Logo
NEWS - Marktberichte
www.fondscheck.de
26.06.15 14:56
Aktienmärkte 2015: Zweites Halbjahr mit viel Potenzial

Wangen (www.fondscheck.de) - Im Rückblick reibt man sich die Augen, wenn man die beiden ersten Quartale dieses Jahres an den Aktienmärkten Revue passieren lässt, so die Experten von GECAM.

Im ersten Quartal seien die politischen Krisen rund um die Ukraine, Griechenland und IS in den Hintergrund getreten und hätten die Aktienmärkte haussieren lassen. In erster Linie hätten hiervon die 2014 zurückgefallenen Europa-Aktien profitiert. Der K-DAX (ohne Dividenden) sei rund 22 Prozent und der EURO STOXX 50 knapp 18 Prozent vorangekommen, während der US-Aktienmarkt (S&P 500) nur mit Mühe eine schwarze Null geschafft habe.

Doch nicht nur die Aktien hätten geboomt - auch die Rentenmärkte hätten nie geahnte Höhen erklommen und die Renditen hätten sich im Umkehrschluss geradezu unterirdisch entwickelt. Im Tief habe die zehnjährige deutsche Staatsrendite 0,05 Prozent erreicht und bis zu achtjährige Laufzeiten hätten im negativen Bereich notiert. Grund sei die insbesondere von der EZB geschürte Deflationsangst und das erwartete Anleiheaufkaufprogramm gewesen.

Mitte April - also relativ früh im zweiten Quartal - sei es jedoch mit einem Schlag vorbei gewesen mit der sorglosen Kursrally an den wichtigsten Kapitalmärkten Europas. Die Renditen hätten plötzlich massiv angezogen, was bei Anleihen guter Bonität einen kleinen Crash verursacht habe, der bis Mitte Juni angehalten und zu Kursverlusten für die verwöhnten Bond-Anleger von bis zu 12 Prozent geführt habe.

Just zu diesem Zeitpunkt sei es auch mit der schönen Aktien-Hausse vorbei gewesen und DAX & Co. hätten eine signifikante Korrektur von über 10 Prozent absolviert. Derart schnell steigenden Renditen (von quasi Null auf ein Prozent in wenigen Wochen) und die Griechenland-Problematik seien dann doch etwas zu viel gewesen, um die Stimmung am Hochpunkt zu halten. Wichtiger als der Rückblick sei jedoch der Ausblick auf das zweite Halbjahr 2015.

Bereits den Renditerückgang im ersten Quartal hätten die Experten rational nicht mehr nachvollziehen können. Es sei schon damals absehbar gewesen, dass die Inflation allein aufgrund von zeitlichen Basiseffekten spätestens im zweiten Halbjahr wieder anziehen würde. Nun sei sie bereits mit den Mai-Daten wieder ins Plus geklettert. Auch die Konjunktur-Prognosen und die Stimmungsdaten der Wirtschaft seien viel zu gut für Negativ-Renditen über ein breites Laufzeitspektrum gewesen.

Man könne also sagen, dass der Renditeanstieg nur eine Anpassung an die fundamentalen Realitäten bedeutet habe, wenn er auch für die meisten Marktteilnehmer etwas schnell vonstatten gegangen sei und somit Verunsicherung - nicht nur am Rentenmarkt - ausgelöst habe. Mit dem eingetretenen Renditeanstieg habe sich die aus historischen Mustern abgeleitete Gegenbewegung nach Start des QE-Programms bewahrheitet. Sei nun der Zeitpunkt gekommen, eine Trendwende bei den Renditen auszurufen?

Die Experten würden denken, dass zumindest die Zeit der großen Sorglosigkeit am Rentenmarkt vorüber sei und die Volatilität zunehmend hoch bleiben werde. Gründe hierfür seien zum einen die bevorstehende Leitzinserhöhung in den USA, die für Unsicherheit sorgen werde.

Darüber hinaus sei das tägliche Handelsvolumen geschrumpft. Gründe dafür seien die Regulierungswut und die dadurch eingedampften Handelsbücher der Banken sowie das Austrocknen bestimmter Rentenmarkt-Segmente durch die massiven Aufkäufe der EZB. Niedrige Marktliquidität wirke in fallenden Kurstrends immer trend- und volaverstärkend. Fast schon selbsterklärend sei, dass sich in Zinswendephasen immer etwas höhere Unsicherheit am Markt zeige.

