Hamburg (www.fondscheck.de) - "Kleines Unternehmen heißt bei Weitem nicht gleich großes Risiko", meint Peter Kraus, der die beiden Anfang Oktober aufgelegten Nebenwertefonds Berenberg European Small Cap (ISIN LU1637619120 / WKN A2DVQD, Anteilklasse R) und Berenberg European Micro Cap (ISIN LU1637618742 / WKN A2DVQA, Anteilklasse R) bei Berenberg managt.
Vielmehr würden Aktien kleiner Unternehmen aufgrund ihrer hohen Wachstumsdynamik langfristig mit einer besseren risikoadjustierten Rendite bestechen. Auch 2017 lägen sie deutlich vor den Großen. Für seine Fonds bevorzuge Kraus profitable Unternehmen mit soliden Bilanzen. Eine Reihe davon finde er in Schweden.
Aktien kleiner europäischer Unternehmen hätten ein großes Jahr. Bis Anfang November hätten der MSCI Europe Small Cap TR Index und der MSCI Europe Micro Cap TR Index 19 respektive 20 Prozent zugelegt. Damit hätten sie eine fast doppelt so hohe Wertentwicklung erzielt wie der entsprechende Large-Cap-Index mit 11 Prozent. "Das ist ein beachtlicher Unterschied", meine Peter Kraus, ergänze aber sogleich: "Allerdings ist eine Outperformance der Kleinen keine Besonderheit, sondern eher der Normalfall."
Langfristig, das heiße über zehn bis 20 Jahre, gebe es grundsätzlich den Effekt, dass sich kleine Unternehmen besser entwickeln würden als große. Die Gründe lägen auf der Hand: Die Kleinen seien flexibler und innovativer, und sie würden schneller wachsen. "Ein DAX-Wert hingegen kann gar nicht mehr 10 oder 15 Prozent pro Jahr organisch wachsen - zumindest nicht über mehrere Jahre", sage der Berenberg-Fondsmanager. Vor allem in Phasen des Aufschwungs seien das Umsatz- und Gewinnwachstum und damit die Aktienkursentwicklung bei kleinen Unternehmen höher als bei großen. Kraus: "Nur wenn eine stärkere Rezession herrscht und die Aktienmärkte abwärts laufen wie 2009, schneiden Nebenwerte schlechter ab. Solche Phasen sind in der Regel kurz und schmerzhaft."
Neben diesem strukturellen Vorteil sehe Kraus in diesem Jahr zusätzlich einen zyklischen Vorteil. Auf Indexebene seien kleine Unternehmen konjunktursensitiver als große. Denn in den Indices für Small und Micro Caps seien Industriewerte und andere zyklische Sektoren relativ stark vertreten. "Dieses Jahr treffen also zwei positive Effekte aufeinander, die sich verstärken", so Kraus. Auch fürs kommende Jahr rechne er mit einer robusten Konjunktur, sodass sich die Gewinnsituation der Unternehmen weiter verbessern dürfte. Eine Überbewertung europäischer Aktien könne er noch nicht erkennen. Das treffe insbesondere auf Small Caps zu, die eine vorteilhafte relative Bewertung gegenüber Large Caps aufweisen würden.
Auch von kurzfristigen Stimmungsschwankungen am Markt seien die Titel weniger betroffen, denn es gebe keine liquiden Futures auf die Indices, was schnelle Über- und Untertreibungen erschwere. "Die meisten Investoren der kleinen Unternehmen agieren wie wir langfristig", erkläre Kraus. Von Unternehmen in der Frühphase sowie von hochriskanten und unprofitablen Geschäftsmodellen halte er sich fern. "Wir investieren nur in etablierte Firmen mit nachweisbaren Erfolg, hohen Margen und guten Bilanzen. Bei vielen Gesellschaften sind die Gründer im Management beteiligt. Daher gehen sie mit Geld anders um, als Manager in Großkonzernen."
Ein weiterer Vorteil von Nebenwerten seien potenzielle Fehlbewertungen. Nur wenige Analysten hätten dieses Segment auf dem Radar, das gelte für Micro Caps noch mehr als für Small Caps. "Wir haben Aktien in den Fonds, die sich kein einziger Analyst offiziell anschaut", sage Kraus. Das bedeute einerseits viel Arbeit, andererseits enorme Chancen. "Durch die eigene Analyse finden wir Unternehmen, die noch sehr günstig bewertet sind und entsprechend hohe Kurschancen bieten. Wir sieben etwa neun von zehn Titeln aus. Aber die eine Aktie, die übrig bleibt, kann sich über die Jahre vervielfachen", so Kraus.
In seinen beiden Fonds nutze Kraus den gleichen Analyseansatz. Im Berenberg European Micro Cap würden sich rund 100 bis 120 Unternehmen mit einem Börsenwert bis zu 500 Millionen Euro befinden. Damit investiere Kraus gerade einmal in rund zwei Prozent des gesamten europäischen Micro-Cap-Universums von rund 5.600 Aktien. Für den Berenberg European Small Cap habe er Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 500 Millionen bis fünf Milliarden Euro im Blick. Hier filtere er rund 80 Unternehmen aus dem 1200 Titel umfassenden Universum heraus.
Auf seiner Suche nach Qualitätsunternehmen werde Kraus vor allem in den Sektoren Technologie, Industrie und Gesundheit fündig. Energiewerte, Minenaktien, Versorger und Telekomfirmen meide er hingegen, auch Immobilientitel habe er zurzeit nicht in den Portfolios. Informationstechnologie-Unternehmen, die im europäischen Standardwertebereich kaum eine Rolle spielen würden, hätten bei Small Caps einen Anteil von 10 Prozent und bei Micro Caps würden sie sorgen 20 Prozent ausmachen.
Auch bei der Länderverteilung gebe es Besonderheiten. Sowohl bei Small als auch bei Micro Caps würden britische Aktien mit 30 und 33 Prozent dominieren. Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas hingegen habe im Small-Cap-Bereich nur einen Anteil von 11 Prozent und bei den ganz Kleinen von 10 Prozent. Dafür steche im Micro-Cap-Bereich der Norden hervor. Mit nur 10 Millionen Einwohnern habe Schweden hier einen größeren Anteil als Deutschland. "Schweden hat eine ausgeprägte Gründerkultur und viele qualitativ hochwertige Kleinstunternehmen, die für unseren Fonds sehr interessant sind", so Kraus. (29.11.2017/fc/a/f)
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