Dublin (www.fondscheck.de) - Wer regelmäßige Erträge aus seinem Depot erzielen möchte, dachte lange zuerst meist an Dividendenaktien oder Anleihen, doch seit einiger Zeit sorgt eine neue Produktkategorie für Aufmerksamkeit auf dem europäischen Kapitalmarkt: optionsbasierte Exchange Traded Products (ETPs), die monatliche Ausschüttungen aus dem Verkauf von Optionsprämien anstreben, so José Carlos Gonzalez, CEO von Leverage Shares, Herausgeber von Income Shares.
Der Begriff "Passive Income 2.0" beschreibe einen Ansatz, der institutionelle Derivatestrategien erstmals börsengehandelt und für Privatanleger zugänglich mache.
Unterschied zwischen Ausschüttungs-ETPs und klassischen ETFs
Klassische ETFs auf den MSCI World oder den S&P 500 würden Dividenden entweder ausschütten - sofern die enthaltenen Unternehmen welche zahlen würden - oder thesaurieren würden, was bedeute, dass Dividenden automatisch in den entsprechenden ETF reinvestiert würden. Ausschüttungsrenditen von einem bis drei Prozent jährlich seien dabei typisch. Income Shares würden hier an einem anderen Punkt ansetzen: Statt auf Dividendeneinnahmen zu warten, würden optionsbasierte ETPs Erträge aktiv generieren, indem sie Kaufoptionen (Covered Calls) oder Verkaufsoptionen (Cash-Secured Puts) auf die gehaltenen Wertpapiere verkaufen würden. Die dabei vereinnahmten Prämien würden in der Regel monatlich an die Anlegerinnen und Anleger ausgezahlt.
Das klinge nach einer simplen Konstruktion - und die Grundidee sei tatsächlich nicht neu. Covered-Call-Strategien würden von institutionellen Investoren seit Jahrzehnten eingesetzt, um Portfolioerträge zu steigern. Die Neuheit liege in der Verpackung: als börsengehandeltes Produkt mit täglicher Liquidität, transparenter Struktur und einer - wie etwa bei Leverage Shares - physisch gesicherten Basis.
Leverage Shares und die IncomeShares-Produktreihe
Das 2017 gegründete Unternehmen Leverage Shares habe sich zunächst als Europas größter Emittent von Einzel-Aktien-ETPs mit gehebelten und inversen Strategien einen Namen gemacht. Inzwischen verwalte das Unternehmen mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar in über 200 Produkten, die an der London Stock Exchange, Euronext Paris, Euronext Amsterdam und der Borsa Italiana sowie der Deutschen Börse notiert seien. 2025 sei das Handelsvolumen der Produkte auf 21 Milliarden US-Dollar gestiegen - ein Anstieg von 53% gegenüber dem Vorjahr.
Seit 2024 biete Leverage Shares unter der Marke IncomeShares eine eigene Produktlinie optionsbasierter ETPs an. Aktuell umfasse das Sortiment an der Deutschen Börse 19 Produkte, die auf Einzelaktien wie Apple, Amazon, Nvidia, Tesla, Microsoft, Meta, Alphabet und Coinbase aufsetzten, daneben aber auch auf US-Indizes wie den S&P 500 und den NASDAQ 100 sowie auf Rohstoffe wie Gold und Silber. Hinzu komme ein Produkt auf US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit. An der London Stock Exchange seien nach einem kürzlich erfolgten Listing insgesamt bereits 39 Produkte handelbar. In den kommenden Wochen sollten die neuen ETPs auch in Deutschland auf Xetra gelistet werden.
Das Grundprinzip der IncomeShares-Produkte: Das ETP halte die zugrunde liegenden Wertpapiere direkt und verkaufe zusätzlich "Out-of-the-Money"-Kaufoptionen auf diese Positionen. Die vereinnahmten Prämien würden monatlich ausgeschüttet. Eine Sonderform sei das IncomeShares S&P 500 Options (0DTE) ETP, das mit täglich ablaufenden Optionen (sogenannte Zero Days to Expiration, kurz 0DTE) arbeite - eine Strategie, die ursprünglich von Hedgefonds bekannt sei und nun börsengehandelt zur Verfügung stehe. Die Produkte seien in Irland domiziliert, an der London Stock Exchange sowie der Frankfurter Börse handelbar und über gängige Brokerage-Plattformen zugänglich.
