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NEWS - Marktberichte
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25.04.12 13:21
Finanzmärkte: gemischte Aussichten für Europa

Paris (www.fondscheck.de) - Das europäische Marktumfeld bleibt auch im Jahr 2012 unsicher. Geringes Wachstum und hohe Volatilität sind die "neue Normalität", so die Experten von Comgest.

Jetzt würden sich Unternehmen behaupten, die aufgrund ihrer Aufstellung stärker als ihre jeweiligen Branchen und Märkte wachsen könnten. Die Entwicklungen im ersten Quartal 2012 würden auf eine Erholung der europäischen Märkte hindeuten. Die Lage auf den Finanzmärkten und die Staatsschuldenkrise hätten sich dank geldpolitischer Maßnahmen entspannt. Die Europäische Zentralbank und die britische Notenbank hätten auch im ersten Quartal 2012 das europäische Bankensystem unterstützt, indem sie hohe Liquidität in die Märkte gepumpt hätten.

Griechenland habe Fortschritte gemacht, da es einen neuen Sparhaushalt beschlossen habe, das zweite EU-Hilfspaket freigegeben sei und weitere Maßnahmen zur Schuldenumstrukturierung in Gang gesetzt seien. Frankreich und Deutschland hätten sich entgegen den Prognosen als stabile Volkswirtschaften erwiesen, während sich der wirtschaftliche Abschwung Italiens fortgesetzt habe.

In einem zuletzt etwas stabiler gewordenen monetären und wirtschaftlichen Umfeld hätten Anleger meistens die zyklischen Branchen bevorzugt. Banken, Versicherungen, Automobilhersteller und Chemieunternehmen hätten im europäischen Aktienindex trotz anhaltend sinkender Gewinnprognosen am besten performt. Da die Risiken in puncto Euro- und Wirtschaftsstabilität gesunken seien, habe die europäische Börse im Februar um 4,1 Prozent anziehen können. Die bessere Bewertung des europäischen Marktes reflektiere eins zu eins die gestiegene Risikobereitschaft, die ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis von elf bis zwölf für die kommenden zwölf Monate erwarten lasse.

Die Signale aus der europäischen Wirtschaft würden jedoch durchwachsen bleiben. Der deutsche ifo-Index für die Geschäftsaussichten habe leicht angezogen. Das französische Verbraucher- und Geschäftsvertrauen habe sich - auf anhaltend niedrigem Niveau - als stabil erwiesen. Aber Südeuropa sei gefangen im Teufelskreis aus Rezession und Sparmaßnahmen. So hätten die steigenden Zinsen für die Staatsschulden Spaniens und Italiens zum Ende des ersten Quartals Grund zur Sorge gegeben. Positive US-Daten für den Arbeits- und Wohnungsmarkt würden die Hoffnung auf eine moderate Erholung der amerikanischen Wirtschaft wecken.

Vorsichtige Äußerungen des Notenbankchefs Ben Bernanke über eine leicht wachsende US-Wirtschaft würden es wahrscheinlicher machen, dass weitere wirtschaftsstimulierende Maßnahmen auf den Weg gebracht würden, welche auch das europäische Wirtschaftsgeschehen positiv beeinflussen könnten. Währenddessen würden Chinas enttäuschende Produktions- und Handelszahlen auf eine sich verlangsamende Wirtschaft hinweisen. Dass wiederum könne sinkende europäische Exportzahlen zur Folge haben.

Pablo Isla, Chairman des spanischen Textilunternehmens Inditex, habe kürzlich die Bedeutung autonomen Wachstums herausgestellt. Laut Isla hänge die Weiterentwicklung des Geschäftes in erster Linie vom Unternehmen selbst ab und weniger von der allgemeinen Wirtschaftslage. Man werde daher wie in der Vergangenheit nur diejenigen Unternehmen auswählen, die in erster Linie von ihren eigenen Stärken profitieren und gerade in Zeiten eines niedrigen Wirtschaftswachstums besonders gut abschneiden würden. Man suche Firmen, die auch bei schwachem Wind mit vollen Segeln unterwegs seien und ganz bestimmte Kriterien erfüllen würden: auf mindestens fünf Jahre vorhersehbares Gewinnwachstum, außerordentlich starke Unternehmensmodelle, geringe Zyklusabhängigkeit, hohe Kapitalrenditen, nachhaltige Gewinnmargen und hohe Eigenfinanzierungskapazität.

