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ESG-Fonds: Ökologische, ethische, soziale Investmentfonds im Fokus - Fondsanalyse
29.11.17 11:31
F&V Fondscenter AG
Berlin (www.fondscheck.de) - Es gibt bereits seit längerer Zeit Investmentfonds, die ihre Anlagen unter spezieller Berücksichtigung ökologischer, ethischer und/oder sozialer Kriterien auswählen, so die Experten der F&V Fondscenter AG.
Wie immer gebe es für eine solche Anlageausrichtungen auch ein englisches Kürzel: "ESG" (Environmental, social and governance); mitunter spreche man auch von "Sustainability" (Nachhaltigkeit).
Investmentfonds, die ihre Anlagen unter Beachtung solcher Kriterien auswählen würden, würden in den Beständen der F&V-Kunden bisher nur sehr vereinzelt eine Rolle spielen. Jüngere Anleger würden inzwischen aber häufiger entsprechende Forderungen an ein Fondsmanagement stellen, und auch in der älteren Generation habe nach Fukushima, diversen Ölpests und dem Dieselskandal ein gewisses Umdenken begonnen. Auch das Fondsangebot habe sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Deshalb scheine es angeraten, das Thema erneut aufzugreifen.
Interessierte Anleger sollten zunächst wissen, dass es bei den "ESG-Fonds" zwei grundsätzliche Methoden gebe, sich dem Thema zu nähern. Es würden konsequent alle Branchen ausgeschlossen, die nicht den gewünschten Kriterien entsprächen. Als Anleger müsse man sich dann zunächst entscheiden, welche davon einem persönlich wichtig seien. Mögliche Ausschluss-Themen seien zum Beispiel: Gentechnik, Atomkraft, Öl/Fracking, Glückspiel, Industrielle Tierhaltung, Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, Waffen/Rüstung, Pornografie und diverse weitere.
Da kein ESG-Fonds alle oben genannten Themen "abwählen" müsse, gelte es gegebenenfalls, mit (derzeit noch extrem mühseliger) Recherchearbeit herauszufinden, welche Fonds die unerwünschten Themen auch grundsätzlich ausschließen würden. Die Verbraucherzentrale Bremen habe das im Jahr 2014 für einige Fonds gemacht und festgestellt, dass unter den Aktienfonds nur ein einziger alle oben genannten Themen und einige weitere oben nicht genannte meide - Ökoworld Ökovison Classic - und unter den Rentenfonds keiner.
Wenn man nur wenige Themen konsequent meiden möchte, sei die Auswahl natürlich größer. Wenn man sehr viele der oben genannten Themen ausschließen möchte, werde das Universum der möglichen Anlagen hingegen stark eingegrenzt. Einige Branchen würden dann ganz fehlen. Viele große Firmen würden auch fehlen, weil sie beispielsweise in einer kleinen Zweigniederlassung etwas "Schmutziges" herstellen würden. Ein solcher Fonds werde deswegen nicht so breit streuen können und tendenziell stärker schwanken sowie schlechter abschneiden als ein Fonds ohne solche Einschränkungen. "Tendenziell" deshalb, weil der eine oder andere erstklassige ESG-Fondsmanager sicher das Gegenteil beweisen werde. Der oben genannte Ökoworld Ökovison Classic habe bisher dazu gehört und in den letzten ca. sieben Jahren (Start des aktuellen Fondsmanagerteams) etwas besser abgeschnitten als der Durchschnitt der global anlegenden Aktienfonds.
Auch weil bisher diverse Fonds der ESG-Kategorie die Nachteile nicht hätten ausgleichen können und unterdurchschnittliche Ergebnisse geliefert hätten, habe sich in den letzten Jahren die zweite Methode stärker durchgesetzt. Dabei werde zunächst keine oder kaum eine Branche prinzipiell ausgeschlossen. Stattdessen setze man auf die "besten" Unternehmen in jeder Branche ("Best in class"). Das habe den Vorteil, dass die Streuung genauso breit sein könne wie bei jedem "normalen" Fonds, und auch die Ergebnisse müssten nicht schlechter sein.