Die angezeigten Ausschüttungsrenditen seien auf den ersten Blick bemerkenswert. Je nach Marktlage und Volatilität könnten einzelne Produkte aus der IncomeShares-Familie zweistellige annualisierte Renditen aufweisen - während klassische ETFs auf dieselben Indizes typischerweise bei einem bis drei Prozent lägen. Diese Zahlen seien jedoch keine Garantie: Sie würden monatlich schwanken, stark von der Marktvolatilität abhängen und könnten mit einer Begrenzung des Kurssteigerungspotenzials einhergehen.
Ein Blick auf die bisherige Performance verdeutliche das strukturelle Prinzip: Covered-Call-Strategien würden dazu tendieren, in seitwärts tendierenden oder leicht rückläufigen Märkten gut abzuschneiden, weil die Prämieneinnahmen dort ihren relativen Vorteil ausspielen würden. In stark steigenden Märkten hingegen könnten sie gegenüber dem reinen Basiswert zurückbleiben: Steige eine Aktie über den vereinbarten Ausübungspreis hinaus, nehme das ETP an diesem zusätzlichen Kursanstieg nicht mehr vollständig teil. Beim IncomeShares Gold+ Yield ETP (ISIN XS2852999775 / WKN A4AH1M) etwa habe die Gesamtrendite seit Auflage bei rund 67% gelegen, während der zugrundeliegende Gold-ETF GLD im gleichen Zeitraum etwa 74% erzielt habe - allerdings bei höherer Volatilität.
Für Anleger, die primär auf regelmäßige Cashflows setzten - etwa in der Entnahmephase der Altersvorsorge - könnten diese Produkte daher eine erwägenswerte Rolle im Portfolio spielen. Wer hingegen maximales Wachstum anstrebe, dürfte mit klassischen Indexfonds besser bedient sein.
Markttrend: Wachstum trotz Nischendasein
Optionsbasierte Ausschüttungsprodukte seien in Europa noch eine Nische: von rund 3.000 ETFs in einschlägigen Datenbanken würden derzeit nur einige Hundert eine aktive Strategie dieser Art verfolgen. Doch das Interesse wachse. In den USA hätten ähnliche Produkte unter dem Begriff "Income ETFs" in den vergangenen Jahren signifikante Mittelzuflüsse verzeichnet.
In Europa halte dieser Trend später Einzug, gewinne aber an Fahrt. Leverage Shares sei mit der IncomeShares-Reihe einer der wenigen Anbieter, die dieses Konzept auf einzelne US-Technologieaktien übertragen würden und damit ein besonders volatilitätsreiches Untersegment für einkommensorientierte Strategien erschließen würden. Die Produkte seien seit ihrer Notierung an der Frankfurter Börse auch für deutsche Anleger über Onlinebroker zugänglich und bei einzelnen Anbietern sogar als Sparplan nutzbar.
Sinnvolle Ergänzung für einkommensorientierte Anleger
Optionsbasierte Ausschüttungs-ETPs wie die IncomeShares-Reihe von Leverage Shares würden eine Lücke schließen, die im europäischen ETP-Markt lange bestanden habe: Sie würden professionelle Einkommensstrategien in ein börsengehandeltes, transparentes Produkt übersetzen. Für Anleger, die regelmäßige Cashflows ohne den Verwaltungsaufwand einzelner Optionskontrakte suchen würden, könne das ein interessantes Werkzeug sein - insbesondere als Ergänzung zu bestehenden ETF-Portfolios.
Ob es sich dabei um "Passive Income 2.0" handele, sei letztlich eine Frage der Perspektive. Passiv sei die Strategie im technischen Sinne nicht - der tägliche Optionshandel erfordere aktives Management durch den Anbieter. Aber für den Anleger sei das Ergebnis ein regelmäßiger Mittelzufluss ohne eigenes Zutun. (Ausgabe vom 25.03.2026) (26.03.2026/fc/a/e)
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