Hamburg (www.fondscheck.de) - Interview mit Peter Kraus, CFA, der im Jahr 2017 zu Berenberg wechselte und die Fonds Berenberg European Micro Cap (ISIN LU1637618825 / WKN A2DVQB) und Berenberg European Small Cap (ISIN LU1637619120 / WKN A2DVQD) managt:
Herr Kraus, Sie sind nun seit einem halben Jahr Leiter Portfoliomanagement Small-Cap-Aktien bei Berenberg. Warum sind Sie in unser Haus gekommen?
Peter Kraus: Ich war immer schon ein begeisterter Aktieninvestor und beschäftige mich leidenschaftlich gerne mit dem Aufspüren und der Analyse interessanter kleiner Unternehmen. Nachdem ich zuletzt rund elf Jahre lang als Portfoliomanager für Small und Micro Caps bei Allianz Global Investors tätig war, ergab sich die einmalige Möglichkeit, gemeinsam mit einem erfahrenen und motivierten Team entsprechende Fonds bei Berenberg aufzubauen.
Ich kenne Berenberg bereits seit vielen Jahren aufgrund des ausgezeichneten Aktien-Researchs und schätze insbesondere die unternehmerische Kultur sowie die visionäre Führung. Berenberg hat zudem eine große Affinität zu kleinen Unternehmen und bietet ein einzigartiges Netzwerk im Bereich Small Caps. Die Arbeit macht unheimlich viel Spaß und ich bin optimistisch, dass wir für unsere Kunden langfristig erfolgreiche Produkte anbieten können. Unser Start war zumindest schon mal erfreulich!
Wie definieren und unterscheiden Sie Small- und Micro-Cap-Aktien?
Peter Kraus: Wir unterscheiden diese beiden Aktiensegmente allein auf Basis der Marktkapitalisierung und definieren Micro Caps als Unternehmen mit einer Kapitalisierung von bis zu 500 Mio. EUR. Im Small-Cap-Segment fassen wir alle Unternehmen mit einer Kapitalisierung zwischen 500 Mio. und 5 Mrd. EUR zusammen. In Europa gibt es über 5.500 Micro-Cap-Unternehmen und ca. 1.200 Small-Cap-Unternehmen - also ein riesiges Universum, in dem wir äußerst attraktive Wachstumsunternehmen finden, die auch als "Hidden Champions" gelten. Natürlich ist die Liquidität bei Micro Caps eingeschränkt, weshalb Micro Cap Fonds irgendwann beim verwalteten Vermögen an Grenzen stoßen.
Warum ist es aus Sicht eines Multi-Asset-Investors sinnvoll, in Nebenwerte zu investieren? Was ist daran das Besondere?
Peter Kraus: Nebenwerte weisen eine leicht höhere Volatilität auf, jedoch werden Anleger für diese durch eine höhere Rendite entschädigt. Gegenüber hoch kapitalisierten Unternehmen unterscheidet sich zudem die Sektorstruktur. Da defensive Sektoren wie Versorger, Telekommunikation, Pharma oder Lebensmittel üblicherweise in Small-Cap-Indices eine geringere Gewichtung aufweisen, ist die Sektorstruktur tendenziell zyklischer.
Die Anlageklasse Aktien-Nebenwerte bietet jedoch viele strukturelle Vorteile für den Anleger: Kleine Unternehmen wachsen tendenziell deutlich stärker, sie zeichnen sich durch eine hohe Innovationskraft und Dynamik aus, das Management ist regelmäßig signifikant am Unternehmen beteiligt und hat damit einen Anreiz, langfristig erfolgreich zu sein. Das mögen wir als Aktionär besonders gerne! Das sind die wesentlichen Gründe für die langfristig bessere Wertentwicklung von kleinen Unternehmen gegenüber großen Pendants. Aufgrund der Größe des Investmentuniversums und der teilweise stark vernachlässigten Research-Abdeckung einzelner Aktien bietet sich für uns die Chance, durch eine erfolgreiche Aktienauswahl vergleichbare Aktienindices übertreffen zu können.
Sind diese Aktien für einen risikoscheuen Multi-Asset-Anleger nicht ein zu spekulatives Investment?
Ist ein direktes Aktieninvestment nicht attraktiver als ein Fonds?
Peter Kraus: Das fragen Sie mich als überzeugten aktiven Portfolio Manager? Wenn Sie sich zutrauen aus über 5.500 bzw. über 1.200 europäischen Unternehmen die besten Aktien herauszufinden, dann ja, sonst ist ein Fondsinvestment erfolgversprechender. Zudem bietet ein Fonds den Vorteil einer breiten Diversifikation und dadurch eine geringere Volatilität als das Investment in einige wenige Einzeltitel.
Was zeichnet sonst Ihre Investmentphilosophie aus?
Peter Kraus: Wir beteiligen uns an den aussichtsreichsten kleinen Unternehmen, die sich in ihrer besten Wachstumsphase befinden. Dabei wird strikt selektiert und intensiv analysiert. Sind wir einmal überzeugt, investieren wir strategisch und lassen uns durch kurzfristige Schwankungen nicht irritieren.
Wie selektieren Sie diese aussichtsreichen Unternehmen?
Peter Kraus: Aus dem riesigen Universum sortieren wir erst einmal diejenigen Aktien aus, die zu illiquide sind und die über keine erfolgreichen Geschäftsmodelle verfügen. Anschließend konzentrieren wir uns im Rahmen einer Ideengenerierung auf die interessantesten Unternehmen mit einer erfolgreichen Leistungsbilanz und einer vielversprechenden Zukunft. Diese Unternehmen analysieren wir genau und treffen das Management vor Ort oder bei uns. Nur wenn alle unsere Analysekriterien (z.B. Geschäftsmodell, Marktumfeld, Wettbewerbsposition, Management, Finanzen und Bewertung) erfüllt sind, investieren wir in die Aktie.
Das klingt alles nach viel Arbeit! Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Peter Kraus: Auf dem Weg ins Büro lese ich bereits alle meine E-Mails in der S-Bahn und bin voll informiert über alle relevanten Ereignisse und Quartalszahlen, bevor die Märkte öffnen. Die meiste Zeit verbringe ich dann mit der Analyse von neuen Investmentideen und den Ergebnissen unserer Portfoliounternehmen. Telefonate und Meetings mit Analysten und dem Top-Management sind ebenfalls an der Tagesordnung. Natürlich reise ich auch viel, um mir vor Ort kleine Unternehmen anzuschauen, die noch unentdeckt sind. Zudem sind Präsentationen bei Kunden auch ein wichtiger Teil meiner Arbeit.
Was dürfen Investoren von Ihren Fonds in der Zukunft erwarten? Was sind die größten Herausforderungen für Sie?
Peter Kraus: Wer sehr langfristig - und damit meine ich kaufen und liegen lassen ("buy and hold") - investiert, sollte durchschnittlich eine jährlich prozentual zweistellige Rendite erzielen können. Das aber nur, wenn man sich nicht bei jeder kleinen Erschütterung wieder aus dem Aktienmarkt raustreiben lässt! Das ist auch zugleich unsere größte Herausforderung: Diszipliniert bleiben und Ruhe bewahren, wenn der Aktienmarkt oder der Kurs einzelner Aktien korrigieren. Der größte Fehler, den ich selbst als Investor gemacht habe, war, gute Aktien zu früh zu verkaufen bzw. überhaupt zu verkaufen. (Ausgabe Q2/2018) (28.03.2018/fc/a/f)
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