Der Nachteil liege sicher im Auge des Betrachters bzw. einiger Anleger, die dann eben doch "ungewollte" Investments hätten. Das Atomkraftwerk mit den besten Wartungsstandards sei dann unter Umständen ebenso im Fonds vertreten wie ein Kasino, das allen Spielsüchtigen und Minderjährigen konsequent den Eintritt verwehrt oder ein Solarzellenhersteller, der nebenbei eine Beteiligung an einem Pornoverlag halte.
Manche Fonds, die nach dem "Best in Class"-Verfahren auswählen würden, würden zusätzlich einige wenige Branchen ausschließen. Vielleicht treffe diese Kombination genau den Geschmack vieler Anleger bzw. ist besonders praktikabel?
Wenn man diese weniger strenge Auswahlmethodik für seine eigenen Anlagen akzeptiere, sollte man zugleich wissen, dass verschiedene Auswahlkriterien schlecht messbar und damit kaum vergleichbar seien. Eine gewisse subjektive Note sei damit in der Bewertung nicht zu vermeiden. Und: Leider können wir nicht gezielt nach Fonds suchen, die nach dem "Best in class"-Verfahren arbeiten und zusätzlich möglichst wenige, aber kundenindividuell vorgegebene Branchen ausklammern, weil uns dafür keine Suchmasken oder -filter zur Verfügung stehen, so die Experten der F&V Fondscenter AG. Man müsste permanent alle Prospekte und deren Änderungen genau studieren.
Dafür können wir uns die Zeit leider nicht nehmen, solange nicht permanent eine große Zahl unserer Kunden solche Investments anstrebt, so die Experten der F&V Fondscenter AG. Vielleicht gebe es an dieser Stelle in naher Zukunft Verbesserungen, oder wir fänden eine gute Informationsquelle?
Auch "normale" Fonds, die in ihrer Satzung nicht explizit auf die Einhaltung von ESG-Standards abstellen würden, dürften solche Standards natürlich beachten und würden das teilweise auch tun. Die Gefahr von deutlichen Kursverlusten sei manchem Fondsmanager inzwischen einfach zu groß, wenn sich heute ein Unternehmen konsequent solchen Standards verweigere und dies publik werde.
Jeder Anleger könne schon heute auf relativ einfache Art prüfen, wie die Fonds im eigenen Portfolio diesbezüglich aufgestellt seien. "Morningstar" (eine im Internet in weiten Teilen frei zugängliche Fondsdatenbank, die die Experten der F&V Fondscenter AG auch gern nutzen) veröffentlicht seit einiger Zeit ein entsprechendes Rating und eine Kennziffer ("Morningstar Sustainability Score") auf der Übersichtsseite jedes Fonds. Zu beachten sei dabei, dass:
- nur bei wenigen Fonds der komplette Bestand an Aktien und Anleihen in den "Score" einbezogen sei. Wertpapiere von großen Unternehmen dürften weitgehend erfasst sein, bei kleineren Unternehmen scheine den Experten das häufig noch nicht der Fall zu sein, ebenso bei diversen Anleihen. Der Anteil der einbezogenen Wertpapiere werde ausgewiesen;
- sich der Score mit der Zeit immer wieder deutlich ändern könne, insbesondere wenn die Fonds in ihrer Satzung keine ESG-Kriterien festschreiben würden. Denn dann könnten zumindest theoretisch alle Wertpapiere nach Veröffentlichung des Ratings bereits ausgetauscht worden sein;
- die Werte oft eng beieinander lägen. Die u.g. reinen Ökofonds haben zwar tendenziell minimal höhere Werte (etwa 50 bis 52 gegenüber knapp unter 50 für die "normalen" Fonds), aber ob sich daraus eine stichhaltige ESG-Aussage ableiten lasse, vermögen die Experten der F&V Fondscenter AG nicht zu beurteilen. Diverse andere Öko-Aktienfonds hätten demgegenüber auch niedrigere Werte als die u.g. "normalen" Fonds. Der höchste Wert, den die Experten unter den Ökofonds gefunden hätten, sei ein Sustainability-Score von 57 gewesen - beim KBC Eco Fund - World (ISIN BE0133741752 / WKN A0JJ55). Der habe bisher zumeist auch akzeptable Ergebnisse geliefert;
- noch diverse Fonds kein Rating bzw. Score haben, auch keiner "unserer" seit langem eingesetzten Rentenfonds, so die die Experten der F&V Fondscenter AG.
