Logo
NEWS - Marktberichte
www.fondscheck.de
14.04.11 13:35
EZB zunehmend in der Zwickmühle

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die Eurozone vermeldete im ersten Quartal erste Fortschritte bei der Bewältigung der Staatsschuldenkrise: Die Turbulenzen am Rentenmarkt beschränkten sich nur noch auf Irland, Griechenland und Portugal, während sich die Rentenmärkte der anderen Mitgliedsländer der Eurozone stabilisiert haben, so die Experten von Metzler Asset Management.

Die Finanzmärkte scheinen davon auszugehen, dass auch Portugal den Rettungsschirm in Anspruch nehmen muss, und dass die Ländern unter dem Rettungsschirm früher oder später eine Umschuldung ins Auge fassen, was privaten Investoren Verluste bescheren würde, so die Experten von Metzler Asset Management. Sie würden jedoch weiterhin davon ausgehen, dass die Eurostaaten die Umschuldung eines Mitgliedslandes der Eurozone unter allen Umständen zu vermeiden versuchen würden - denn eine Umschuldung würde das Bankensystem nachhaltig schwächen und könnte Turbulenzen vergleichbar mit dem "Lehman-Brothers-Schock" auslösen.

Die Eurostaaten hätten im Quartalsverlauf auch Fortschritte bei der Gestaltung eines permanenten Rettungsfonds erzielt. Die Eurozone sei damit auf dem Weg, sich von einer Gemeinschaft ohne Haftung zu einer Gemeinschaft mit begrenzter Haftung zu wandeln - insgesamt dürfte der Euro dadurch stabiler werden. Trotz aller Fortschritte würden die Experten damit rechnen, dass die Staatsschuldenkrise die Eurozone noch zwei bis drei Jahre belasten werde, da die Krisenstaaten in der Währungsunion diesen Zeitraum noch benötigen würden, um ihre Haushaltsdefizite unter Kontrolle zu bringen.

Trotz der anhaltenden Staatsschuldenkrise habe sich die Konjunktur in der Eurozone weiterhin überraschend widerstandsfähig gezeigt. Die Auftragseingänge hätten im Januar um 22,1% gegenüber dem Vorjahresmonat zugelegt, die Industrieproduktion um 6,2%. Frühindikatoren wie der ifo-Index und die Einkaufsmanagerindices hätten im März darüber hinaus eine anhaltende robuste Konjunkturdynamik signalisiert. Gleichzeitig sei auch die Inflation deutlich gestiegen: Habe die Inflationsrate im Dezember noch bei 2,2% gelegen, so habe sie im März schon bei 2,6% notiert. Wichtige Inflationsfrühindikatoren wie Umfragen zum Preissetzungsverhalten der Unternehmen und die Preisvorstufen würden hohe Inflationsrisiken auch für die kommenden Monate signalisieren.

Vor diesem Hintergrund habe die Europäische Zentralbank (EZB) eine Leitzinserhöhung für April angekündigt; die Erhöhung von 1,0% auf 1,25% am 7. April habe der Erwartung der Experten entsprochen. Die EZB befinde sich zunehmend in einer Zwickmühle, da sie einerseits großzügig Liquidität zur Sicherung der Finanzmarktstabilität bereitstellen und andererseits die Inflationsrisiken eindämmen müsse. Bisher scheine sie der Finanzmarktstabilität den Vorzug einzuräumen, da im aktuellen Umfeld eigentlich eine aggressivere Straffung der Geldpolitik notwendig wäre. Die Lage könnte im zweiten Halbjahr für die EZB noch komplizierter werden, da weiter vorausschauende Frühindikatoren wie die Geldmenge M1 eine deutliche Wachstumsabschwächung für die Eurozone signalisieren würden. (Ausgabe vom 13.04.2011) (14.04.2011/fc/a/m)



© 1998 - 2026, fondscheck.de