Die Experten würden bis auf wenige Übertreibungsphasen (aufgrund der hohen Volatilität) keinen weiteren starken Renditeanstieg erwarten. Dafür spreche, dass die EZB am kurzen Ende die Zinsen bestimme und diese bei Null bleiben würden. Am langen Ende wirke zumindest auf Sicht das Kaufprogramm der Notenbank und stabilisiere die Kurse. Weiterhin biete der europäische Staatsanleihenmarkt im zweiten Halbjahr (vor allem im Juli) ein hohes Volumen an Fälligkeiten und Kuponzahlungen, die einen beträchtlichen Wiederanlagebedarf generieren und kursstützend wirken würden.

Die Korrektur an den europäischen Aktienmärkten sei nahezu mustergültig verlaufen. Wenn man nur den Kursverlauf betrachte - ohne Nachrichten zu sehen - dann habe beispielsweise der DAX seinen fulminanten Anstieg seit Oktober 2014 mustergültig bis zur 200-Tage-Linie (rund 10.800) korrigiert und das auch noch in exakt 50 Prozent der Zeit, die er für den Anstieg gebraucht habe. Markttechnisch also symmetrisch und sauber. Auch die fundamentalen Bewertungen hätten sich sehr entspannt.

So notiere der deutsche Leitindex bei einem KGV von knapp 14 (EURO STOXX 50 bei rund 15). Historisch betrachtet seien hier Bewertungen von bis zu 20 gar kein Problem, sondern würden eher eine positive Sicht auf die Assetklasse Aktien implizieren. Phasen in denen der DAX ein KGV zwischen 15 und 20 verzeichnet habe, hätten im Schnitt über 20 prozentige Kursanstiege in den nächsten zwölf Monaten nach sich gezogen. Leider hinke der EURO STOXX 50 sowohl bei der Bewertung als auch was die Gewinndynamik der einzelnen Unternehmen angehe etwas hinterher. Beim US-Leitindex S&P 500 seien die beiden Parameter noch etwas negativer ausgerichtet.

Die globale Wirtschaft werde aus heutiger Sicht etwa gleich dynamisch wachsen wie 2014 (rund 3,4 Prozent). Die Experten würden jedoch eher Überraschungspotenzial auf der Oberseite sehen, was in erster Linie von den Industrieländern und hierbei insbesondere von den USA ausgehe. Nach einem fast schon traditionell schwachen ersten Quartal werde sich die Wachstumsbeschleunigung, die in Japan und der Eurozone schon eingesetzt habe, auch in Amerika entfalten.

Temporäre Eintrübungen durch US-Leitzinserhöhungen oder das Griechenland-Theater in Europa würden den positiven Trend kaum nachhaltig bremsen. Sorgenkinder würden die Emerging Markets bleiben, wobei hier sehr genau differenziert werden müsse. Die meisten Länder seien nämlich Profiteure eines niedrigen Ölpreises (vor allem die Länder in Südostasien). Da die Ölpreis-Prognose der Experten nach unten gerichtet sei, könnten auch diese Länder in den nächsten Monaten positiv auf der Konjunkturseite überraschen.

In Europa hätten vor allem der Konsum und die wieder anziehenden Investitionen in der Peripherie den wichtigsten Beitrag zum Wachstum geliefert, während der Außenbeitrag (Exporte minus Importe) eher etwas geschwächelt habe. Aufgrund der wieder anziehenden Kreditvergabe und wachsenden Geldmenge sollte die Konjunktur weiter an Fahrt gewinnen und gut ein Prozent wachsen können.

Die Korrekturen der teilweise überhitzen Aktienmärkte und vor allem der blasenartig aufgeblähten europäischen Rentenmärkte waren gesund und eine Anpassung an die fundamentalen und zeitlichen Realitäten (zu schneller Anstieg der Aktien), so die Experten von GECAM. Jetzt würden sich wieder rechenbare und nachhaltige Investitionsmöglichkeiten bieten.

Deutsche Aktien seien hier erste Wahl (wachsende Weltwirtschaft, starker Export, schwache Währung, niedrige Zinsen, etc.) aber auch japanische Titel seien aussichtsreich, für die die gleichen positiven Rahmenbedingungen zutreffen würden. Europäische Titel würden immer wieder von politischen Verwirrspielen rund um Griechenland und anstehenden Wahlen in Spanien und Portugal tangiert werden, hätten aber weiter viel historisches Nachholpotenzial.

Risiken bestünden in einer schlecht gemanagten Leitzinswende in den USA, einer Reform-Erlahmung in Europa (Syriza sei Dank) und einer erneuten Eskalation in der Ukraine. Nicht eingetretene Risiken seien jedoch immer auch Chancen auf eine bessere Entwicklung als zunächst gedacht. Dies sollte immer auch in Betracht gezogen werden. Langfristig verpasse man - vor allem als Aktienanleger - ohnehin viel mehr Chancen, als Risiken hinzunehmen seien. (26.06.2015/fc/a/m)


© 1998 - 2026, fondscheck.de