Darüber hinaus veröffentliche Morningstar an der genannten Stelle auch, wie gut ein Fonds bezüglich ESG innerhalb seiner Kategorie abschneide. Wem es also z.B. wichtig sei, nur in deutsche Aktien zu investieren, könne auch herausfinden, ob ein bestimmter Fonds innerhalb dieser Kategorie besonders nachhaltig agiere.
Wenn man die Datenbank weiter analysiere, stelle man auch fest, dass die Einhaltung hoher ESG-Standards leider auch ein "Luxus" sei, den man sich nicht in allen Ländern und Regionen gleichermaßen "leiste". Dort, wo besonders strenge staatliche Regeln und Kontrollen zu finden seien, würden auch die besten ESG-Werte erzielt.
Wer beispielsweise in einen Aktienfonds für Nordeuropa investiere, habe mit fast jedem dieser Fonds "automatisch" auch einen sehr hohen ESG-Score. Der von den Experten der F&V Fondscenter AG für diese Kategorie festgestellte Spitzenwert liegt derzeit bei 61! Und noch ein paar weitere Fonds dieser Kategorie würden mit ihrem Score besser abschneiden als der beste ESG-Fonds. Nordeuropa-Fonds wären also, rein unter dem ESG-Gesichtspunkt, durchaus ein "Ersatz" für diverse weniger streng agierende ESG-Fonds. Auch das Ergebnis hätte gestimmt. Ein durchschnittlicher Fonds für Nordeuropa habe in den letzten zehn Jahren (Stand 15.11.2017) ein Plus von 82,2% erzielt. Nur ein Ökofonds, und auch dieser "nur" mit der kostengünstigeren Tranche für institutionelle Anleger, habe hier herangereicht (Schroder Climate Change, Score 49).
Das andere Ende der "Score-Fahnenstange" würden die Schwellenländer bilden. Nach stichprobenartiger Kontrolle fänden sich in dieser Kategorie besonders häufig niedrige Score-Werte, oft unter 40. Wer mit seinem Geld auch Gutes tun wolle und in Fonds für Schwellenländer anlege, helfe also einerseits, dort Arbeitsplätze zu schaffen und müsse damit aber zugleich akzeptieren, dass viele dieser Arbeitsplätze weit entfernt seien von den erwünschten ESG-Standards. ESG-Fonds für Entwicklungsländer, bei denen die Fondsmanager ihren Einfluss für Verbesserungen bei den ESG-Standards zielgerichtet geltend machen würden, könnten ein gutes Thema sein, nicht zuletzt für die Reputation der Finanzbranche.
Man habe derzeit leider noch keine praktikable Möglichkeit die "nachhaltigsten" und zugleich "besten" Fonds herauszufiltern und diese Auswahl zugleich auch permanent zu kontrollieren. Auch seien die verschiedenen Kriterien und Methoden, mit denen man die ESG-Orientierung der Fonds beurteilen wolle, nicht einfach miteinander vergleichbar und würden deshalb kein eindeutiges Bild liefern. So gelte der Ökoworld Ökovision Classic zumeist als der strengste Fonds im Hinblick auf den Ausschluss von "schmutzigen" Anlagethemen. Beim Morningstar Sustainability Score liege er unter ESG-Fonds jedoch nur im Mittelfeld. Und ein DWS European Opportunities beispielsweise (der ehemalige DWS Provesta) könnte mit einem Sustainability Score von 52 glatt als ESG-Fonds "durchgehen", obwohl der Fonds solche Anlagekriterien nicht explizit verfolge.
Vorrangig deshalb bleiben die Experten der F&V Fondscenter AG weiterhin zurückhaltend mit Empfehlungen. Wenn jemand mit einer Annäherung an die ESG-Ideale leben könne, seien die Experten gern sein Ansprechpartner. Mehr als eine Annäherung sei vielleicht auch nie möglich, schon allein deshalb, weil sowohl individuelle ESG-Vorstellungen als auch offizielle ESG-Standards einem ständigen Wandel unterliegen könnten. Vor 300 Jahren habe kaum jemand den Sklavenhandel infrage gestellt, und vor 30 Jahren seien Atomkraftwerke kein prinzipiell negativ besetztes Thema gewesen. In ein paar Jahren seien vielleicht alle Autohersteller geächtet, wenn sie noch Verbrennungsmotoren einsetzen würden, oder heute noch unbekannte oder unbedeutende Themen würden wichtig?
