Risikoreduzierung per Hochzinsanleihe - Wunschtraum oder Realität?


30.08.12 13:58
AllianceBernstein

London (www.fondscheck.de) - Um gute Erträge zu erwirtschaften, müssen Anleger im High-Yield-Bereich nicht immer in die am niedrigsten bewerteten Anleihen investieren, so Ivan Rudolph-Shabinsky, Fondsmanager des ACMBernstein Short Duration High Yield Portfolios von AllianceBernstein.

Hochzinspapiere besser bewerteter Unternehmen könnten ebenso lukrativ sein - insbesondere in der aktuellen Marktphase, habe Rudolph-Shabinsky gesagt. Bei Hochzinsanleihen würden sowohl die zu erwartende Rendite als auch das Risiko den Durchschnitt oft bei weitem übertreffen. Aber für Anleihen von schwach gerateten Ländern oder Unternehmen gebe es oftmals auch hohe Risikoaufschläge - je höher diese so genannten Spreads seien, desto lukrativer werde die Anleihe für den Investor. Gleichzeitig steige aber auch das Risiko - im Falle einer Staatspleite oder Insolvenz des Unternehmens verliere der Anleger größere Teile seines Kapitals, im Extremfall sogar alles.

"Daher bedarf es bei Investitionen in Hochzinsanleihen einiger Expertise", habe Ivan Rudolph-Shabinsky gesagt. "Die neue High-Yield-Fonds-Generation konzentriert sich auf Unternehmens-Anleihen mit kürzerer Laufzeit, qualitativ höherwertige Emittenten und setzt methodische Hedging-Strategien ein - einschließlich der Absicherung von Einzelemittenten, Marktrisiken in Form von Anleihen-Indizes und Zinsoptionen." Dadurch müssten Anleger zwar relativ geringe Ertragseinbußen über einen vollen Marktzyklus hinnehmen, profitieren allerdings in Krisenphasen vom deutlich geringeren Kursrisiko.

"Für aktive Fondsmanager können mit Triple-C oder niedriger bewertete Anleihen durchaus einen fruchtbaren Boden bieten", so Rudolph-Shabinsky, "soweit es ihnen gelingt, hier die Spreu vom Weizen zu trennen." Zudem seien in diesem Bereich die Preise nicht immer logisch begründet: In Zeiten hoher Unsicherheit seien bereits sehr pessimistische Annahmen über Insolvenzraten in den Markt eingepreist. "Mit gründlichem Research und Risikobewusstsein sollte es für geschickte Investoren aber möglich sein, attraktive Kaufmöglichkeiten aufzutun", habe Rudolph-Shabinsky gesagt.

"Allerdings wollen sich nicht alle Investoren dem Risiko aussetzen, das von den Anleihen am unteren Ende dieses Spektrums ausgeht." Das Portfolio auf Hochzinsanleihen besser bewerteter Unternehmen (B oder BB) zu beschränken, bringe im Hinblick auf die Diversifikation kaum einen Vorteil: Denn nur 12 Prozent der Unternehmen auf dem globalen Anleihemarkt seien mit Triple-C oder schlechter bewertet. "Und tatsächlich ist es auch nicht so, dass steigendes Risiko immer steigende Renditen mit sich bringt", stelle Rudolph-Shabinsky fest. "Ein wahlloses Investieren in Anleihen von Unternehmen, die mit CCC oder schlechter bewertet sind, führt unter Umständen nicht zum gewünschten Ergebnis."

In einer ACMBernstein Studie sei die Performance der verschiedenen High-Yield-Kategorien auf dem US-Markt zwischen Januar 1993 und Juni 2011 verglichen worden: Die am höchsten bewertete Kategorie (BB) habe in wachsenden Märkten 88 Prozent des Aufschwungs mitnehmen können - gegenüber 68 Prozent des Abschwungs, als die Märkte wieder eingebrochen seien. "Dieses Muster - mehr vom Aufschwung als vom Abschwung abzubilden - führte zu überdurchschnittlichen und weniger volatilen Ergebnissen", habe Rudolph-Shabinsky gesagt.

Am schlechtesten hätten bei der Untersuchung die mit CCC gerateten Anleihen abgeschnitten - sie hätten durchschnittliche Erträge von sechs Prozent im Jahr gebracht, fast drei Prozent weniger als ihre mit BB bewerteten Pendants. "In anderen Worten: Die risikoärmsten Anleihen performten am besten. Um herauszufinden, warum das so ist, haben wir die Daten in vier unterschiedliche Marktzyklus-Phasen unterteilt: die Rally, die Carry-Phase, die Krise und die Konsolidierungsphase", erläutere Rudolph-Shabinsky.

Die Gruppe der Triple-C-Anleihen habe besonders gut in Rally-Phasen performt und im Schnitt doppelt so hohe Erträge wie die Anleihen aus der BB- und B-Gruppe geliefert. In einer Rally seien risikoreiche Anlagestrategien daher lohnend. Wenn extrem hohe Anleihe-Spreads wie beispielsweise in 2009 wieder sinken würden, würden Anleger profitieren, wenn sie auf Risiko setzen würden. "In der Carry-Phase, in der sich der Markt in rund 75 Prozent der Zeit befindet, sind die Spreads deutlich geringer", habe Rudolph-Shabinsky gesagt, "was weniger Möglichkeiten für sehr hohe Gewinne bedeutet. Zudem entsprechen die Anleiherenditen dann den Erträgen. In dieser Phase performten die CCC-Anleihen trotz der höheren Gewinne etwas schlechter als BB- und B-Anleihen, denn die höheren Gewinne wurden von Kreditausfällen wieder aufgehoben."

Investoren würden CCC-Anleihen typischerweise in Carry-Phasen kaufen - und in Einzelfällen könne eine sorgfältige Auswahl gute Gewinne bringen. "Für die CCC-Anleihen als Gruppe gilt jedoch, dass Investoren in diesen Marktphasen zu teuer bezahlt haben", so Rudolph-Shabinsky.

In Krisenphasen gelte dagegen: mehr Risiko - mehr Verlust. Triple-C-Anleihen hätten daher in solchen Phasen mit Abstand am schlechtesten performt. "Während der Konsolidierungsphasen waren Investoren meist noch wenig risikofreudig - aber der massive Verkaufsdruck hat nachgelassen, wovon auch alle Risikoanleihen profitieren", erkläre Rudolph-Shabinsky. "Die Geschichte zeigt, dass die Erträge in dieser Phase sehr verlockend sein können - aber um sie zu erreichen, ist es nicht nötig, in die riskantesten CCC-Anleihen zu investieren." Zusammengefasst: Außer während einer starken Hausse sei es jederzeit möglich, attraktive Renditen zu erreichen - mit besser bewerteten Hochzinsanleihen.

Was bedeute das für die aktuelle Lage auf dem Finanzmarkt? "Im Moment ist keine größere Rally in Sicht - wir befinden uns in einer Phase langfristig durchschnittlicher Spreads", habe Rudolph-Shabinsky gesagt. "Wir gehen davon aus, dass der Markt weiterhin volatil bleiben wird - mit kleinen Höhen und kleinen Rally". Qualitativ höherwertige Hochzinsanleihen seien daher das Investment der Wahl - insbesondere für Anleger, die ein zu hohes Risiko vermeiden möchten. "Im Falle massiver Verkäufe erwarten wir, dass besser bewertete Anleihen hier eine größere Widerstandskraft aufweisen als aggressivere Hochzinsanleihen." (30.08.2012/fc/a/m)






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