Diese Firmen, die man als "Qualitätswachstumsunternehmen" bezeichne, würden in der Lage sein, überdurchschnittliche Renditen bei langfristig unterdurchschnittlichem Risiko zu erzielen. Durch die Auswahl dieser Unternehmen im Portfolio könnten die Fondserträge losgelöst vom breiteren Vergleichsindex erzielt werden. Die bisherige Jahresperformance des Fonds "Comgest Growth Europe" (ISIN IE0004766675/ WKN 631025) gehe größtenteils auf das nachhaltige Gewinnwachstum der Portfolio-Unternehmen zurück. 2011 habe sich das Gewinnwachstum dieser Unternehmen um zehn Prozent erhöht, der Anteil des organischen Umsatzwachstums habe sieben Prozent betragen. Diese Performance habe die schwächelnde wirtschaftliche Entwicklung anderer europäischer Unternehmen deutlich überstrahlt.

Gute Neuigkeiten seien von SAP gekommen, dessen Geschäft weiterhin stark von anziehenden Umsätzen im Bereich Unternehmens-IT sowie einer dynamischeren Innovationsstrategie profitiere. Mit Blick auf die Produktpipeline scheinen die Managementprognosen von zehn bis zwölf Prozent Gewinnwachstum für das Jahr 2012 eher vorsichtig zu sein, so die Experten von Comgest. Ein anderes Erfolgsbeispiel sei der französische Internetdienstanbieter und Mobilfunkbetreiber Iliad. Schnelles Umsatzwachstum, ein Zuwachs des Breitband-Marktanteils sowie der Start der Mobilfunkaktivitäten Anfang 2012 katapultierten Kundenzahlen und Aktienpreis nach oben. Der weltgrößte spanische Bekleidungshersteller Inditex habe 2011 mit zehn Prozent Umsatz- und zwölf Prozent Gewinnwachstum überzeugen können. Ein Wachstumstreiber seien dabei die zahlreichen Neueröffnungen von Filialen gewesen.

Das Gewinnwachstum pro Aktie bleibe der Hauptantrieb für die Wertentwicklung der Comgest Europafonds der Experten. Während der vergangenen vier Jahre habe sich das Gewinnwachstum pro Aktie in ihren Fonds stabil bei durchschnittlich neun Prozent mit einer jährlichen Schwankungsbreite zwischen plus zwei und plus 16 Prozent bewegt; und zwar trotz wirtschaftlicher Turbulenzen und geringen Wachstums in Europa. Seit die Märkte im März 2009 die Talsohle durchschritten hätten, hätten die Experten mit ihrer Strategie für Europaaktien sogar rund 20 Prozent Gewinn pro Jahr erzielen und erneut das EPS-Wachstum übertreffen können. Das deute ihrer Meinung nach darauf hin, dass die Neueinschätzung der Qualitätswachstums-Bewertungen durch die Märkte erst am Anfang stehe.

Die Experten würden ihre Meinung aufrecht halten, dass das allgemeine europäische Marktumfeld unter fiskalen und monetären Gesichtspunkten weiterhin träge bleibe. In dem aktuell schwierigen Wirtschaftsumfeld mache sich die Weitsicht ihrer Fondsmanager bezahlt und spiegle sich in wachstumsstarken und stabilen Unternehmenswerten in den Portfolios wider. Ihre EPS-Wachstumserwartungen für 2012 lägen bei rund zehn Prozent. Sie seien untermauert durch die überzeugenden Unternehmensdaten und -prognosen, die von den jeweiligen Portfoliounternehmen aktuell vorgelegt worden seien. Es seien Wachstumsunternehmen von herausragender Qualität, die ihre Fähigkeit bewiesen hätten, sich auch in schweren Zeiten positiv zu entwickeln, ihre Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten auszubauen und aufrechtzuerhalten. Den Abstand zu ihren Konkurrenten könnten sie vergrößern, indem sie entweder organisch oder durch Akquisitionen wachsen würden.

Als Beispiel seien folgende strategische Übernahmeaktivitäten zum Jahresbeginn 2012 genannt: Die Übernahme des Gentechnikspezialisten Illumina durch den Pharmariesen Roche, die kontinuierlichen Übernahmeaktivitäten des weltweit größten Brillenglasherstellers Essilor im Bereich der mittelgroßen Optikzulieferer und -dienstleister sowie die Akquisition des kontinental-europäischen Homecare-Geschäfts von Air Products & Chemicals durch den Industriegashersteller Linde. Unternehmensentscheidungen wie die zuvor genannten würden diese Firmen auf langfristige Sicht erfolgreich im Markt positionieren und dazu beitragen, dass europäische Aktienportfolios stärker als der Markt performen würden. (25.04.2012/fc/a/m)



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