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NEWS - Marktberichte
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10.12.07 11:25
Internationale Aktienmärkte bleiben volatil

Wangen (aktiencheck.de AG) - Ein stürmischer November liegt hinter uns, so die Experten von GECAM.

Nachdem sich die Wogen wieder etwas geglättet hätten, seien die Chancen für eine Jahresendrally wieder etwas gestiegen. Es sehe allerdings so aus, als fiele das Kursfeuerwerk in 2007 etwas magerer aus, als in den vergangenen Jahren, denn das Vertrauen an den Märkten habe doch etwas gelitten. Dennoch seien Aktien als Anlage zu bevorzugen, denn die mittel- und langfristigen Erfolgsaussichten seien nach wie vor gut.

Fünf Schlagzeilen würden derzeit die Märkte bewegen: schwacher USD, Subprime-Krise, hoher Ölpreis sowie Angst vor Inflation und in der Folge: steigende Zinsen. Nicht in allen diesen Bereichen habe es in den letzten Wochen Grund zur Besorgnis gegeben: Die Marke von 1,50 USD für einen Euro (momentan bei rund 1,47 USD) schien schon in Reichweite. Sollte die amerikanische Notenbank FED wie allseits erwartet am 11. Dezember den Leitzins senken - im Gespräch sind 0,25 bis 0,5 Basispunkte -, werde das den Druck auf den USD zusätzlich erhöhen.

Im Moment reagiere die deutsche Exportwirtschaft noch recht robust, was die noch gute Auftragslage zeige. Die Unternehmensgewinne seien aber zusammengeschrumpft, da der deutsche Inlandsmarkt nach den Angaben des BDI (Bundesverband der deutschen Industrie) eine Abschwächung des Exportmarktes im Moment nicht kompensieren könne.

Die Subprime-Krise in den USA habe sich nochmals verschärft. Nicht nur mittellose Haushalte, die so genannten "NINJAs" (No Income, No Job, No Assets), seien davon betroffen, auch die für den Konsum so bedeutende Mittelschicht leide zunehmend darunter. Sollten dadurch Realwirtschaft und Arbeitsmarkt in den USA in Mitleidenschaft gezogen werden, käme es zur Rezession - mit weit reichenden Folgen auch für den Rest der Welt.

Allerdings sorge hier ein "Notfallpaket" für bessere Stimmung: Erste Details habe US-Präsident Bush bereits am vergangenen Donnerstag, 6. Dezember, bekannt gegeben. Danach solle es künftig drei Möglichkeiten geben, um rund 1,2 Mio. Schuldner vor der Zwangsversteigerung zu retten: zum Einen ein Einfrieren der Zinsen auf fünf Jahre, zum Anderen die Möglichkeit einer Umschuldung und zum dritten eine Bürgschaft durch die Bundeswohnungsverwaltung (FHA). Gemeinsam mit der erwarteten Leitzinssenkung der FED am 11. Dezember könnte das die USA vor einer Konsum-Krise und damit vor einer Rezession bewahren. Die Aktienmärkte hätten prompt sehr positiv auf diese Mitteilung reagiert.

Investoren würden der US-Finanzwirtschaft indes eine Erholung zutrauen. Positiv würden in dieser Zeit Einzelaktionen wie der Einstieg der staatlichen Investmentgesellschaft Abu Dhabis bei der Citigroup oder die sich abzeichnende Lösung für die angeschlagene britische Bank Northern Rock stimmen. Abu Dhabi habe fünf Prozent der Citigroup-Aktien gekauft - mit einer ähnlichen Aktion habe Scheich Walid die Bank bereits in den 90er Jahren gerettet.

Firmenübernahmen seien allen Unkenrufen zum Trotz weiter an der Tagesordnung: Swiss Life übernehme AWD, Citadel steige bei E-Trade und Cevian Capital bei der Münchner Rück ein. Auch Schnäppchenjäger Warren Buffet und Gleichgesinnte würden wieder einkaufen. Ihr aktuelles Ziel: ABS-Papiere, die nicht so schlecht seien wie ihr Ruf, oder besser gesagt: wie ihr Kurs.

Beim Ölpreis bessere sich die Nachrichtenlage. Zwar sei bei einem Treffen von Ölexperten in Rom jüngst ein Ölpreis von 200 USD nicht ausgeschlossen worden. Allerdings sei er seit seinem Höchststand knapp unter der 100-USD-Marke um gut zehn USD gefallen - und er falle weiter. Wohin die Reise gehe, sei allerdings nicht absehbar. Das komme unter anderem auf den Winter in den USA und die Positionierung der Ölspekulanten an.

