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Kempen Capital Management: "Unser Ziel ist nicht, das nächste Blackrock zu werden" - Fondsnews
15.06.15 12:51
FONDS professionell
Wien (www.fondscheck.de) - Das kleine, niederländische Fondshaus Kempen Capital Management will europaweit expandieren. Die Produktpalette ist überschaubar. Doch die Amsterdamer setzen auf eine exklusive Kundschaft sowie ausgewählte Nischen - und können mit dem Provisionsverbot in ihrer Heimat leben, so die Experten von "FONDS professionell".
"Werbung für Kempen werden Sie wohl nie im Frankfurter Flughafen hängen sehen", sage Hilko de Brouwer, der bei dem niederländischen Fondshaus Kempen Capital Management das internationale Geschäft vorantreibe. De Brouwer beschreibe damit die Expansionsstrategie des kleinen, niederländischen Asset Managers: Auf die Kernstrategien des eigenen Hauses fokussieren, aber auch auf eine ausgewählte Kundschaft setzen. "Wir wollen keine Strategie schließen müssen, weil das Volumen zu groß und ein Fonds damit unbeweglich geworden ist", erläutere de Brouwer.
Die Fondsgesellschaft verwalte rund 38 Milliarden Euro Kundengeld, vor zehn Jahren seien es nur fünf Milliarden gewesen. Die Holländer hätten sich nach der Finanzkrise von 2008 für den Schritt ins Ausland entschlossen: Zunächst in die Schweiz, dann seien Frankreich und Skandinavien gefolgt. Seit 2011 sei Kempen in Großbritannien sowie Italien vertreten und 2014 schließlich habe das kleine Haus die ersten Mandate in Deutschland ergattert.
Das Produktangebot der Holländer falle knapp aus: Neben Strategien auf Unternehmensanleihen, Dividenden, Nebenwerte sowie Fund of Hedgefunds und börsennotierten Immobilienwerte würden neuerdings noch alternative Indexprodukte hinzukommen. Damit ziele Kampen vor allem auf institutionelle Investoren und sehr vermögende Privatanleger. Der Fondsverkauf über Vertriebsplattformen sei zwar in Arbeit, "aber wir können und wollen gar nicht auf allen Plattformen vertreten sein", erläutere Hilko de Brouwer. "Unser Ziel ist nicht, das nächste Blackrock zu werden."
Die Einführung des Provisionsverbots in den Niederlanden zu Jahresbeginn 2014 habe das Haus wenig betroffen. Für die Fonds seien entsprechend provisionsfreie Anteilsklassen für Honorarberatung eingerichtet worden. "Wir können mit beiden Modellen leben", so de Brouwer. Der Produktvertrieb werde auch im Nachbarland von Großbanken dominiert.
Kempen Capital Management sei die Fondssparte des 1903 gegründeten Brokerhauses Kempen & Co. Neben dem Handelsgeschäft und dem Asset Management biete das Institut auch Corporate Finance an und sei im Private Equity-Bereich tätig. Die Brokersparte habe sich auf Nebenwerte und börsennotierte Immobilientitel spezialisiert, die Erfahrungen aus diesem Bereich würden sich auch in dem Produktangebot des Asset-Management-Arms wiederspiegeln.
Der Kempen European Small-Cap Fund und der Euro Credit Fund würden von der Fondsratinggesellschaft Morningstar mit vier Sternen bewertet, der Unternehmensanleihen-Fonds sei im November 2014 in der Analystenbewertung auf "Gold" hochgestuft worden. Das Fondsvolumen beziffere sich immerhin auf rund eine Milliarde Euro.
Dafür sei allerdings der European High Dividend Fonds (ISIN LU0427930275 / WKN A1W6WH) jüngst von Morningstar von "Gold" auf "Silber" herabgestuft worden. Demnach habe die Entwicklung einiger Ölservice-Aktien sowie Titeln wie Bilfinger dem Portfolio Beschwerden bereitet. Morningstar-Analyst Jeffrey Schumacher halte die jüngste Wertentwicklung nicht für so überzeugend, dass die Bestbewertung weiterhin gerechtfertigt sei.
