Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die Wirtschaft in der Eurozone hat im bisherigen Jahresverlauf mit einem sehr soliden Wachstum positiv überrascht, so die Experten von Metzler Asset Management.
Im zweiten Quartal habe sich das Wirtschaftswachstum auf 1,9% gegenüber dem Vorjahresquartal beschleunigt und dürfte sich im dritten Quartal weiter auf 2,1% erhöht haben. Der von der EU-Kommission erhobene Geschäftsklima-Index für die Eurozone sei sogar von einem zwischenzeitlichen Tief von 94,8 im Mai auf ein neues zyklisches Hoch von 103,2 im September gestiegen. Die Staatsschuldenkrise in der Eurozone habe demnach das Wirtschaftswachstum nicht messbar beeinträchtigt.
Vor allem die Europäische Zentralbank habe bisher mit ihrer unorthodoxen Geldpolitik verhindert, dass die Krise auf den Bankensektor übergreife. So sei die Kreditvergabe an den privaten Sektor von 0,7% gegenüber dem Vorjahresmonat im Juli auf 1,2% im August gestiegen. In den kommenden Monaten dürfte sich jedoch die Konjunkturdynamik in der Eurozone abschwächen, weil die Wirtschaft der Eurozone dem globalen Konjunkturzyklus um drei bis sechs Monate hinterherhinke und die US-Wirtschaft schon im dritten Quartal deutlich an Fahrt verloren habe.
Der Konjunkturaufschwung sei mit einer deutlich verbesserten Kapazitätsauslastung in der Eurozone einhergegangen. Den Schätzungen der Experten zufolge hätten deutsche Unternehmen ihre Kapazitäten im dritten Quartal sogar wieder voll ausgelastet und hätten damit wieder Spielraum, die Preise in den kommenden Monaten deutlich anzuheben.
Eigentlich würde der verbesserte Preissetzungsspielraum der Unternehmen für eine straffere Geldpolitik in der Eurozone sprechen. Die Europäische Zentralbank (EZB) müsse jedoch an der unbegrenzten Bereitstellung von Liquidität festhalten, da viele Banken in der Peripherie der Eurozone auf eine Refinanzierung durch die EZB angewiesen seien. Eine Liquiditätsverknappung hätte eine Bankenkrise in der Eurozone zur Folge.
Die EZB habe derzeit keinen Handlungsspielraum und könne nicht auf die verbesserten Fundamentaldaten reagieren. Daraus entstünden zunehmende Inflationsrisiken, die noch durch die steigenden Rohstoffpreise und die geplante Anhebung von staatlichen Abgaben und indirekten Steuern in den kommenden Monaten verstärkt werden dürften. Vor diesem Hintergrund würden die Experten damit rechnen, dass sich die Inflation in der Eurozone auf 2,5% im Jahr 2011 erhöhen werde. (19.10.2010/fc/a/m)
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