Ein Thema, das die Experten von GECAM bereits das ganze Jahr hindurch beschäftige, sei die Inflation. So richtig angekommen sei das Inflationsproblem aber erst im November, weil mit über drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr der höchste Stand seit 13 Jahren erreicht worden sei. Zwar beruhige die EZB die Märkte und verweise darauf, dass ex Energiepreiseinfluss nur eine "normale" Preissteigerung von um die zwei Prozent herauskommen würde. Aber das sei Kosmetik: Manche Notenbanker würden am liebsten die Zinsen erhöhen.

Doch wie erwartet habe die EZB bei ihrer letzten Sitzung am vergangenen Donnerstag, 6. Dezember, die Zinsen unverändert bei 4,00 Prozent belassen. Der Grund: die Auswirkungen der Subprime-Krise seien noch unklar, so EZB-Präsident Trichet. Neben der angespannten Liquiditätssituation habe auch der ohnehin schon hohe Eurokurs die Notenbank von einer Zinserhöhung abgehalten. Für das neue Jahr sei daher sogar eine Zinssenkung nicht ganz ausgeschlossen.

Hinzu komme, dass Anlagenotstand herrsche. Die sinkende Realverzinsung treibe die Liquidität in Sachwerte, zu denen man auch Aktien zähle. Denn im Vergleich zu einer klassischen Festgeld-Anlage würden Aktien mittel- und langfristig klar besser abschneiden. Dass die Unternehmen nach wie vor gutes Geld verdienen würden, zeige z. B. der Geschäftsbericht von Porsche: Unter anderem dank des Investments bei Volkswagen hätten die Stuttgarter 2006/2007 eine absolute Traumrendite erzielt.

Die Märkte hätten auf diesen Mix aus schlechten und guten Nachrichten sehr volatil reagiert. In Deutschland hätten vor allem MDAX und SDAX gelitten, der DAX glänze mit relativer Stärke - hier würden die Anleger noch immer gute Zahlen in den Bilanzen fürs aktuelle Jahr und einen Rekord-Dividendenregen im Sommer 2008 erwarten.

Gehe es nach dem Rentenmarkt, sei die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession in den vergangenen Wochen stark gestiegen. Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen in Deutschland und in den USA seien in der vergangenen Woche auf den niedrigsten Stand seit 2005 gesunken. Anleger würden also in sichere Anleihen flüchten und sich zum Teil aus Risikoanlagen zurückziehen. Dieser Prozess könne sich jedoch schnell wieder umkehren.

Aus der Sicht der Experten von GECAM sei es aber zu früh, den Kopf in den Sand zu stecken. Zwar herrsche Alarmstufe gelb, Wachsamkeit sei angebracht. Allerdings gehe es den Unternehmen nach wie vor gut, die Weltwirtschaft wachse, China und Indien würden beim Bemühen, die Wachstumsraten zu drücken, abermals scheitern. Die Notenbanken würden wie gewohnt reagieren: Die FED werde alles tun, um die US-Wirtschaft unter Dampf zu halten, der Spielraum für die EZB, die Zinsen weiter zu erhöhen, sei geschrumpft.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland sei so niedrig wie lange nicht, die Liquidität im Markt sei nach wie vor hoch, viele Einzeltitel seien nach wie vor interessant. Politisch gesehen sei an den Krisenherden etwas Ruhe eingekehrt: Die Kriegsgefahr im Iran scheine nach den jüngsten Enthüllungen der CIA vorerst gebannt, die Amerikaner würden im Irak bleiben, im Nahen Osten würden sich Friedensverhandlungen abzeichnen, in Venezuela - einem OPEC-Schwergewicht - habe Präsident Chavez zwar sein Verfassungsreferendum verloren, aber dennoch bleibe das Volk ruhig.

Wahrscheinlich seien die Zeiten der zweistelligen Zuwachsraten bei DAX und Co. wegen der bekannten Probleme vorerst vorbei. Ein Absturz sei allerdings nicht in Sicht. Man rechne deshalb für das kommende Jahr mit hohen einstelligen Zuwachsraten an den Kapitalmärkten. (10.12.2007/fc/a/m)



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