Der weltweit anlegende Global High Dividend Fund werde ebenfalls mit "Silber" bewertet und habe über die vergangenen drei Jahre gesehen die durchschnittliche Wertentwicklung seiner Kategorie ebenfalls nicht übertreffen können. Andere Dividenden-Dickschiffe wie der DWS Top Dividende oder der DJE Dividende & Substanz habe über diesen Zeitraum mit der Konkurrenz etwas besser mithalten können.
Fondsmanager Jorik van den Bos sehe die Ursachen für die hinterherhinkende Performance seines Portfolios in der wachsenden Risikoneigung an den Märkten. "Unsere Strategie zielt auf Unternehmen, die eine hohe finanzielle Disziplin einhalten", erläutere van den Bos. "Dies wird von den Marktteilnehmern derzeit immer weniger honoriert. Diese Entwicklung bereitet uns Sorgen." Einige Aktien im Fonds hätten daher noch nicht ihr volles Potenzial ausspielen können.
"Es ist schwieriger geworden, gute Dividendentitel zu finden", räume van den Boos zudem ein. "Doch es gibt noch attraktive Nischen." Wenn Van den Bos strebe eine Gleichgewichtung der Titel an. Bei gut gelaufenen Aktien würden entsprechend Gewinne einmal im Quartal mitgenommen und der Anteil im Fonds wieder reduziert, die schlecht gelaufenen Titel entsprechend aufgestockt. Kein Wert solle ein zu hohes Gewicht bekommen.
Grundsätzlich würden nur Werte mit einer Dividendenrendite von drei Prozent ins Depot kommen. "Die Titel müssen eine angemessene Sicherheitsmarge bieten und das Geschäftsmodell sowie die Ausschüttungspolitik des Unternehmens müssen auf einer nachhaltigen Basis fußen", erläutere van den Bos. "Zudem gewinnt die Frage nach finanziellen Risiken an Bedeutung: Die Unternehmen könnten dazu verleitet werden, teure Übernahmen und Fusionen einzugehen und hohe Schulden aufzutürmen. Doch die Erwartungen in eine Übernahme sind meist höher als das Ergebnis."
Der Dividendenfonds habe eine lange Historie: Er sei 2000 unter der Marke von ING ins Leben gerufen worden. "Dividendenstrategien waren zu jener Zeit völlig aus der Mode. Die Kollegen machten Witze über uns", erinnere sich van den Bos. "Damals war es ein total vernachlässigter Marktbereich, der aber im Rückblick extrem attraktive Chancen geboten hat." Heute seien diese vernachlässigten Marktbereiche schwieriger zu finden. "Sie werden aber aus gutem Grund gemieden, wie etwa der Ölsektor", so van den Bos. (15.06.2015/fc/n/s)
"Werbung für Kempen werden Sie wohl nie im Frankfurter Flughafen hängen sehen", sage Hilko de Brouwer, der bei dem niederländischen Fondshaus Kempen Capital Management das internationale Geschäft vorantreibe. De Brouwer beschreibe damit die Expansionsstrategie des kleinen, niederländischen Asset Managers: Auf die Kernstrategien des eigenen Hauses fokussieren, aber auch auf eine ausgewählte Kundschaft setzen. "Wir wollen keine Strategie schließen müssen, weil das Volumen zu groß und ein Fonds damit unbeweglich geworden ist", erläutere de Brouwer.
Die Fondsgesellschaft verwalte rund 38 Milliarden Euro Kundengeld, vor zehn Jahren seien es nur fünf Milliarden gewesen. Die Holländer hätten sich nach der Finanzkrise von 2008 für den Schritt ins Ausland entschlossen: Zunächst in die Schweiz, dann seien Frankreich und Skandinavien gefolgt. Seit 2011 sei Kempen in Großbritannien sowie Italien vertreten und 2014 schließlich habe das kleine Haus die ersten Mandate in Deutschland ergattert.
Das Produktangebot der Holländer falle knapp aus: Neben Strategien auf Unternehmensanleihen, Dividenden, Nebenwerte sowie Fund of Hedgefunds und börsennotierten Immobilienwerte würden neuerdings noch alternative Indexprodukte hinzukommen. Damit ziele Kampen vor allem auf institutionelle Investoren und sehr vermögende Privatanleger. Der Fondsverkauf über Vertriebsplattformen sei zwar in Arbeit, "aber wir können und wollen gar nicht auf allen Plattformen vertreten sein", erläutere Hilko de Brouwer. "Unser Ziel ist nicht, das nächste Blackrock zu werden."
