München (www.fondscheck.de) - Die Flaggschiffe einer Fondsgesellschaft sind oft Publikumsmagneten. Doch hohe Zuflüsse können für Fonds auch zum Ballast werden, den sie im Extremfall abwerfen müssen, um wieder wendig zu werden, so die Experten von "FundResearch".
Am 14. Juni 2012 seien die ersten Anteile des UBS Equity European Opportunity Unconstrained (ISIN LU0723564463 / WKN A1JY0P) ausgegeben worden - heute lägen bereits über vier Milliarden Euro in dem Fonds. Der Zulauf und die Popularität würden für die Qualität des Fonds bzw. des Managements sprechen. Daher würden die Paradeprodukte - oft die ältesten oder größten Fonds einer Gesellschaft - gerne auch Flaggschifffonds genannt.
Welche Risiken hinter volumenstarken Fonds liegen könnten, zeige jedoch aktuell einer der bekanntesten Fonds der Fondsgesellschaft PIMCO: Das Flaggschiff des Hauses, der Total Return Fund (ISIN IE00B11XZB05 / WKN A0KD24), müsse Monat für Monat Abflüsse in Milliardenhöhe verkraften. Im Juli immerhin noch 2,5 Milliarden US-Dollar, im März seien es sogar noch 7,3 Milliarden US-Dollar gewesen. Per Ende Juli habe der Fonds damit "nur" noch 101 Milliarden Dollar verwaltet, im April 2013 seien es noch 293 Milliarden gewesen.
Mit folgenden Problemen würden Fondsmanager wie Investoren immer wieder kämpfen:
Für Fonds-Dickschiffe lohne es sich kaum, in kleine eng umgrenzte Märkte zu investieren. Denn dann bestehe die Möglichkeit, dass sie den Markt selbst entscheidend beeinflussen würden: Dies heiße, dass z.B. Käufe die Kurse nach oben treiben könnten - und den Erfolg des Fonds beeinflussen würden.
Das gelte auch umgekehrt: Veräußere ein marktbeherrschender Fonds seine Werte, würden die Kurse der jeweiligen Papiere sinken. Dies könne zum Nachteil werden, wenn die Verkäufe zum Beispiel die Kursverluste beschleunigen würden und sich der Fondsmanager nicht schnell genug von seinen Investments trennen könne: Der Fonds könnte Schiffbruch erleiden. Für die Antwort auf die Frage "Großer oder kleiner Fonds?" sei also zum einen die Liquidität im Markt entscheidend, zum anderen der Anteil des Fondsvolumens an der gesamten Börsenkapitalisierung.
Es sei nicht selten der Fall, dass sich die Anlagestrategie großer Fonds ändere. Nicht mehr die Performance stehe dann im Vordergrund, sondern der Erhalt des Volumens. Schließlich würden Fondsgesellschaften nicht nur an jedem Euro im Fonds einen bestimmten Teil verdienen, sie würden auch ein neues Aushängeschild pflegen. Schöne laufende Einnahmen würden zudem zu risikoaverserem und marktdurchschnittlichem Verhalten verleiten: Die Einnahmen sollten ja nicht gefährdet werden.
Für große Fonds spreche dagegen die Kostenstruktur. Fixkosten würden sich hier auf ein größeres Volumen als bei kleinen Fonds verteilen. Bei letzteren bleibe so für den Anleger letztendlich oft weniger übrig als gedacht.
Werde ein Fonds tatsächlich zu groß und unbeweglich, könne er zunächst für Neuanleger geschlossen (Soft-Closing) werden. Möglich sei auch ein Hard-Closing, in diesem Fall könnten Anleger keine neuen Anteile mehr erwerben, ihre bereits gehaltenen Anteile jedoch an die Fondsgesellschaft zurückgeben. (12.08.2015/fc/a/f)
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