Logo
NEWS - Sonstiges
www.fondscheck.de
05.07.23 12:30
Liquid-Alternative-Fonds kämpfen mit Abflüssen - Fondsnews

Wien (www.fondscheck.de) - Liquid-Alternative-Fonds setzen typischerweise alternative Strategien in einem Ucits-Vehikel um und bieten Anlegern damit Zugang zu neuen Ertragsquellen, berichten die Experten von "FONDS professionell".

Gerade in Zeiten der Niedrigzinsen erschienen sie daher als interessante Alternative zu traditionellen Anleihen und hochbewerteten Aktien, so die Experten von "FONDS professionell". Doch angesichts der wieder höheren Renditen am Anleihemarkt scheinen Anleger das Interesse an den komplexen Produkten zu verlieren - viele Fonds kämpfen offenbar mit Mittelabflüssen, berichten die Experten von "FONDS professionell".

Das Anlagevolumen zahlreicher Liquid-Alternative-Fonds liege derzeit weit unter den Höchstständen. Jüngstes Beispiel: Der Fondsanbieter Feri habe den auf Volatilitätsstrategien fokussierten Optoflex (ISIN LU0834815366 / WKN A1J4YZ) wieder für Neuanlagen geöffnet. 2021 habe Feri den Fonds aufgrund hoher Kundennachfrage bei einer Größe von etwa 2,3 Milliarden Euro für Neukunden geschlossen. Laut Feri-Geschäftsführer Carsten Hermann würden Anleger aber seit Ende des Negativzinsumfelds wieder verstärkt in den traditionellen Anleihebereich umschichten, was zu Abflüssen geführt habe - aktuell sei der Fonds rund 1,7 Milliarden Euro schwer. Nach einem Minus von 7,3 Prozent im vergangenen Jahr habe der Optoflex seit Jahresanfang 6,5 Prozent zugelegt.

Auch andere große Liquid-Alternative-Fonds würden unter sinkendem Anlagevolumen leiden: Der JPM Global Macro Opportunities (ISIN LU0095938881 / WKN 989946) sei von mehr als vier Milliarden Euro vor einigen Jahren auf aktuell 3,5 Milliarden geschrumpft. Der Fonds, der teils mit alternativen Instrumenten auf globale Trends setze, habe zuletzt eine durchwachsene Performance aufgewiesen. Ähnliches gelte für den Loys Global L/S (ISIN LU0720541993 / WKN A1JRB8), der 2022 mit einem Performance-Minus enttäuscht habe und von seinen Höchstständen bei mehr als 200 Millionen Euro zuletzt unter 100 Millionen Euro gesackt sei.

Auch der globale Makrofonds Invesco Global Targeted Returns Fund (ISIN LU1004132566 / WKN A1XCZE) sei von seinen fast zwei Milliarden Euro vor wenigen Jahren kräftig geschrumpft - dabei habe der Fonds 2022 Kursverluste für Anleger deutlich reduzieren können. Seit Jahresanfang verzeichne Invesco nach eigenen Angaben relativ stabile Mittelflüsse, allerdings liege das Fondsvolumen mit rund 310 Millionen Euro weit unter dem früheren Höchststand.

Unterm Strich seien die Mittelabflüsse in dem Fondssegment offenbar kein Resultat enttäuschender Performance im Krisenjahr 2022. Im Gesamtjahr 2022 hätten die Fonds laut einer Untersuchung des Asset Managers Lupus Alpha im Durchschnitt aller Strategien - unter anderem Absolute-Return-Ansätze mit Aktien und Anleihen, Long-Short-Strategien, alternative Strategien mit Unternehmensanleihen oder Relative-Value-Ansätze - deutlich besser abgeschnitten als Anleihen und Aktien. Mit ihrer Durchschnittsrendite von minus 1,49 Prozent seien sie weitaus stabiler gewesen als der MSCI World oder Euro-Staatsanleihen mit je rund 18 Prozent Verlust. Doch bereits im vergangenen Jahr habe Lupus Alpha deutliche Nettomittelabflüsse beobachtet, vor allem bei den alternativen Anleihenstrategien. Nun habe sich zusätzlich das Zinsumfeld deutlich geändert: Ralf Lochmüller, Geschäftsführer von Lupus Alpha, sage: "Die Investoren suchen wieder den risikofreien Zins zulasten der Risiko-Assets wie Aktien."

Jens Kummer, Investmentchef des auf institutionelle Investoren spezialisierten Beraters Faros, sehe das Problem nicht nur in den Zinsen, sondern eher in der langfristigen Performance: Während gerade institutionelle Anleger in den vergangenen Jahren in nicht-börsennotierte Anlagen wie Private Equity umgeschichtet hätten, sei der Anteil der "liquiden Alternativen" gesunken, so Kummer. Das liege vor allem an der langfristigen Wertentwicklung. Kummer: "Obwohl liquide Alternativen das kurzfristige Risiko verringern können, ging diese Eigenschaft oft zulasten der langfristigen Renditen."

Zu den weiteren Aussichten der Fondsklasse heiße es bei Invesco: "Anleger sehen sich heute mit einem ganz anderen Wirtschafts- und Marktsystem konfrontiert." Liquidität sei angesichts der anhaltenden Marktunsicherheit und des sich abzeichnenden Wandels der Wirtschaftsordnung von höchster Bedeutung, ebenso wie diversifizierte Ertragsquellen. Gut möglich also, dass Liquid-Alternative-Fonds schon bald wieder eine Renaissance erfahren würden. (05.07.2023/fc/n/s)



© 1998 - 2026, fondscheck.de