Im Folgenden die aktuellen Scores einiger Fonds mit großen Beständen unter den F&V-Kunden und im Vergleich dazu die drei Öko-Aktienfonds mit der besten Wertentwicklung über fünf Jahre, der eingangs erwähnte "Test-Sieger" (nach dem Maßstab "Ausschlusskriterien") Ökoworld - Ökovision Classic sowie der nach dem "Morningstar Sustainability-Score" beste ESG-Fonds von KBC:
Fonds/ Morningstar-Sustainability-Score/ Prozentsatz des dabei berechneten Fondsvermögens
Aktienfonds:
DWS Akkumula 49 / 98% (Stand: 30.09.2017)
DWS Vermögensbildungsfonds I 48 / 97%(Stand: 30.09.2017)
Fidelity World Fund 49 / 94% (Stand: 31.07.2017)
Templeton Growth (Euro) Fund (ISIN LU0114760746 / WKN 941034) 48 / 93% (Stand: 31.10.2017)
Warburg Value Fund 48 / 67% (Stand: 30.09.2017)
M&G Global Basics 48 / 95% (Stand: 31.07.2017)
Ökoworld - Ökovision Classic (ISIN LU0061928585 / WKN 974968) 51 / 83% (Stand: 31.07.2017)
Threadneedle Global Select 47 / 98% (Stand: 31.10.2017)
Nordea Climate & Environment (ISIN LU0348926287 / WKN A0NEG2) 51 / 92% (Stand: 31.10.2017)
Öko-Aktienfonds (ISIN LU0037079380 / WKN 971682) 50 / 73% (Stand: 30.09.2017)
Quest Cleantech (ISIN LU0346063406 / WKN A0NC69) --- / 46% (Stand: 31.10.2017)
KBC Eco Fund - World (ISIN BE0133741752 / WKN A0JJ55) 57 / 83% (Stand: 28.02.2017)
Mischfonds:
Carmignac Patrimoine (ISIN FR0010135103 / WKN A0DPW0) 45 / 55% (Stand: 31.03.2017)
Ethna-Aktiv (ISIN LU0136412771 / WKN 764930) 48 / 57% (Stand: 30.09.2017)
M&G Optimal Income 49 / 60% (Stand: 31.07.2017)
(ökologisch ausgerichtete Fonds sind fett gedruckt) (Quelle: Morningstar) (Ausgabe 4/2017) (29.11.2017/fc/a/f)
Wie immer gebe es für eine solche Anlageausrichtungen auch ein englisches Kürzel: "ESG" (Environmental, social and governance); mitunter spreche man auch von "Sustainability" (Nachhaltigkeit).
Investmentfonds, die ihre Anlagen unter Beachtung solcher Kriterien auswählen würden, würden in den Beständen der F&V-Kunden bisher nur sehr vereinzelt eine Rolle spielen. Jüngere Anleger würden inzwischen aber häufiger entsprechende Forderungen an ein Fondsmanagement stellen, und auch in der älteren Generation habe nach Fukushima, diversen Ölpests und dem Dieselskandal ein gewisses Umdenken begonnen. Auch das Fondsangebot habe sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Deshalb scheine es angeraten, das Thema erneut aufzugreifen.
Interessierte Anleger sollten zunächst wissen, dass es bei den "ESG-Fonds" zwei grundsätzliche Methoden gebe, sich dem Thema zu nähern. Es würden konsequent alle Branchen ausgeschlossen, die nicht den gewünschten Kriterien entsprächen. Als Anleger müsse man sich dann zunächst entscheiden, welche davon einem persönlich wichtig seien. Mögliche Ausschluss-Themen seien zum Beispiel: Gentechnik, Atomkraft, Öl/Fracking, Glückspiel, Industrielle Tierhaltung, Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, Waffen/Rüstung, Pornografie und diverse weitere.
Da kein ESG-Fonds alle oben genannten Themen "abwählen" müsse, gelte es gegebenenfalls, mit (derzeit noch extrem mühseliger) Recherchearbeit herauszufinden, welche Fonds die unerwünschten Themen auch grundsätzlich ausschließen würden. Die Verbraucherzentrale Bremen habe das im Jahr 2014 für einige Fonds gemacht und festgestellt, dass unter den Aktienfonds nur ein einziger alle oben genannten Themen und einige weitere oben nicht genannte meide - Ökoworld Ökovison Classic - und unter den Rentenfonds keiner.
