London (aktiencheck.de AG) - Es gab Zeiten, da gehörte Japan zur natürlichen Auswahl für einen globalen Aktieninvestor, so die Experten von AllianceBernstein.
Immerhin sei Japan für fast ein halbes Jahrhundert die zweitgrößte Weltwirtschaft und Heimat vieler globaler Großunternehmen gewesen. Heute scheine das Land nur noch ein Schatten seiner selbst - wirtschaftlich von China überholt, mit fehlender Dynamik und dramatischen öffentlichen Finanzen. Und dieses Bild habe sich weiter durch die Krise am Fukushima Kernkraftwerk, ausgelöst vom Erdbeben und Tsunami im März 2011, verschlechtert.
Solle Japan also vom Radar globaler Investoren verschwinden? Oder sei jetzt eine gute Zeit, um in Japan zu investieren?
Nicholas Davidson, Portfoliomananager bei ACMBernstein entkräfte fünf Missverständnisse in Bezug auf Japanische Aktien.
1. Mangel an Chancen durch eine schrumpfende Bevölkerung
Japanische Unternehmen hätten sich historisch erfolgreich an neuen Herausforderungen angepasst und zum Beispiel vom wachsenden Wohlstand der Mittelklasse in Schwellenländern profitiert. Japan habe eine dominierende Position in den Wachstumsmärkten - von Fabrik Automatisierungssystemen bis hin zu medizinischen Geräten. Diese Firmen würden sich erfolgreich auf die neuen Herausforderungen einer alternden Welt einstellen können.
Detailanalysen würden das Gegenteil zeigen. Seit 2001 habe sich die generelle Profitabilität von japanischen Unternehmen in einem rasanten Tempo verbessert. Mehr Disziplin bei der Kontrolle von Investitionen und Geldmitteln hätten die Unternehmen profitabler gemacht und die Experten würden glauben, dass dieser Trend aufrechterhalten werden könne.
3. Der starke Yen breite den Unternehmen Probleme
Trotz des starken Yens habe Japan einen Leistungsbilanzüberschuss. Es würden immer mehr Auslandsprodukte vor Ort hergestellt, um so die Währungsauswirkungen besser bewältigen zu können. Die Rentabilität der Tochtergesellschaften japanischer Unternehmen im Ausland habe sich dadurch in den letzten Jahren stetig erhöht.
4. Japanische Unternehmen würden sich nicht um ihre Aktionäre kümmern
Die Analyse der Experten zeige, dass dies nicht mehr der Fall sei und die Bedeutung von Corporate Governance und das Interesse der Aktionäre deutlich gestiegen seien. Zudem hätten eine zunehmende Anzahl der Unternehmen die Verbesserung der Eigenkapitalrendite als ein zentrales Management-Ziel.
5. Investoren sollten Japan aufgrund des Schuldenbergs meiden
Mit einer öffentlichen Verschuldung von 200 Prozent des BIP bestehe die Sorge, dass Japan - wie auch mehrere Europäische Länder - unter der Finanzkrise leiden werde. Die Experten würden diese Besorgnis als übertrieben betrachten. Da 95 Prozent der japanischen Staatsanleihen im Inland angelegt seien, sei Japan nicht von den internationalen Märkten abhängig. Des Weiteren habe die japanische Regierung immer noch eine Reihe von Möglichkeiten zur Stabilisierung seiner Finanzen. Die Umsatzsteuer betrage zum Beispiel nur fünf Prozent. So bleibe eine Erhöhung - wenn auch politisch unbeliebt - eine realistische Option zur Verbesserung des Staatshaushaltes. (20.10.2011/fc/a/m)
© 1998 - 2026, fondscheck.de