London (www.fondscheck.de) - Anleger müssen die potenziellen Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Portfolios verstehen, so Sara Rosner, Director Environmental Research und Engagement - Responsible Investment beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).
Jedoch sei die Analyse dieser noch ein junges Thema, besonders wenn man sich externer Partner bediene. Welche Unterschiede es bei der Analyse von Klimaszenarien verschiedener Anbieter zu beachten gelte, erläutere Rosner.
Jeder Anbieter habe eine eigene Herangehensweise an die Daten und Analysen, mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Aus diesem Grund sollten Anleger folgende Fragen stellen, um den richtigen Partner zu finden:
- Welche Assetklassen und Regionen würden abgedeckt? Der Vergleich der Experten zeige: Jeder Anbieter habe Lücken in der Abdeckung von Anlageklassen und Märkten gehabt. Zum Beispiel würden einige Unternehmen nur entwickelte Märkte abdecken, andere würden auch Schwellenmärkte mit einbeziehen, und keines der Unternehmen biete eine umfassende Analyse der Frontier-Märkte. Einige Anbieter würden nur Aktien abdecken, andere würden sich mit Unternehmens- oder Staatsanleihen befassen. Kein Unternehmen beschäftige sich mit Optionen, und auch andere Anlageklassen würden nur begrenzt oder gar nicht einbezogen.
- Seien die Modelle der Szenario-Analyse komplex genug? Die Modelle seien komplex, aber viele Modelle müssten noch ausgefeilter sein, um zuverlässige Ergebnisse zu liefern, etwa bei Risiken. So würden beispielsweise einige das Geschäft eines Unternehmens nach Branche und Standort betrachten und dann verallgemeinerte Informationen verwenden, um diese in die potenziellen Auswirkungen zu übersetzen. Andere würden nicht nur die Branche oder die geografische Lage betrachten, sondern auch das Unternehmen selbst und würden berücksichtigen, wie sich der Klimawandel auf die Finanzlage auswirken könnte - etwa durch geringere Gewinnspannen aufgrund höherer Kosten inklusive CO2-Steuern.
- Wie tief gehe die Analyse? Die Bewertung der Risiken und Chancen des Klimawandels für ein multinationales Unternehmen sei kompliziert. Verschiedene Länder hätten unterschiedliche CO2-Preise, Steuern, Märkte oder Reduktionsziele eingeführt, die theoretisch anteilig auf die Vermögenswerte eines multinationalen Unternehmens in diesen Ländern angewendet werden sollten. Zudem mangele es bei Unternehmensangaben häufig an Klarheit und Detail - und für Verifizierungen mangele es Anbietern häufig an Ressourcen. Es gebe keine Garantie, dass Daten nicht kompromittiert seien.
- Seien die Ergebnisse vergleichbar? Einige Anbieter würden ein quantitatives Maß für den durch den Klimawandel gefährdeten Wert eines Unternehmens verwenden, einige wenige würden einen Risikograd anbieten (niedrig, mittel, hoch). Wieder andere würden eine Punktzahl angeben, die Vergleiche zwischen Unternehmen ermögliche, jedoch ohne größeren Kontext.
Eine einfache Antwort darauf, welches Modell das beste sei, gebe es nicht: Sie hänge stark von den Bedürfnissen und Nuancen des Endanwenders ab. Klar sei jedoch: Aktive Investmentmanager hätten hier einen klaren Vorteil, denn sie würden nicht nur ihre Wertpapiere gut kennen, sondern seien sich auch der Besonderheiten jedes der von ihnen verwendeten Szenarioanalyse-Modells bewusst. (11.02.2021/fc/n/s)
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