In welche Unternehmen investieren eigentlich Klimafonds?


02.01.25 14:33
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - In vielen Fonds, die auf die Erderwärmung als Investmentthema setzen, finden sich zwar Aktien der großen US-Techkonzerne, aber keine Solarmodul- oder Windradhersteller, so die Experten von "FONDS professionell".

Der LBBW Global Warming (ISIN DE000A0KEYM4/ WKN A0KEYM) dürfe als Beispiel dafür gelten, dass sich Performance und Nachhaltigkeit keineswegs ausschließen würden. Der Aktienfonds trage nicht nur fünf Morningstar-Sterne, sondern auch das Österreichische Umweltzeichen und ein FNG-Siegel mit drei Sternen - die höchstmögliche Stufe dieser Auszeichnung. Bei den Anlegern komme der Fonds enorm gut an. Im November habe das Volumen erstmals zwei Milliarden Euro überschritten. Der Fonds solle die Möglichkeit bieten, "in Unternehmen zu investieren, die im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung stehen", formuliere es LBBW AM.

Doch wer einen Blick ins Portfolio wage, denke nicht sofort an den Klimawandel. Die beiden größten Titel per Ende November seien der Medizintechnikspezialist Boston Scientific und der Technologiekonzern Apple gewesen. Insgesamt hätten Techwerte zuletzt knapp 28 Prozent des Portfolios ausgemacht. Mit dieser Ausrichtung sei der LBBW Global Warming kein Einzelfall. Das zeige eine Auswertung, die Jan Tachtler vom Multi-Family-Office HQ Trust für "FONDS professionell" vorgenommen habe.

Tachtler habe in der Morningstar-Datenbank 80 global investierende Fonds identifiziert, die entweder "Klima", "Global Warming", "Climate" oder Abkürzungen davon im Namen tragen würden. Für 69 dieser Sondervermögen (52 aktiv gemanagte Fonds und 17 ETFs) habe er Angaben zu den zehn größten Titeln per Ende Juni 2024 gefunden. Demnach gehöre die Microsoft-Aktie in jedem zweiten aktiv gemanagten Klimafonds zu den zehn größten Positionen. Durchschnittlich habe sie 5,6 Prozent des Portfolios ausgemacht. Nur die Aktie des Google-Mutterkonzerns Alphabet sei im Schnitt noch höher gewichtet gewesen.



"Microsoft, Alphabet, NVIDIA, Apple - mit dem Kauf vieler Klimafonds würden sich Anleger ein Exposure in den 'Magnificent Seven' ins Portfolio holen", so das Fazit des Fondsselektors. Grundsätzlich könne der Kauf eines Themenfonds Investoren zwar helfen, ihr Portfolio breiter zu streuen. Anleger sollten aber auf die Einzelaktien achten, um keine Überraschungen zu erleben und sich Klumpenrisiken einzufangen. "Etwas überspitzt könnte man sagen: Augen auf beim Klimafondskauf", meine Tachtler.

Bleibe die Frage, was Unternehmen wie Apple mit dem Klimawandel zu tun und folglich im Portfolio des LBBW Global Warming zu suchen hätten. "Die IT zählt zu den größten Verursachern von Kohlendioxid", betone Stephan Wittwer, Leiter der Kundenbetreuung im Retailvertrieb von LBBW AM. "Der KI-Boom sorgt für eine enorme Nachfrage nach Rechenzentren, deren Energiehunger mittlerweile ein wesentlicher Klimatreiber geworden ist." Darum sei es durchaus konsequent, als Klimafonds in IT-Konzerne zu investieren, die dieses Problem angehen würden. "Microsoft beispielsweise hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu wirtschaften. Und bis 2050 sollen über Klimaprojekte die historischen Emissionen seit Firmengründung im Jahr 1975 eliminiert worden sein."

Als weiteres Beispiel nenne Wittwer den Baustoffkonzern CRH. "Die Zementproduktion ist per se sehr CO2-intensiv. Doch CRH gelingt es, die Emissionen durch den Einsatz von Additiven um ein Viertel zu senken." Der Kampf gegen die Klimakrise sei kein Sprint, sondern ein Marathon, meine Wittwer. "Ein Unternehmen muss nicht schon komplett dunkelgrün sein, damit es für ein Investment in Frage kommt. Aber es muss einen glaubwürdigen Weg in Richtung Transformation aufzeigen."

Ein "Pure Play"-Ansatz mit Fokus auf den Klimaschutz sei in einem Publikumsfonds ohnehin kaum umzusetzen - zumindest nicht profitabel. "Wir würden beispielsweise gerne in Windradbauer oder Solarmodulhersteller investieren", so Wittwer. "Das Problem ist aber, dass sehr viele börsennotierte Firmen dieser Branchen aktuell kein oder kaum Geld verdienen. Und die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens ist für uns genauso wichtig wie dessen Nachhaltigkeit." (02.01.2025/fc/n/s)






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