/fc/n/s)





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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
LU0323578657 A0M430 324,68 € 291,84 €
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