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Krypto-ETPs: Warum einige Kryptos auch nach dem Crash noch im Plus sind


12.02.26 14:00
21Shares AG

Zug (www.fondscheck.de) - Der Jahresstart 2026 gehört bereits jetzt zu den schwankungsreichsten Phasen der letzten Jahre im Kryptomarkt, so Adrian Fritz, Vice President und Chief Investment Strategist des Krypto-ETP-Emittenten 21shares.

Bitcoin sei abgerutscht und habe zeitweise unter 70.000 US-Dollar verblieben, während viele Altcoins zweistellige Verluste verzeichnet hätten. Auf den ersten Blick habe das wie ein klassischer Markteinbruch oder gar Beginn eines Krypto-Winters gewirkt. Ein genauerer Blick zeige jedoch: Der Auslöser habe weniger in branchenspezifischen Problemen gelegen, sondern in einem breiteren, makrogetriebenen Risikoabbau über mehrere Anlageklassen hinweg.

Steigende Anleiherenditen, ein stärkerer US-Dollar und neue geopolitische Spannungen hätten eine Art globalen "Positions-Reset" ausgelöst. Bemerkenswert sei, dass selbst Gold und Silber nach vorherigen Höchstständen deutlich zurückgegangen seien, ebenso wie Aktienmärkte. Digitale Assets hätten dabei erneut als rund um die Uhr geöffneter Markt gehandelt und hätten als Ventil für globale Risikoanpassungen gedient - was Preisbewegungen sichtbarer und abrupter gemacht habe als in traditionellen Märkten mit Handelszeiten.

Die Marktmechanik spreche eher für ein Bereinigen von Hebelpositionen als für einen strukturellen Kapitalabzug aus dem Sektor.

Das Open Interest in Bitcoin-Futures sei deutlich zurückgegangen, Finanzierungsraten hätten sich normalisiert und stark gehebelte Positionen seien aus dem Markt gedrängt worden. Solche Phasen würden systemische Fragilität reduzieren. Parallel dazu sei zwar der Spot-Verkaufsdruck gestiegen, doch die Käuferseite habe mitgezogen - das Verhältnis sei klar unter Niveaus geblieben, die historisch mit Kapitulationsphasen verbunden gewesen seien. Auch On-Chain-Indikatoren würden nicht auf breite Fluchtbewegungen hindeuten. Die Stablecoin-Marktkapitalisierung - oft als Liquiditätsbarometer des Krypto-Ökosystems betrachtet werde - sei nur leicht zurückgegangen. Gleichzeitig habe das monatliche On-Chain-Transaktionsvolumen die Marke von 10 Billionen US-Dollar überschritten, was auf weiterhin rege wirtschaftliche Aktivität innerhalb der Netzwerke hindeute.

Größere Marktteilnehmer hätten die Schwäche offenbar zur Akkumulation genutzt: Die Zahl der Wallets mit mehr als 1.000 BTC sei weiter angestiegen. Solche Adressen würden als relativ preisinelastisch gelten und Angebot tendenziell aus dem kurzfristigen Handelskreislauf verschieben.

Trotz eines breiten Marktrückgangs von rund 17 Prozent (Stablecoins ausgenommen) hätten nur fünf der 100 größten Kryptowährungen den Monat im positiven Bereich beenden können. Das sei statistisch bemerkenswert - und inhaltlich aufschlussreich.

Diesen Kryptos sei generell gemein, dass es sich um Projekte mit messbarer Nutzung und wiederkehrenden Einnahmeströmen auf Protokollebene handle. Hyperliquid etwa habe von stark wachsender Derivateaktivität auf der eigenen Plattform profitiert, während das Canton-Netzwerk durch institutionelle Integrationsprojekte Rückenwind erhalten habe. In beiden Fällen hätten reale Transaktionen, Gebühreneinnahmen und tatsächliche institutionelle Nutzung eine größere Rolle gespielt als spekulative Rotation.

Das deute auf eine zunehmende Differenzierung innerhalb des gesamten Krypto-Investmentsektors hin: Kapital reagiere sensibler auf Nutzungsdaten, Umsatzmodelle und Einbindung in institutionelle Strukturen - Faktoren, die bislang eher aus dem Aktien- oder Venture-Kontext bekannt gewesen seien.

Auch auf der Produktseite sei das Bild konstruktiver geblieben, als es die Kurse hätten vermuten lassen. Wie der aktuelle Bericht von 21shares zeige, hätten europäische Krypto-ETPs im Januar Zuflüsse von über 250 Millionen US-Dollar verzeichnet. Damit hätten sich die Zuflüsse der letzten zwei Monate auf rund 450 Millionen US-Dollar summiert. Der Großteil sei erneut auf Bitcoin-Produkte entfallen - allein diesen seien 249,2 Millionen Dollar neues Kapital zugekommen -, gefolgt von Ethereum. Einzelne thematische ETPs - etwa auf Hyperliquid - hätten ebenfalls Mittelzuflüsse gesehen, während Solana- und XRP-Produkte Abflüsse verzeichnet hätten.

Dass das verwaltete Gesamtvermögen dennoch gesunken sei, habe primär an Preisrückgängen der zugrunde liegenden Assets gelegen, nicht an systematischem Kapitalabzug. Generell würden diese Flow-Muster dafür sprechen, dass institutionelle Allokatoren Rücksetzer zur Positionsanpassung nutzen würden.

Wie die aktuelle Lage nun einzuordnen sei? Der Januar habe weniger Hinweise auf einen Regimewechsel geliefert als auf einen Reifeprozess. Digitale Assets würden sensibel für makroökonomische Liquiditätsbedingungen bleiben, würden sich intern jedoch weiter entwickeln - mit wachsender Nutzung, stabileren Einnahmemodellen einzelner Protokolle und zunehmender institutioneller Einbindung über regulierte Produkte.

Der Markt reagiere damit nicht mehr homogen auf Stressphasen. Preisbewegungen würden breiter verlaufen, Fundamentaldaten würden selektiver bewertet, und Kapital unterscheide stärker zwischen Infrastruktur, Nutzung und reiner Narrativ-Spekulation. (12.02.2026/fc/n/e)