Wenn man nur wenige Themen konsequent meiden möchte, sei die Auswahl natürlich größer. Wenn man sehr viele der oben genannten Themen ausschließen möchte, werde das Universum der möglichen Anlagen hingegen stark eingegrenzt. Einige Branchen würden dann ganz fehlen. Viele große Firmen würden auch fehlen, weil sie beispielsweise in einer kleinen Zweigniederlassung etwas "Schmutziges" herstellen würden. Ein solcher Fonds werde deswegen nicht so breit streuen können und tendenziell stärker schwanken sowie schlechter abschneiden als ein Fonds ohne solche Einschränkungen. "Tendenziell" deshalb, weil der eine oder andere erstklassige ESG-Fondsmanager sicher das Gegenteil beweisen werde. Der oben genannte Ökoworld Ökovison Classic habe bisher dazu gehört und in den letzten ca. sieben Jahren (Start des aktuellen Fondsmanagerteams) etwas besser abgeschnitten als der Durchschnitt der global anlegenden Aktienfonds.
Auch weil bisher diverse Fonds der ESG-Kategorie die Nachteile nicht hätten ausgleichen können und unterdurchschnittliche Ergebnisse geliefert hätten, habe sich in den letzten Jahren die zweite Methode stärker durchgesetzt. Dabei werde zunächst keine oder kaum eine Branche prinzipiell ausgeschlossen. Stattdessen setze man auf die "besten" Unternehmen in jeder Branche ("Best in class"). Das habe den Vorteil, dass die Streuung genauso breit sein könne wie bei jedem "normalen" Fonds, und auch die Ergebnisse müssten nicht schlechter sein.
Der Nachteil liege sicher im Auge des Betrachters bzw. einiger Anleger, die dann eben doch "ungewollte" Investments hätten. Das Atomkraftwerk mit den besten Wartungsstandards sei dann unter Umständen ebenso im Fonds vertreten wie ein Kasino, das allen Spielsüchtigen und Minderjährigen konsequent den Eintritt verwehrt oder ein Solarzellenhersteller, der nebenbei eine Beteiligung an einem Pornoverlag halte.
Manche Fonds, die nach dem "Best in Class"-Verfahren auswählen würden, würden zusätzlich einige wenige Branchen ausschließen. Vielleicht treffe diese Kombination genau den Geschmack vieler Anleger bzw. ist besonders praktikabel?
Wenn man diese weniger strenge Auswahlmethodik für seine eigenen Anlagen akzeptiere, sollte man zugleich wissen, dass verschiedene Auswahlkriterien schlecht messbar und damit kaum vergleichbar seien. Eine gewisse subjektive Note sei damit in der Bewertung nicht zu vermeiden. Und: Leider können wir nicht gezielt nach Fonds suchen, die nach dem "Best in class"-Verfahren arbeiten und zusätzlich möglichst wenige, aber kundenindividuell vorgegebene Branchen ausklammern, weil uns dafür keine Suchmasken oder -filter zur Verfügung stehen, so die Experten der F&V Fondscenter AG. Man müsste permanent alle Prospekte und deren Änderungen genau studieren.
Dafür können wir uns die Zeit leider nicht nehmen, solange nicht permanent eine große Zahl unserer Kunden solche Investments anstrebt, so die Experten der F&V Fondscenter AG. Vielleicht gebe es an dieser Stelle in naher Zukunft Verbesserungen, oder wir fänden eine gute Informationsquelle?
Auch "normale" Fonds, die in ihrer Satzung nicht explizit auf die Einhaltung von ESG-Standards abstellen würden, dürften solche Standards natürlich beachten und würden das teilweise auch tun. Die Gefahr von deutlichen Kursverlusten sei manchem Fondsmanager inzwischen einfach zu groß, wenn sich heute ein Unternehmen konsequent solchen Standards verweigere und dies publik werde.
