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17.04.12 11:40
Chemie-Industrie: Moderat steigender Ölpreis schadet der Branche kaum

Stuttgart (www.fondscheck.de) - Der steigende Ölpreis hat für die Chemiebranche weniger dramatische Auswirkungen als allgemein befürchtet. "Für einen moderaten Anstieg in einem einigermaßen starken gesamtwirtschaftlichen Umfeld ist die Branche gerüstet", sagt Dr. Christine Feller, Analystin Equity Research bei der Fondsgesellschaft LBBW Asset Management.

Der steigende Ölpreis und vor allem seine ungewisse Entwicklung in der Zukunft sei für die Chemiebranche gleichwohl eine Herausforderung. Die Abhängigkeit sei allerdings weniger schicksalhaft als weithin angenommen.

Die Auswirkungen eines steigenden Ölpreises würden laut Feller vor allem von der Marktstellung des jeweiligen Unternehmens abhängen. So würden beispielsweise die Hersteller von Industriegasen ihre Rohstoffkosten über Kundenkontrakte weiterreichen. Auch in der Feinchemie, deren Herstellungsprozesse durch viele Teilschritte geprägt seien, spiele der Rohstoffpreis ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle. Und chemische Unternehmen mit preisunelastischer Nachfrage könnten höhere Rohstoffkosten ebenfalls an die Kunden weitergeben. In diesen Bereichen dürften die Margen bei einer moderaten Preissteigerung deshalb konstant bleiben.

Ein sprunghafter Anstieg wäre jedoch heikler: Die Lieferverträge für Rohstoffe an verarbeitende Unternehmen würden nämlich in aller Regel über einen kurzen Zeitraum laufen. Die Abnahmeverträge mit den Kunden dieser Unternehmen würden jedoch länger gelten. Ziehe der Ölpreis plötzlich an, könne dies über ein Quartal zu schwächeren Margen führen. "Die Branche würde leiden, wenn der Ölpreis stark anstiege und dauerhaft hoch bliebe", sage Feller. "Dann nämlich würde er die Konjunktur abwürgen, was allerdings auch alle anderen Branchen lähmen würde." Auch wenn die Verbraucher ihr Mobilitätsverhalten dauerhaft ändern und weniger Auto fahren würden, würde dies die Branche als Automobilzulieferer hart treffen.

Auf lange Sicht biete die Verknappung des Rohstoffs Öl für die Chemie aber auch Chancen: Die Forschungsabteilungen würden verstärkt an Öl-Alternativen für die Herstellung von Chemikalien arbeiten - zum Beispiel aus Stärke oder Milchsäure. Zudem würden die Hersteller von Bioethanol und deren Zulieferer, etwa Hersteller von Hefen und Enzymen profitieren. (17.04.2012/fc/a/b)



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