Die Einführung des Provisionsverbots in den Niederlanden zu Jahresbeginn 2014 habe das Haus wenig betroffen. Für die Fonds seien entsprechend provisionsfreie Anteilsklassen für Honorarberatung eingerichtet worden. "Wir können mit beiden Modellen leben", so de Brouwer. Der Produktvertrieb werde auch im Nachbarland von Großbanken dominiert.
Kempen Capital Management sei die Fondssparte des 1903 gegründeten Brokerhauses Kempen & Co. Neben dem Handelsgeschäft und dem Asset Management biete das Institut auch Corporate Finance an und sei im Private Equity-Bereich tätig. Die Brokersparte habe sich auf Nebenwerte und börsennotierte Immobilientitel spezialisiert, die Erfahrungen aus diesem Bereich würden sich auch in dem Produktangebot des Asset-Management-Arms wiederspiegeln.
Dafür sei allerdings der European High Dividend Fonds (ISIN LU0427930275 / WKN A1W6WH) jüngst von Morningstar von "Gold" auf "Silber" herabgestuft worden. Demnach habe die Entwicklung einiger Ölservice-Aktien sowie Titeln wie Bilfinger dem Portfolio Beschwerden bereitet. Morningstar-Analyst Jeffrey Schumacher halte die jüngste Wertentwicklung nicht für so überzeugend, dass die Bestbewertung weiterhin gerechtfertigt sei.
Der weltweit anlegende Global High Dividend Fund werde ebenfalls mit "Silber" bewertet und habe über die vergangenen drei Jahre gesehen die durchschnittliche Wertentwicklung seiner Kategorie ebenfalls nicht übertreffen können. Andere Dividenden-Dickschiffe wie der DWS Top Dividende oder der DJE Dividende & Substanz habe über diesen Zeitraum mit der Konkurrenz etwas besser mithalten können.
Fondsmanager Jorik van den Bos sehe die Ursachen für die hinterherhinkende Performance seines Portfolios in der wachsenden Risikoneigung an den Märkten. "Unsere Strategie zielt auf Unternehmen, die eine hohe finanzielle Disziplin einhalten", erläutere van den Bos. "Dies wird von den Marktteilnehmern derzeit immer weniger honoriert. Diese Entwicklung bereitet uns Sorgen." Einige Aktien im Fonds hätten daher noch nicht ihr volles Potenzial ausspielen können.
"Es ist schwieriger geworden, gute Dividendentitel zu finden", räume van den Boos zudem ein. "Doch es gibt noch attraktive Nischen." Wenn Van den Bos strebe eine Gleichgewichtung der Titel an. Bei gut gelaufenen Aktien würden entsprechend Gewinne einmal im Quartal mitgenommen und der Anteil im Fonds wieder reduziert, die schlecht gelaufenen Titel entsprechend aufgestockt. Kein Wert solle ein zu hohes Gewicht bekommen.
Grundsätzlich würden nur Werte mit einer Dividendenrendite von drei Prozent ins Depot kommen. "Die Titel müssen eine angemessene Sicherheitsmarge bieten und das Geschäftsmodell sowie die Ausschüttungspolitik des Unternehmens müssen auf einer nachhaltigen Basis fußen", erläutere van den Bos. "Zudem gewinnt die Frage nach finanziellen Risiken an Bedeutung: Die Unternehmen könnten dazu verleitet werden, teure Übernahmen und Fusionen einzugehen und hohe Schulden aufzutürmen. Doch die Erwartungen in eine Übernahme sind meist höher als das Ergebnis."
Der Dividendenfonds habe eine lange Historie: Er sei 2000 unter der Marke von ING ins Leben gerufen worden. "Dividendenstrategien waren zu jener Zeit völlig aus der Mode. Die Kollegen machten Witze über uns", erinnere sich van den Bos. "Damals war es ein total vernachlässigter Marktbereich, der aber im Rückblick extrem attraktive Chancen geboten hat." Heute seien diese vernachlässigten Marktbereiche schwieriger zu finden. "Sie werden aber aus gutem Grund gemieden, wie etwa der Ölsektor", so van den Bos. (15.06.2015/fc/n/s)
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