Jeder Anleger könne schon heute auf relativ einfache Art prüfen, wie die Fonds im eigenen Portfolio diesbezüglich aufgestellt seien. "Morningstar" (eine im Internet in weiten Teilen frei zugängliche Fondsdatenbank, die die Experten der F&V Fondscenter AG auch gern nutzen) veröffentlicht seit einiger Zeit ein entsprechendes Rating und eine Kennziffer ("Morningstar Sustainability Score") auf der Übersichtsseite jedes Fonds. Zu beachten sei dabei, dass:
- sich der Score mit der Zeit immer wieder deutlich ändern könne, insbesondere wenn die Fonds in ihrer Satzung keine ESG-Kriterien festschreiben würden. Denn dann könnten zumindest theoretisch alle Wertpapiere nach Veröffentlichung des Ratings bereits ausgetauscht worden sein;
- die Werte oft eng beieinander lägen. Die u.g. reinen Ökofonds haben zwar tendenziell minimal höhere Werte (etwa 50 bis 52 gegenüber knapp unter 50 für die "normalen" Fonds), aber ob sich daraus eine stichhaltige ESG-Aussage ableiten lasse, vermögen die Experten der F&V Fondscenter AG nicht zu beurteilen. Diverse andere Öko-Aktienfonds hätten demgegenüber auch niedrigere Werte als die u.g. "normalen" Fonds. Der höchste Wert, den die Experten unter den Ökofonds gefunden hätten, sei ein Sustainability-Score von 57 gewesen - beim KBC Eco Fund - World (ISIN BE0133741752 / WKN A0JJ55). Der habe bisher zumeist auch akzeptable Ergebnisse geliefert;
- noch diverse Fonds kein Rating bzw. Score haben, auch keiner "unserer" seit langem eingesetzten Rentenfonds, so die die Experten der F&V Fondscenter AG.
Darüber hinaus veröffentliche Morningstar an der genannten Stelle auch, wie gut ein Fonds bezüglich ESG innerhalb seiner Kategorie abschneide. Wem es also z.B. wichtig sei, nur in deutsche Aktien zu investieren, könne auch herausfinden, ob ein bestimmter Fonds innerhalb dieser Kategorie besonders nachhaltig agiere.
Wenn man die Datenbank weiter analysiere, stelle man auch fest, dass die Einhaltung hoher ESG-Standards leider auch ein "Luxus" sei, den man sich nicht in allen Ländern und Regionen gleichermaßen "leiste". Dort, wo besonders strenge staatliche Regeln und Kontrollen zu finden seien, würden auch die besten ESG-Werte erzielt.
Wer beispielsweise in einen Aktienfonds für Nordeuropa investiere, habe mit fast jedem dieser Fonds "automatisch" auch einen sehr hohen ESG-Score. Der von den Experten der F&V Fondscenter AG für diese Kategorie festgestellte Spitzenwert liegt derzeit bei 61! Und noch ein paar weitere Fonds dieser Kategorie würden mit ihrem Score besser abschneiden als der beste ESG-Fonds. Nordeuropa-Fonds wären also, rein unter dem ESG-Gesichtspunkt, durchaus ein "Ersatz" für diverse weniger streng agierende ESG-Fonds. Auch das Ergebnis hätte gestimmt. Ein durchschnittlicher Fonds für Nordeuropa habe in den letzten zehn Jahren (Stand 15.11.2017) ein Plus von 82,2% erzielt. Nur ein Ökofonds, und auch dieser "nur" mit der kostengünstigeren Tranche für institutionelle Anleger, habe hier herangereicht (Schroder Climate Change, Score 49).
Das andere Ende der "Score-Fahnenstange" würden die Schwellenländer bilden. Nach stichprobenartiger Kontrolle fänden sich in dieser Kategorie besonders häufig niedrige Score-Werte, oft unter 40. Wer mit seinem Geld auch Gutes tun wolle und in Fonds für Schwellenländer anlege, helfe also einerseits, dort Arbeitsplätze zu schaffen und müsse damit aber zugleich akzeptieren, dass viele dieser Arbeitsplätze weit entfernt seien von den erwünschten ESG-Standards. ESG-Fonds für Entwicklungsländer, bei denen die Fondsmanager ihren Einfluss für Verbesserungen bei den ESG-Standards zielgerichtet geltend machen würden, könnten ein gutes Thema sein, nicht zuletzt für die Reputation der Finanzbranche.
