Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Mit großer Bestürzung blickt derzeit die Welt auf Japan, so die Experten von Metzler Asset Management.
Neben der Sorge um die Menschen in diesem Land, der Hoffnung auf einen schnellen Wiederaufbau und der Angst vor den möglichen Auswirkungen der Atomkatastrophe würden auch andere Fragen bewegen: Welchen Schaden habe die japanische Volkswirtschaft insgesamt erlitten, und wie wirke sich die Entwicklung auf die Weltwirtschaft aus. Für endgültige Aussagen sei es indes noch zu früh.
Dennoch hätten die Japan-Spezialisten von T & D Asset Management Co. Ltd aus Tokio eine vorläufige Einschätzung der aktuellen Entwicklung abgegeben. T & D zähle zu den erfolgreichsten Asset-Managern in Japan und zeichne sich verantwortlich für das Management des Metzler Japanese Equity Fund.
Die von den verheerenden Folgen des Tsunamis am schwersten getroffenen Gebiete in den nordpazifischen Präfekturen Japans seien für 6,8% der gesamten Industrieproduktion des Landes verantwortlich, das sei weniger als Hyogo und Osaka zum Zeitpunkt des Hanshin-Bebens im Jahr 1995. Damals sei die Industrieproduktion um 2,6% im Januar 1995 (im Monat des Bebens) gefallen, habe sich aber in den darauf folgenden Monaten erholt und sei im März sogar um 0,4% höher gewesen als im Dezember 1994 vor dem Beben.
Der TOPIX-Performance-Index sei nach dem Hanshin Beben über einen Zeitraum von sechs Monaten um 21% gefallen (13. Januar 1995: 1.511,79; 13. Juni 1995: 1.193,16). Die aktuelle Situation sei nach Meinung der T & D-Experten jedoch nicht einfach mit der damaligen vergleichbar. Damals sei eine starke Aufwertung des Yen vorausgegangen. Dazu seien noch die Giftgas-Attentate auf die Tokioter U-Bahn im März 1995 gekommen. T & D erwarte eine kurzfristig hohe Volatilität der Märkte, da die Risikobereitschaft der Anleger aufgrund der sich verschlechternden Lage im Kernkraftwerk Fukushima sinke.
Da aber die Bilanzen der Haushalte und der Unternehmen relativ gesund seien und der Aufschwung der Weltwirtschaft weitergehen sollte, seien die T & D-Manager davon überzeugt, dass Japan die momentanen Schwierigkeiten überwinden könne, so wie das auch in den Jahren nach dem Hanshin-Beben 1995 bzw. nach dem Niigata-Beben 2007 der Fall gewesen sei.
Zurzeit würden Sektoren, die mit dem Wiederaufbau zu tun haben, einen steigenden Trend verzeichnen, darunter das Bauwesen. Im Falle des Hanshin-Bebens sei dieser Trend aber schon nach einem Monat zu Ende gewesen. In den vergangenen zwei Tagen (14. und 15. März) seien viele Titel stark gefallen - auf ein Niveau vergleichbar mit dem direkt nach dem Fall von Lehman Brothers. Auch der TOPIX-Performance-Index sei diesen Lehman-Tiefstwerten schon sehr nahe. Unter den gegebenen Bedingungen würden die T & D-Experten nicht davon ausgehen, dass eine Umschichtung des Portfolios in defensive Sektoren oder solche, die vom Wiederaufbau profitieren könnten, kurzfristig sinnvoll sei.
Die Geschwindigkeit der Erholung von Unternehmensgewinnen dürfte im nächsten Geschäftsjahr abnehmen, da die aufgestaute Nachfrage nach der Finanzkrise mittlerweile ausgeschöpft sei. Hinzu komme ein starker Anstieg der Rohstoffpreise. Trotzdem sei T & D der Meinung, dass der Aufwärtstrend bei den Unternehmensgewinnen anhalten werde. Es gebe zwar noch Unsicherheitsfaktoren im Hinblick auf die Unternehmensgewinne, wie länger andauernde Engpässe bei der Stromversorgung.
T & D gehe jedoch davon aus, dass die aktuellen Aktienpreise bedeutende Abweichungen von dem mittel- bis langfristigen Aufschwungstrend zeigen würden und es derzeit ausgezeichnete Gelegenheiten gebe, überverkaufte Titel ins Portfolio aufzunehmen. (16.03.2011/fc/a/m)
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