Stuttgart (www.fondscheck.de) - Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die meisten europäischen Firmen trotz Eurokrise im kommenden Jahr ihre Ausschüttungen für das Geschäftsjahr 2012 stabil halten oder sogar moderat erhöhen können. "75 Prozent der Ernte sind bereits eingefahren", kommentiert Berndt Maisch, Fondsmanager des LBBW Dividenden Strategie Euroland (ISIN DE0009780411 / WKN 978041), die Gewinnentwicklung der DAX- und EURO STOXX 50-Werte.
Einzig im Einzelhandel, dessen Erfolg maßgeblich vom Weihnachtsgeschäft abhänge, der Telekommunikationsbranche sowie in der Automobilindustrie sehe der Experte noch Unsicherheiten. Obwohl das laufende Geschäftsjahr für viele europäische Unternehmen nicht einfach sei, spiele eine Kürzung der Dividende bei den meisten Unternehmen keine Rolle, so der Experte. "Im Optimalszenario sehen wir im kommenden Jahr im DAX keinen einzigen Dividendensenker", sage Maisch.
Mit Blick auf die Dividende der DAX-Konzerne zeige sich noch keine Spur einer globalen Wachstumspause. Der Experte sehe nur wenige "Wackelkandidaten". Wenn ThyssenKrupp der Verkauf seiner Stahlwerke in den USA und Brasilien gelinge, sei eine Dividendenzahlung sehr wahrscheinlich. Auch bei der Deutschen Lufthansa könnte eine Dividendenzahlung erfolgen, allerdings sei das Geschäft der Fluggesellschaft sehr zyklisch und entsprechend schwer sei hier eine Prognose.
Als Investor fokussiere sich Maisch vor allem auf Werte, die langfristig stabil steigende Dividendenströme generieren würden: "Die Perspektive der Unternehmen muss für die kommenden Jahre intakt sein. Eine Dividendenrendite von 4 Prozent und ein Dividendenwachstum von 10 Prozent sind uns lieber als eine einmalig hohe Ausschüttung", betone Maisch. Beispiele hierfür seien der Logistikkonzern Deutsche Post und der niederländische Konsumgüterhersteller Unilever. Beide Konzerne seien global aufgestellt, würden Marktanteilgewinne verzeichnen und sollten somit auch in den kommenden Jahren stetig wachsen und ihre Dividendenausschüttungen weiter erhöhen können.
Interessant seien für Berndt Maisch auch europäische Werte aus dem Sektor Öl und Gas. Bei ENI und Total dürften die Dividenden auch künftig jährlich zumindest in Höhe der Inflationsraten ansteigen. Nur bei der spanischen Repsol gehe er von einer Dividendenkürzung aus, weil dem Konzern durch die Verstaatlichung der argentinischen Beteiligung YPF der Free-Cashflow aus dieser Region fehle.
Lichtblicke gebe es aber auch in Sektoren, die zuletzt stark gelitten hätten: So seien bei einigen europäischen Finanzkonzernen wieder Dividendenzahlungen möglich. Die italienische UniCredit und die französische Société Générale könnten die Dividendenzahlungen wieder aufnehmen, erwarte Maisch. Allerdings betone er, dass gerade im Finanzbereich durch Regulierung und staatliche Eingriffe bei den Banken Prognosen schwierig seien. (06.11.2012/fc/a/f)
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