London (www.fondscheck.de) - Die Rohölmärkte haben ein volatiles Quartal hinter sich, so die Experten von ETF Securities.
Als der Ölpreis im Juli über 52 USD je Barrel gestiegen sei, seien zahlreiche Förderanlagen in den USA wieder in Betrieb genommen worden, was für anhaltend hohe Bestände an raffinierten Produkten gesorgt habe und somit zur Belastung für die Preise geworden sei. Gleichzeitig habe die OPEC erneut ihr Fördervolumen erhöht, und auch die Zahl der ungeplanten Ausfälle sei zurückgegangen. In der Folge sei der Ölpreis Anfang August unter 40 USD je Barrel gesunken, nur um innerhalb der nächsten drei Wochen wieder auf 50 USD je Barrel zu klettern. Nach Erachten der Experten dürfte Öl auch in den kommenden Quartalen innerhalb dieser Spanne gehandelt werden, bis die deutliche Kürzung der Investitionen allmählich beim Angebot spürbar werde.
Nach zweieinhalb Jahren mit einem Angebotsüberschuss habe der Markt im dritten Quartal 2016 schließlich ein Angebotsdefizit verzeichnet. Auch im kommenden Jahr dürfte größtenteils ein leichtes Defizit auf der Angebotsseite bestehen. Dieser Umstand dürfte zum Abbau des hohen Bestandsüberhangs bei Rohöl beitragen, doch für einen nachhaltigen Anstieg der Preise auf über 55 USD je Barrel müsse das Angebot weiter sinken.
Infolge der sinkenden Ölpreise im November 2014 hätten die Öl- und Gasunternehmen laut einer Analyse von Wood Mackenzie eine Reduzierung ihrer Investitionen um 740 Mrd. USD in den Jahren 2015 bis 2020 angekündigt. In Kombination mit Investitionskürzungen in der konventionellen Exploration würden sich die Einsparungen auf über 1 Bio. USD belaufen. Besonders stark gespart werde in den USA (125 Mrd. USD in den Jahren 2016/2017 plus weitere Einsparungen von 200 Mrd. USD bis 2020). Der größte Teil der rückläufigen Produktion außerhalb der OPEC gehe bisher auf die Reduzierung der Zahl der aktiven Förderanlagen in den USA um 80% zurück.
Die in den USA stark vertretene Schieferöl-Industrie reagiere rasch auf Marktentwicklungen, und die Produktion könne schneller an aktuelle Preisentwicklungen angepasst werden als in der konventionellen Ölförderung, die immer eine gewisse Vorlaufzeit benötige. So seien beispielsweise in der Nordsee die Investitionen seit 2014 um 36% (27,5 Mrd. USD) gekürzt worden, während gleichzeitig die Produktion von Januar-Mai 2016 höher ausgefallen sei als im gleichen Zeitraum 2015 und 2014. Doch in Großbritannien sollten in den kommenden 5 Jahren 140 Felder stillgelegt werden (davon alleine 50 schon 2016), und die Produktion bis zum Jahresende dürfte unter den Werten von 2015 liegen.
Obwohl die Zahl der bekannten Ausfälle in den OPEC-Ländern in den letzten Monaten gesunken sei, sei das Fördervolumen (ohne den Iran) hinter den Höchstwerten vom Oktober 2015 zurückgeblieben. Obwohl sich die iranische Produktion wieder den Werten vor der Verhängung der Sanktionen von 3,7 Mio. Barrel/Tag annähere, dürfte das Land Probleme haben, die Förderung ohne massive ausländische Investitionen weiter zu steigern.
Die Ausweitung der Ölproduktion in Saudi-Arabien in den letzten zwei Monaten habe vor allem auf dem saisonbedingten Anstieg der Binnennachfrage basiert. Tatsächlich seien die saudi-arabischen Bestände zwischen Januar und April um 285.000 Barrel/Tag gesunken (2015: Rückgang um 40.000 Barrel/Tag). Somit steigere das Königreich seine Produktion nicht im gleichen Tempo wie seine Verkäufe.
Die Marktteilnehmer seien zuletzt durch Gespräche um eine Stabilisierung des Marktes durch Russland und Saudi-Arabien im Vorfeld des informellen OPEC-Gipfels Ende September ermutigt worden. Der enttäuschende Verlauf früherer Gesprächsrunden dieser Art lasse jedoch auch weiterhin nur eine bescheidene Ausweitung der OPEC-Produktion erwarten. Die Experten würden ein globales Angebotsdefizit trotz der geringfügigen Steigerung der OPEC-Produktion erwarten.
Gleichzeitig sei die Fördermenge in Venezuela, das mit einer wirtschaftlichen und politischen Krise zu kämpfen habe, auf 170.000 Barrel/Tag gesunken, da die unzureichende Stromerzeugung für Unterbrechungen in der Produktion sorge. Angaben der IEA zufolge scheine ein Rückgang der Produktion um 200.000 Barrel/Tag relativ zum Vorjahr unvermeidlich, da ausländische Serviceunternehmen ihre Aktivität in Venezuela reduzieren und internationale Ölunternehmen bei der Rückzahlung von Verbindlichkeiten auf Probleme stoßen würden.
Im aktuellen Umfeld niedriger Preise würden die Ölunternehmen ihre Kosten senken, um ihre Profite zu wahren. Entsprechend seien auch die Breakeven-Preise für Öl gesunken. So sei die Rentabilitätsgrenze in der US-Schieferölproduktion zwischen 2014 und 2016 von über 80 USD auf unter 40 USD je Barrel gesunken.
Angaben des IWF zufolge sei der Grenzwert für einen positiven Haushalt in Saudi-Arabien (der Ölpreis, bei dem die Regierung ihre Ausgaben und Steuereinnahmen ausgleichen könne) zwischen 2014 und 2016 von 105,7 USD auf 66,7 USD je Barrel gesunken.
Da Öl nun günstiger gewinnbringend produziert werden könne, würden die Experten bei 55 USD je Barrel vorerst eine Obergrenze für den Ölpreis erkennen, da die US-Ölproduzenten schnell auf steigende Preise reagieren könnten. In der Tat sei die Zahl der aktiven Förderanlagen in den USA in den letzten acht Wochen gestiegen. Dies deute darauf hin, dass US-Schieferöl aus diesen Anlagen zum aktuellen Preis bereits einen Profit abwerfe. Um jedoch zu gewährleisten, dass die zukünftige Ölproduktion die globale Nachfrage bedienen könne, dürften die Preise nach Erachten der Experten nicht deutlich unter die Marke von 40 USD je Barrel sinken. So liege beispielsweise die Rentabilitätsgrenze für die meisten Förderanlagen auf dem Festland bei 43 USD bzw. bei Schieferöl bei 65 USD je Barrel. (Ausblick September 2016) (13.09.2016/fc/a/m)
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