Man habe derzeit leider noch keine praktikable Möglichkeit die "nachhaltigsten" und zugleich "besten" Fonds herauszufiltern und diese Auswahl zugleich auch permanent zu kontrollieren. Auch seien die verschiedenen Kriterien und Methoden, mit denen man die ESG-Orientierung der Fonds beurteilen wolle, nicht einfach miteinander vergleichbar und würden deshalb kein eindeutiges Bild liefern. So gelte der Ökoworld Ökovision Classic zumeist als der strengste Fonds im Hinblick auf den Ausschluss von "schmutzigen" Anlagethemen. Beim Morningstar Sustainability Score liege er unter ESG-Fonds jedoch nur im Mittelfeld. Und ein DWS European Opportunities beispielsweise (der ehemalige DWS Provesta) könnte mit einem Sustainability Score von 52 glatt als ESG-Fonds "durchgehen", obwohl der Fonds solche Anlagekriterien nicht explizit verfolge.
Vorrangig deshalb bleiben die Experten der F&V Fondscenter AG weiterhin zurückhaltend mit Empfehlungen. Wenn jemand mit einer Annäherung an die ESG-Ideale leben könne, seien die Experten gern sein Ansprechpartner. Mehr als eine Annäherung sei vielleicht auch nie möglich, schon allein deshalb, weil sowohl individuelle ESG-Vorstellungen als auch offizielle ESG-Standards einem ständigen Wandel unterliegen könnten. Vor 300 Jahren habe kaum jemand den Sklavenhandel infrage gestellt, und vor 30 Jahren seien Atomkraftwerke kein prinzipiell negativ besetztes Thema gewesen. In ein paar Jahren seien vielleicht alle Autohersteller geächtet, wenn sie noch Verbrennungsmotoren einsetzen würden, oder heute noch unbekannte oder unbedeutende Themen würden wichtig?
Im Folgenden die aktuellen Scores einiger Fonds mit großen Beständen unter den F&V-Kunden und im Vergleich dazu die drei Öko-Aktienfonds mit der besten Wertentwicklung über fünf Jahre, der eingangs erwähnte "Test-Sieger" (nach dem Maßstab "Ausschlusskriterien") Ökoworld - Ökovision Classic sowie der nach dem "Morningstar Sustainability-Score" beste ESG-Fonds von KBC:
Fonds/ Morningstar-Sustainability-Score/ Prozentsatz des dabei berechneten Fondsvermögens
Aktienfonds:
DWS Akkumula 49 / 98% (Stand: 30.09.2017)
DWS Vermögensbildungsfonds I 48 / 97%(Stand: 30.09.2017)
Fidelity World Fund 49 / 94% (Stand: 31.07.2017)
Templeton Growth (Euro) Fund (ISIN LU0114760746 / WKN 941034) 48 / 93% (Stand: 31.10.2017)
Warburg Value Fund 48 / 67% (Stand: 30.09.2017)
M&G Global Basics 48 / 95% (Stand: 31.07.2017)
Ökoworld - Ökovision Classic (ISIN LU0061928585 / WKN 974968) 51 / 83% (Stand: 31.07.2017)
Threadneedle Global Select 47 / 98% (Stand: 31.10.2017)
Nordea Climate & Environment (ISIN LU0348926287 / WKN A0NEG2) 51 / 92% (Stand: 31.10.2017)
Öko-Aktienfonds (ISIN LU0037079380 / WKN 971682) 50 / 73% (Stand: 30.09.2017)
Quest Cleantech (ISIN LU0346063406 / WKN A0NC69) --- / 46% (Stand: 31.10.2017)
KBC Eco Fund - World (ISIN BE0133741752 / WKN A0JJ55) 57 / 83% (Stand: 28.02.2017)
Mischfonds:
Carmignac Patrimoine (ISIN FR0010135103 / WKN A0DPW0) 45 / 55% (Stand: 31.03.2017)
Ethna-Aktiv (ISIN LU0136412771 / WKN 764930) 48 / 57% (Stand: 30.09.2017)
M&G Optimal Income 49 / 60% (Stand: 31.07.2017)
(ökologisch ausgerichtete Fonds sind fett gedruckt) (Quelle: Morningstar) (Ausgabe 4/2017) (29.11.2017/fc/a/f)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 233,185 € | 233,927 € | -0,742 € | -0,32% | 17.04./15:22 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| LU0061928585 | 974968 | 234,99 € | 198,99 € | |
Werte im Artikel




