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28.04.23 13:00
Marc Profitlich: "ESG-Ratings sind nicht unser initiales Researchinstrument" - Fondsnews

Wien (www.fondscheck.de) - Wie man auch als Fondsboutique gerade bei kleineren Unternehmen für mehr Nachhaltigkeit sorgen kann, erklärt Marc Profitlich, Mitgründer der Kölner Gesellschaft Profitlich Schmidlin, im Analysegespräch, so die Experten von "FONDS professionell".

Zudem erläutere er, warum Ratings nur nachgelagert zum Abgleich eingesetzt würden.

Wie setze man eigentlich als Zwei-Mann-Fondsboutique die inzwischen zur Pflichtübung gewordene ESG-Integration in einem ziemlich ausgeklügelten Investmentprozess um? Das sei die Ausgangsfrage der Experten für ein Interview mit Marc Profitlich, Mitgründer des in Köln beheimateten Asset Managers Profitlich Schmidlin gewesen, der insgesamt rund 340 Millionen Euro in seinem Fondsvehikel verwalte. Als Experte begleitet habe das Analysegespräch Roland Kölsch, Geschäftsführer der Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen.

Aber noch kurz zum Hintergrund der vor knapp zehn Jahren gegründeten Investmentgesellschaft: Im Prinzip sei es eine dieser Erfolgsgeschichten, wie man sie eigentlich nur aus Filmdrehbüchern kenne. Aufgrund ihres gemeinsamen Interesses an der Analyse von Aktien und Anleihen würden sich Marc Profitlich und Nicolas Schmidlin bereits im Jahr 2009 eher zufällig in einem Investmentforum im Internet kennen lernen. Beide seien damals noch in ihren frühen Zwanzigern, würden aber nach Abschluss ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften nicht lange zögern und 2013 ihr gemeinsames Investmentunternehmen gründen.

Nur wenige Monate später würden die beiden Fondsmanager mit dem Anfang 2014 aufgelegten Profitlich Schmidlin Fonds (ISIN DE000A1W9A28 / WKN A1W9A2) an den Start gehen. Und würden je nach Vergleichszeitraum zum Teil herausragende Performance-Erfolge gegenüber Benchmark und Kategorie erzielen. Selbst nach einem schwierigen 2022 liege der Fonds im laufenden Jahr mit einem Plus von rund zehn Prozent wieder deutlich vor Vergleichsindex und Peergroup.

Marc Profitlich: "Eines steht für mich fest: Nicht nachhaltige Geschäftsmodelle haben ein echtes Existenzrisiko. Der ESG-Aspekt ist in erster Linie eine Risikodimension, die sich mittel- bis langfristig auf die Entwicklung von Unternehmen auswirken wird."

"Wir setzen mit unserem Portfolio auf zwei Säulen, eine werttreibende und eine stabilisierende, wie wir es nennen. In der Erstgenannten finden sich langfristige Unternehmensbeteiligungen, die aktuell etwa zwei Drittel des Portfolios ausmachen. Mit der stabilisierenden Säule des Fonds investieren wir in rechtlich geprägte Sondersituationen bei ausgewählten Aktien und Anleihen."

"Vier Fünftel der Titel in unserem Fonds sind in keinem der marktbreiten Indices enthalten. Wir sind also deutlich anders aufgestellt als die breiten Indices oder auch viele Mitbewerber, was uns aus meiner Sicht einen Diversifikationsvorteil einbringt."

"Einem Unternehmen, das sich nicht schon heute zukunftsgerichtet aufstellt, wird für sein Fehlverhalten in Bezug auf die drei Risikodimensionen E, S und G von Nachhaltigkeit eher früher als später die Quittung über rückläufige Absatzzahlen und später über einen sinkenden Aktienkurs ausgestellt."

"Wir nutzen Ratings nur nachgelagert und nicht als initiales Researchinstrument. Was wir bemängeln, sind die aus unserer Sicht häufig zu beobachtende Intransparenz und Inkonsistenzen. Vieles wird über einen Kamm geschoren. Konkret führt das dazu, dass sich die Ratinganbieter höchst uneinig darüber sind, welche Unternehmen besonders nachhaltig agieren oder entsprechende Defizite aufweisen. Dadurch wissen selbst Unternehmen oft nicht, was ihre Stakeholder und die ESG-Ratingagenturen eigentlich von ihnen erwarten." (News vom 27.04.2023) (28.04.2023/fc/n/s)


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