Wangen (aktiencheck.de AG) - 85 Jahre lang hat Bear Stearns, die fünftgrößte Bank der USA, schwarze Zahlen geschrieben, so die Experten von GECAM.
Im Jahr 2007 habe diese positive Bilanz abrupt geendet. Der Verlust sei so hoch gewesen, dass das Unternehmen mithilfe der US-Notenbank FED habe verkauft werden müssen. Noch vor einem Jahr sei eine Bear Stearns-Aktie rund 200 US-Dollar wert gewesen. Im März 2008 sei das Unternehmen für zehn US-Dollar pro Aktie an J.P. Morgan verramscht worden. Dass der erste Verlust in einer 85-jährigen erfolgreichen Firmengeschichte gleich zur Insolvenz führen würde, habe am Markt wohl niemand erwartet.
Neben diesem Schock-Erlebnis hätten weitere denkwürdige Ereignisse den März 2008 geprägt: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann rufe den Staat zu Hilfe und sage, dass die Marktmechanismen nicht mehr funktionieren würden, tausende Wertpapiere könnten derzeit nicht mehr gehandelt werden, weil kein Preis feststellbar sei, der US-Dollar falle weiter, Gold und Rohöl würden die Rally fortsetzen, und das Wort Rezession sei selbst in den USA mittlerweile in aller Munde.
Trotzdem gebe es auch Lichtblicke am Horizont, vor allem für langfristig orientierte Anleger: Die Realwirtschaft habe zwar Kratzer abbekommen, scheine aber noch robust zu sein - das beweise zum Beispiel der unerwartete Anstieg des ifo-Konsumklimaindex. Herbe Kursabschläge wie bei Siemens scheinen vor diesem Hintergrund nicht gerechtfertigt gewesen zu sein, so die Experten von GECAM. Der Elektronikkonzern sei wegen einer Gewinnwarnung über 900 Millionen Euro an der Börse schlagartig um zwölf Milliarden Euro abgewertet worden. Diese Reaktion sei absolut unverhältnismäßig und spreche für die Panik, die momentan am Markt herrsche.
Von dieser Panik an den Aktienmärkten habe zuletzt der Anleihemarkt profitiert. Viele Anleger hätten fluchtartig von Aktien in Staatsanleihen umgeschichtet. Dadurch seien deren Kurse gestiegen und die Renditen seien erneut massiv zurückgegangen. Die Umlaufrendite hierzulande sei Mitte März auf rund 3,60 Prozent gefallen, die 10-jährigen Staatsanleihen in den USA seien auf 3,35 Prozent gesunken.
Nach Steuern und Inflation bleibe eine negative Realverzinsung. Um Kapital zu erhalten, müsse also entweder die Inflation zurückgehen oder die Rendite steigen. Ersteres scheine bei tendenziell steigenden Energie- und Rohstoffpreisen eher unwahrscheinlich, vor allem in den USA, wo der schwache US-Dollar die Inflation zusätzlich anheize. Anleger, die in lang laufende Anleihen oder Rentenfonds geflüchtet seien, sollten auf der Hut sein. Wenn der Zinstrend plötzlich kippe, würden auch hier Kursverluste drohen. Dieses Risiko würden die Experten aber in den USA deutlich höher als in Europa sehen.
Gleiches gelte für den Rohölpreis. Auch dieser sei binnen eines Tages um zehn Prozent von rund 110 auf 100 US-Dollar gesunken. Spekulanten würden damit auch in Rohstoffen zunehmend gute Nerven brauchen. Selbst auf die oft negative Korrelation zum Aktienmarkt sei in diesen Tagen kein Verlass gewesen. Die Aktien- und Rohstoffmärkte seien aufgrund der Rezessionssorgen zeitgleich gefallen. Sollte sich der Dollar-Wertverfall und der Energiepreisanstieg allerdings fortsetzen, würden sicherheitsorientierte Anleger weiter in Edelmetalle investieren.
Einen Blick wert scheinen in diesem Zusammenhang Goldminen-Aktien, insbesondere Nebenwerte, zu sein, so die Experten von GECAM. Da Edelmetalle selbst keinen Profit abwerfen würden, solange der Kurs nicht steige, sei es manchmal sinnvoller, auf Unternehmen zu setzen, die an den hohen Rohstoff- und Edelmetallpreisen verdienen würden. Denn sie könnten auch dann gutes Geld verdienen, wenn die Goldpreise auf aktuellem Niveau verharren würden.
In den folgenden Wochen und Monaten werde es darauf ankommen, ob die Finanzwirtschaft die selbst verursachten Probleme in den Griff bekomme. Ohne Hilfe der Notenbanken und Regierungen werde dieser Schritt nicht zu schaffen sein. Die große Chance dabei sei Folgende: Sollten sich die Notenbanken oder andere staatliche Stellen dazu entscheiden, Not leidende, nicht mehr handelbare Wertpapiere aufzukaufen, würde das dem Markt die Sicherheit zurückbringen, die er jetzt brauche.
Es klinge seltsam, wenn in Phasen wie dieser empfohlen werde, bei Aktien wieder ans Einsteigen zu denken. Vor allem wenn die meisten Analysten Kursziele herabstufen oder zum Verkauf blasen würden und niemand wisse, wie weit das Messer noch fallen werde. Berücksichtige man aber die schlechten Renditen der Anleihen, die weiterhin hohen Preise bei Edelmetallen und Rohstoffen und die noch immer soliden Fundamentaldaten der Realwirtschaft, gebe es zu Aktien im Moment keine wirkliche Alternative. Im aktuellen Umfeld sollte man jedoch nicht gleich alles auf eine Karte setzen, sondern gegebenenfalls in zwei, drei oder mehr Tranchen investieren.
Es gebe weitere Anzeichen dafür, dass Aktien im Moment die bessere Wahl seien: Die Rezession in den USA sei noch nicht amtlich. Zwar seien die Häuserpreise um mehr als zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr gefallen, der Dow Jones habe auf diese Nachricht allerdings nicht reagiert. Auch die Bear Stearns-Pleite sei am amerikanischen Aktienmarkt beinahe spurlos vorübergegangen. Das zeige, dass Ausfälle dieser Art zu einem Großteil bereits eingepreist seien.
Auch die Korrektur an den asiatischen Börsen sei bereits weit fortgeschritten. Mit der Eskalation in Tibet bestehe zwar ein politisches Risiko, allerdings habe die Vergangenheit gezeigt, dass sich die Börsen von politischen Unruhen nur kurzfristig beeinflussen lassen würden. Die Märkte seien durch die jüngsten Turbulenzen weitgehend von Spekulanten befreit. Die Aktienbewertungen seien zum Teil noch günstiger geworden. Eine gewisse Stabilisierung habe bereits eingesetzt. Sollte sie sich fortsetzen, könnte das Vertrauen in die Märkte zurückkehren und zumindest für ein Zwischenhoch sorgen.
Glücklich könnten sich derzeit Investoren mit langfristigem Anlagehorizont schätzen. Volatile Marktphasen seien in der Vergangenheit stets Einkaufsgelegenheiten gewesen. Die Experten von GECAM würden damit rechnen, dass eine Stabilisierung der Märkte früher oder später wieder für rationalere Aktienkurse sorgen werde. (31.03.2008/fc/a/m)
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